Interview

Ein Erfolg für die Stadt und das alte Gebäude

Es war eine Herausforderung, 116 Bauherren und deren Wünsche unter einen Hut zu bringen

Mit dem Architekten Klaus Meibohm, der fünf Gebäude umgebaut und die Baugruppe mit gegründet hat, sprach Susanne Ziegert über den Umbau des alten Urban-Krankenhauses.

Berliner Morgenpost:

Das Krankenhausareal ist ein Filetgrundstück mitten in Kreuzberg. Wie gelang es der Baugruppe, das Grundstück zu kaufen?

Klaus Meibohm:

Der Krankenhausbetreiber Vivantes hatte per Anzeige einen Käufer für seine Altbauten gesucht. 19 Bauträger sowie unsere Baugruppe bewarben sich. Finanziell musste unser Angebot mithalten. Es war unser Konzept, das überzeugt hat. Wir wollten eine Art Stadtentwicklungsutopie verwirklichen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Wir wollten eine offene Nutzung des Geländes mit einer Einbeziehung der Nachbarschaft. Die Baugruppenmitglieder wollten keine „closed community“. Von Anfang an haben wir die Integration sozialer Projekte geplant. Wir wollten ein autofreies Gelände realisieren, um einen geschützten Lebensraum insbesondere für Kinder zu schaffen. Mit der TU Dresden wurde die energetische Sanierung der Gebäude entwickelt.

Eine Baugruppe mit 116 Bauherren – wie sind so viele Beteiligte auf einen Nenner zu bringen?

Das war ein sehr komplizierter Prozess, da fast alle Familien ganz besondere Wünsche an die Gestaltung ihrer Wohnung hatten. Die Entwürfe entstanden nach vielen persönlichen Planungsgesprächen über Wohn- und Lebensvorstellungen. Das ist vergleichbar mit dem Bau von ebenso vielen Einfamilienhäusern und hat zeitweise Architekten und Bauherren an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Die denkmalgeschützte Bausubstanz bot viele Möglichkeiten für individuelles Bauen, setzt aber auch Zwänge. Mit weniger Sonderwünschen wäre es schneller sowie günstiger geworden. Und die Architekten hätten weniger graue Haare bekommen.

Welche baulichen Besonderheiten haben die Wohnungen in den alten Krankenhausgebäuden?

Wir haben Gebäude mit Raumhöhen von bis zu fünf Metern vorgefunden, das ermöglichte eine Vielzahl an unterschiedlichen Raumanordnungen mit großzügigen Galerieflächen. Ehemalige Krankensäle mit einer Abmessung von zehn mal 36 Metern für 60 Betten wurden in Townhouses umgebaut. In außergewöhnlichen Räumen wie dem ehemaligen Operationssaal, dem Heizhaus, der Krankenhausküche oder einer Durchfahrt konnten loftähnliche Wohnküchen geschaffen werden.

Inwiefern hat die Baugruppe ihre Stadtentwicklungsutopie letztendlich verwirklichen können?

Die meisten Bewohner sind mit ihrem Projekt sehr zufrieden, nur drei Gesellschafter haben bisher ihren Anteil verkauft. Wir haben die Einbindung sozialer Projekte verwirklicht mit der psychiatrischen Tagesklinik, einem Mutter-Kind-Projekt, einem Integrations-café und einem buddhistischen Zentrum. Das Zusammenleben funktioniert sehr gut. Da viele der Bewohner schon in Kreuzberg wohnten, besteht ein Bezug zum Bezirk. Auf unserem Spielplatz spielen Kinder vom Urban-Gelände mit denen aus der Nachbarschaft und den sozialen Projekten zusammen. Der Lebensraum mit dem zentralen Spielplatz und den Innenhöfen erinnert ein wenig an die Geschichten von Astrid Lindgren. Es ist jedoch die Aufgabe der Projektgruppe, die Qualität des gemeinsamen Wohnens zu erhalten und zu entwickeln.