Gastkolumne

Bitte Ausweis vorzeigen!

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Stellen Sie sich vor, es gibt einen Ausweis – und keiner will ihn sehen. So war es bisher: Der Energieausweis für Gebäude, den Vermieter oder Verkäufer von Wohnungen bei Besichtigungen „zugänglich“ haben mussten, wurde so gut wie nie angefragt. Kommt nicht so gut an, dachten wahrscheinlich potenzielle Mieter oder Käufer, wenn sie eine Wohnung haben wollten. Dem steht ab 1. Mai 2014 nun die Vorlagepflicht entgegen: Der Eigentümer muss schon in den Annoncen die energetischen Kennwerte angeben und eine Kopie des Ausweises am besten mit dem Miet- oder Kaufvertrag aushändigen. Nur dann ist er auf der sicheren Seite, dass er kein Bußgeld bezahlen muss.

Dies ist das Ergebnis der Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV), die im Oktober 2013 von der Bundesregierung verabschiedet wurde. Kritiker fordern bereits weitere Detailregelungen, sodass eine EnEV 2016 erwartet wird. Neu ist ebenfalls eine Aushangpflicht für Energieausweise in Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr.

Ähnlich wie man es von den Aufklebern beim Kauf von Waschmaschinen oder Kühlschränken kennt, gibt es nun auch bei Gebäuden eine Einteilung in Energieeffizienzklassen von A+ bis H. Bisher war lediglich eine Farbampel vorgeschrieben. Alte Ausweise, die vor dem Inkrafttreten der Neuregelung ausgestellt wurden, bleiben aber bis zu zehn Jahre lang gültig. Die zu erwartenden Heizkosten lassen sich aus den Ausweis-Varianten nur schwer einschätzen.

Der Kernpunkt der Novelle 2014 betrifft vor allem Neubauten ab 1. Januar 2016. So werden Anhebungen der energetischen Anforderungen um durchschnittlich 25 Prozent des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfes als angemessen und wirtschaftlich vertretbar gefordert. Grundsätzlich sind die Richtlinien der Neubauanforderungen auf den im Jahre 2021 zu erzielenden EU-Niedrigenergiegebäudestandard ausgerichtet.

Alle anderen Eigentümer müssen sich lediglich mit der Energieausweispflicht herumschlagen, sofern sie ihre Etagenwohnung vermieten oder verkaufen wollen. Dann heißt es nämlich: Bitte Ausweis vorzeigen – sogar, wenn ihn noch immer keiner sehen will. Übereifrige könnten ja einen Aufkleber für die Wohnungstür anfertigen lassen ...

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