Bautrend

Wenn Singles ein Eigenheim bauen

Man kann ja nicht ewig auf den perfekten Partner fürs perfekte Zuhause warten. Mancher Alleinstehende baut nur für sich

Erst eine Familie gründen, dann ein Haus bauen: Diese klassische Reihenfolge gilt für viele Menschen nicht mehr. Auch Alleinstehende verwirklichen in jungen Jahren ihre Träume vom eigenen Haus. „20 Prozent der Singles in Deutschland sind Haus- oder Wohnungseigentümer“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Allerdings sind da ältere Semester eingerechnet. Denn auch sie wissen den Vorteil selbst genutzten Wohneigentums zu schätzen.

„Wer allein wohnt, hat einen geringeren Flächenbedarf und legt meist Wert auf eine kostengünstige Bauweise“, sagt Carmen Mundorff von der Architektenkammer Baden-Württemberg. Die Kammer zeichnet Projekte aus, die für beispielhaftes Bauen stehen. Darunter sind auch immer wieder Häuser für Singles. Oft werden besonders kreative Projekte umgesetzt.

Die Vorgabe für den Architekten eines Singlehauses in Sigmaringen zum Beispiel war, ein Gebäude mit einer Wohnfläche von weniger als 120 Quadratmetern zu bauen. „Gebaut wurde ein Wohnturm mit mehreren Ebenen, der auch im Alter gut von der Bewohnerin zu nutzen ist, weil er über einen Aufzug verfügt“, sagt Mundorff.

Bei einem anderen ausgezeichneten Projekt wollte eine Frau aus ihrem großzügigen Einfamilienhaus ausziehen und ein kleines Haus auf dem Nachbargrundstück bauen. Die gewohnte Umgebung blieb ihr erhalten. Mit der Beschränkung auf ein einfaches Raumprogramm entstand das gewünschte „Gartenhaus“ mit übersichtlichen Strukturen.

Für die Zukunft planen

„Wichtig ist es, den Bewohnern das Leben in ihrem Heim so angenehm und leicht wie möglich zu machen“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB). Für junge Leute heißt das zum Beispiel, dass ihr Haus smart ist, dass sich Licht, Heizung und Rollläden zentral und aus der Ferne steuern lassen. Ältere brauchen vielleicht Lösungen für eine barrierefreie Nutzung.

Wichtig ist es beim Bau von Singlehäusern, an die Zukunft zu denken – und an die Frage: Will ich immer solo bleiben, oder kann das Haus später auch von mehreren bewohnt werden?

Auch Fertighausanbieter haben die Singles für sich entdeckt. „Die größte Bauherrengruppe ist nach wie vor die junge Familie“, sagt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. „Aber ein Eigenheim ist auch für allein lebende Menschen eine attraktive Wohnform. Kleinere Häuser werden zunehmend nachgefragt.“

Singlehäuser unterscheiden sich nicht unbedingt durch weniger Wohnfläche, meist aber durch einen anderen Grundriss von Gebäuden für Familien. Es gibt oft weniger Zimmer und mehr offenen Wohnraum. Die Industrie hat Module entwickelt, mit denen sich Häuser nachträglich erweitern lassen. Somit sind Singles bestens gerüstet für eine Zukunft, in der sie vielleicht nicht mehr allein wohnen.