Interview

Teurer Immobilienmarkt verdrängt die Künstler

Ein Berliner Atelierprogramm soll bei der Suche nach geeigneten Arbeitsräumen helfen

Über steigende Immobilienpreise und ihre Bedeutung für Ateliers sprach die Autorin Silke Wilhelm mit Bernhard Kotowski, Geschäftsführer des Kulturwerkes des BBK Berlin.

Berliner Morgenpost:

Sie sind mit dem Kulturwerk des BBK ein internationaler Dreh- und Angelpunkt für nach Berlin kommende und in Berlin lebende Künstler. Wer ein Atelier sucht, kommt zu Ihnen. Warum?

Bernhard Kotowski:

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat und Partnern haben wir ein umfassendes Atelierprogramm und Angebot entwickelt, das Künstlern die Möglichkeit gibt, ihren finanziellen Möglichkeiten entsprechend Arbeitsräume anmieten zu können. Wir mieten die Objekte zum offiziellen Marktpreis und tragen die Differenz zwischen der eigentlichen Miete und dem Betrag, den der jeweilige Künstler mit meist 150 bis maximal 300 Euro im Monat finanzieren kann. Zur Zeit verfügen wir über 830 geförderte Ateliers und Atelierwohnungen.

Nebst eigenen Fördermöglichkeiten mit einem Budget von ca. 1,4 Millionen Euro sind Sie dennoch abhängig von der jeweiligen Marktentwicklung. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Die Nachfrage steigt stetig, der Kunststandort Berlin ist begehrt und zu einem internationalen Produktionsort für Kunst geworden. Gleichzeitig boomt der Immobilienmarkt, so dass begehrte Gegenden, in denen früher noch Ateliers waren, heute keine mehr beherbergen, da die Mieten nicht mehr im Verhältnis stehen. Das birgt die Gefahr eines Qualitätsverlustes einer urbanen, sich gegenseitig befruchtenden Nutzungsmischung. Berlin lebt aber genau davon und hat deshalb eine hohe Anziehungskraft.

Wie viele Künstler leben derzeit in Berlin?

Es sind etwa 7000 professionell arbeitende Künstler.

Und Ihren Angaben nach kommen weitere hinzu. Gibt es noch genug Fläche in Berlin?

Genug Fläche ja, aber nicht mehr genug bezahlbare. Wir haben 1000 Bewerber pro Jahr, und während wir noch vor drei Jahren auf ein Objekt vielleicht vier Bewerber hatten, sind es heute zwölf.

Im Zuge der Stadtentwicklung haben sich Prenzlauer Berg, Mitte und auch Teile von Kreuzberg zu Wohlstandswohn- und Szenezentren entwickelt. Gibt es hier noch Ateliers?

Vereinzelt und wenn, dann wegen alter Mietverträge. Neue Flächen können und werden nur noch meist in Wedding, Neukölln oder jetzt auch Reinickendorf oder Lichtenberg angemietet.

Wie erklären Sie die wachsende Nachfrage?

Noch gibt es hier Flächen und viele davon in spannenden Bauwerken. Darüber hinaus besteht hier nebst den im europaweiten Vergleich noch recht geringen Lebensunterhaltungskosten die Attraktion des direkten branchenübergreifenden Austausches. Das führt zu interessanten Spannungsbögen und schafft eine ungemeine Vielfalt an neuen Marktmöglichkeiten und Symbiosen.

In vielen Städten ist zu beobachten, dass Innenstädte aussterben. Wie ist es in Berlin?

Auch hier bedarf es einer dringenden politischen Lösung. Dämme müssen errichtet werden, um eine Infrastruktur zu ermöglichen, die alles zulässt und im Gleichgewicht hält. Der inspirative Austausch auf der Straße in der Nachbarschaft muss erhalten und gefördert sein.