Gastkolumne

Meine Leitung, deine Leitung

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Ein Wasserrohrbruch hinterlässt unschöne Spuren. Meist entstehen Flecken an der Decke in der Wohnung darunter. Doch die Versorgungsleitungen sind nicht nur im Schadensfall, sondern auch bei Instandhaltungsmaßnahmen klassisches Streitthema in Mehrfamilienhäusern. Meine Leitung, deine Leitung – wem ist was zuzuordnen, und wer trägt in welchem Umfang die Kosten? Oft fehlen in der Teilungserklärung oder Gemeinschaftsordnung Zuordnungen der Wasser-, Gas-, Heizungsrohre oder Stromleitungen.

Der Bundesgerichtshof hat sich damit auseinandergesetzt (V ZR 57/12): Selbst wenn ein Leitungsstrang nur der Versorgung einer Wohnung dient, bleibt er Gemeinschaftseigentum, wenn er im räumlichen Bereich des Gemeinschaftseigentums verläuft.

Dann gilt als Grenze meist die erste Absperrmöglichkeit.

Je nach Bauweise kann eine nicht durch Ventile oder ähnliche Zwischenstücke unterteilte Leitung auch nur einheitliches Eigentum sein. Heizungs- und Wasserleitungen verlieren also dort ihre Zugehörigkeit zum Gesamtnetz, wo ein Eigentümer innerhalb seiner Wohnung die Versorgung durch eine Absperrmöglichkeit handhaben kann. Ab diesem Übergabepunkt haben die Miteigentümer gemäß § 14 des Wohnungseigentumsgesetzes keinen Nachteil, wenn ein Einzelner in das Versorgungsnetz eingreift. Daher können dem jeweiligen Wohnungseigentümer ab diesem Punkt sowohl Kosten als auch sonstige Instandhaltungs- und Instandsetzungspflichten zugeordnet werden.

Ein Leitungsnetzplan ist sehr hilfreich bei der Abgrenzung der Verantwortlichkeit zwischen dem Gemeinschafts- und dem Sondereigentum und dient der Transparenz in der Eigentümergemeinschaft. Ohne diesen stehen alle, nun ja, schnell auf der Leitung.

Nächste Woche: Begrenzung der Redezeit in einer Versammlung