Interview

Menschen zieht es instinktiv ans Wasser

Hausboote auf Deutschlands Gewässern sind gefragt. Die Baugenehmigung kann allerdings dauern

Ulf Sybel ist einer der beiden Geschäftsführer der Firma FHG floating house. Er gehört zu den Pionieren des Hausboot-Baus in Deutschland. Als seine Firma 1999 damit startete, gab es noch nicht einmal eine Bauordnung für schwimmende Domizile.

Berliner Morgenpost:

Warum wollen Menschen auf bewegtem Wasser wohnen statt auf festem Grund?

Ulf Sybel:

Das scheint damit zusammenzuhängen, dass wir vor langer Zeit als Wesen aus dem Wasser kamen. Menschen zieht es instinktiv ans Wasser, und manche wollen auch dort wohnen. Das ist nicht nur am Ufer, sondern auch auf der Wasserseite des Ufers möglich.

Wie viele Menschen hierzulande leben in Gebäuden auf dem Wasser?

Das wissen wir nicht genau, denn schwimmende Häuser sind nicht grundsteuerpflichtig. Ich weiß, dass es knapp hundert Objekte in Deutschland gibt, ein Drittel dieser schwimmenden Häuser ist von uns.

Wo befinden sich Ihre Objekte?

In Boltenhagen und Laboe an der Ostsee, in Kröslin gegenüber von Peenemünde, in Barth am Darß, in Krummin auf Usedom, in Schleswig auf der Schlei, in Xanten am Rhein, auf der Goitzsche um Leipzig und in Berlin an der Havel. Demnächst auch in Friedrichshagen am Müggelsee, dort beziehen wir unser neues Büro, das zugleich ein Musterhaus ist.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie das erste Projekt umsetzen konnten?

Viele Jahre. Als wir 1999 damit anfingen, gab es in Deutschland für solche Bauwerke keine Bauordnung. In Kröslin haben wir 2001 unser erstes Haus auf das Boddengewässer gesetzt. Die Behörden haben es als Boot betrachtet. Erst viel später begannen die Verwaltungen, einen Leitfaden für die Bebauung am Wasser zu entwickeln. Inzwischen sind festliegende Hausboote baugenehmigungspflichtig. Für einen Bebauungsplan sind bis zu 50 öffentliche Träger zu kontaktieren.

Wie lautet die genaue Festschreibung für Hausboote?

Das schwimmende Haus ist keine Immobilie, sondern eine Mobilie. Im Beamtenjargon: ein mobiles Wirtschaftsgut, das steuerlich auch so abgeschrieben werden kann. Wenn das Haus dann auch noch in die Vermietung geht, kann der Eigner einen sehr interessanten Steuereffekt für sich schaffen.

Warum kauft man ein Hausboot?

Die einen vermieten das Floating House als Ferienobjekt und verbringen selbst darin einige Zeit. Andere wollen ganzjährig darin wohnen, machen es sogar zum Hauptwohnsitz. Floating Houses haben ja nicht diese muffige Hausboot-Atmosphäre wie die Kähne in Amsterdam oder Hamburg. Zudem sind sie eine absolute Rarität am Hausmarkt. Jedes unserer Häuser war schnell verkauft, die Käufer haben sich damit einen Traum erfüllt.

Wo liegen die Preise?

Wir bauen in industrieller Serienfertigung, ausgelegt auf 15 bis 30 Stück. Das garantiert vernünftige Preise, sie liegen – je nach Größe und Ausstattung – zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Will jemand ein individuelles Haus, wird es teurer. Unser größtes Floating House hat 265 Quadratmeter Fläche.

Wo werden die Häuser gebaut?

Wir lassen sie exklusiv bei Werften in Deutschland und den Niederlanden fertigen.