Gastkolumne

Die Nachbarin ist Tagesmutter

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Kinder sind süß! Solange sie nicht über einem wohnen. Oder tagsüber dort betreut werden. Ist die Nachbarin Tagesmutter, macht sich schnell Widerstand im Haus breit.

Der Betrieb einer entgeltlichen Tagespflege stellt die „Ausübung eines Gewerbes in der Wohnung“ im Sinne der Teilungserklärung dar. So lautet der amtliche Leitsatz des Bundesgerichtshofes in einem Urteil für Kinderbetreuung in einer Eigentumswohnung (BGH, V ZR 204/11). Meist sind gewerbliche Tätigkeiten geregelt: Sie sollen mit Zustimmung des Verwalters zulässig sein oder können aus wichtigem Grund verweigert werden. Von einem solchen Grund ist auszugehen, wenn das Gewerbe eine unzumutbare Beeinträchtigung der Hausbewohner befürchten lässt.

Sollte der Verwalter eine Zustimmung nicht erteilen, können Miteigentümer einen Beschluss herbeiführen und die Negativ-Entscheidung mit Dreiviertel-Mehrheit der Stimmen ändern. Beschließen manche Eigentümer, die Tagespflege zu genehmigen, verfehlen jedoch die Stimmenmehrheit, ist der Beschluss negativ zu verkünden.

Die jeweiligen Regelungen in der Teilungserklärung sollten überprüft werden, bevor unnötiger Ärger entsteht. Angenehmer als ein böser Rechtsstreit im Haus sind sogar fünf Kleinkinder.