Traumsanierung

Noch schöner als erträumt

In Niederschönhausen haben Solvig Adler und Kai Bröske nach vielen Spaziergängen ihren Bungalow gefunden und saniert

Die Straßen von Niederschönhausen im Bezirk Pankow kennen Solvig Adler, 42, und Kai Bröske, 44, besser als jeder Taxifahrer. Von ihrer 95 Quadratmeter großen Altbauwohnung in der Platanenstraße sind der Vertriebsmanager einer renommierten Berliner Druckerei und die Assistentin der Geschäftsleitung seit Januar 2008 in jeder freien Minute zu Fuß durch das politische Machtzentrum der ehemaligen DDR gestreift. In der Hand hatten sie einen Kompass und im Herzen den Wunsch, endlich das Eigenheim ihrer Träume zu finden. Von dem hatten sie eine glasklare Vorstellung. „Wir wollten ein frei stehendes Haus um 130 Quadratmeter in ruhiger Lage mit Südgarten, wo unsere siebenjährige Tochter Mia in Ruhe aufwachsen kann“, so Bröske.

Alle Kaufkriterien erfüllt

Vor seinen ausgedehnten Spaziergängen hatte das Paar die zum Verkauf stehenden Häuser im Internet angeschaut und auf diesem Weg deren geografische Koordinaten gecheckt. Bald hatten Adler und Bröske das rechtwinklige Straßensystem des einstigen Diplomaten-Stadtteils verinnerlicht und konnten anhand der Daten im Internet von vorn herein die Lage der angebotenen Objekte einschätzen. Im Dezember 2008 stießen sie auf ein Einfamilienhaus im Norden von Niederschönhausen, das auf Anhieb alle Kaufkriterien erfüllte: Das einstöckiges Gebäude von 1935 mit ausbaufähigem Keller und einer Wohnfläche von insgesamt 110 Quadratmetern auf einem 680 Quadratmeter großen Süd-Grundstück war zu einem angemessenen, sechsstelligen Betrag ausgeschrieben. „Als wir dann kurz darauf davor standen, wussten wir, dass das unser Haus ist“, sagt Solvig Adler.

Der Familie gefiel die Schlichtheit des Bungalowstils aus den 30er-Jahren, der dekorative Kontrast zwischen der weißgetünchten Fassade und den von roten Backsteinen umrahmten Fenstern mit Außenfensterbank. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, so die Hausherrin. Vor allem schätzt sie die ruhige, gediegene Wohngegend. Diese ist auf der einen Seite gekennzeichnet von Bauhaus inspirierten Bauten. Aber auch zahlreiche Wohnbungalows ehemaliger Botschaftsangehöriger mit DDR-Chic sind typisch für diesen Ortsteil.

Nach der Entdeckung der Wunschimmobilie entwickelt das Projekt seine eigene Dynamik. Zur Erstbesichtigung im Januar 2009 hatte das Paar den Berliner Innenarchitekten André Nickl dazu gebeten, um vor dem Kauf professionelle Vorschläge für den Umbau des Hauses machen zu können. „Der ursprüngliche Grundriss war sehr viel kleinteiliger und belanglos“, erinnert sich Nickl. Alle Zimmer gingen von einem dunklen Flur ab. Die kleine Küche lag fernab vom Wohnzimmer. Einen Zugang zum Garten gab es nur durch die Eingangstür oder über eine Stiege durch den Keller.

Doch wie seine Auftraggeber erkannte auch der Innenarchitekt das Potenzial des Hauses gleich auf Anhieb. Auf Basis der Grundrisse von Keller und Wohngeschoss legten der Fachmann und das Käufer-Paar gemeinsam die Eckpfeiler des Umbaus fest: Die Fenster zum Garten sollten bodentief vergrößert werden, Bad und Ankleidezimmer wurden ins Souterrain verlegt, um so mehr Raum auf der Wohnebene zu schaffen. An die Rückseite des Hauses kam das Elternschlafzimmer, drei Zimmer verschmolzen zu einem durchgängigen Wohn- und Essbereich mit offener Küche. André Nickl: „So konnten rund 28 Quadratmeter Wohnfläche gewonnen werden.“

Vor allem die Öffnung zum Garten lag den Interessenten am Herzen. Da der einzige Weg dorthin durch den Keller führte, sollten die kleinen Fenster des Wohn- und Schlafzimmers durch Terrassentüren ersetzt werden. Diese wiederum ermöglichen über einen großzügigen Balkon mit breiter Freitreppe den direkten Zugang zum Garten.

Nachdem ein Experte die statischen Voraussetzungen für die geplanten Umbaumaßnahmen bestätigt hatte, ging Nickl ans Werk und plante das neue Haus entsprechend der Vorgaben. „Als die Entwürfe vorlagen, stand unser Kauf-Entschluss endgültig fest“, erinnert sich Kai Bröske. „Wir einigten uns mit dem Verkäufer auf einen Preis deutlich unter seinen Vorstellungen.“

Vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags Anfang März 2009 zog das Paar zur Mitfinanzierung die Berater der PSD-Bank zu Rate. Die Kreditbewilligung erfolgte zeitnah. Der Bankberater hatte sich außerdem persönlich wegen der bevorzugten Wohnlage, der soliden Bausubstanz und nicht zuletzt wegen der Umbaumaßnahmen von der zu erwartenden Wertsteigerung des Hauses überzeugt. Da die Familie monatlich nur unwesentlich mehr an Zinsen und Tilgung als zuvor an Miete aufbringen muss, hat sich die Investition von Anfang an gerechnet. „Unser Haus ist bei derzeitiger Marktlage ein solides und gleichzeitig lukratives Investment“, so Bröske.

Wohnen auf der Baustelle

Nach der Schlüsselübergabe am 1. August zogen sich die Bauarbeiten hin. Der Umzug ging am 12. Dezember 2009 über die Bühne – obwohl das neue Zuhause der Familie noch eine Baustelle war. Aber die alte Wohnung musste für den Nachmieter geräumt werden.

Die tägliche, von Schmutz und Lärm begleitete Präsenz der Handwerker, die Beaufsichtigung aller Gewerke und am Ende – endlich – die Einrichtung des Hauses seien eine „anstrengende, aber auch schöne Zeit“ gewesen. Kai Bröske: „Jeden Tag zu sehen, wie die eigenen Vorstellungen allmählich Gestalt annehmen, ist großartig.“

Dazu zählt auch das von Nickl entworfene, auf Basis von Ikea-Küchenelementen gebaute raumhohe Möbel, das die Küche auf der linken Seite vom Wohnbereich abschirmt. Neben dem Backofen und dem Dampfgarer befinden sich hinter den 16 Schranktüren außer Geschirr und Küchenutensilien aller Art auch eine Kühl-Gefrierkombination. Durch geschickte Änderungen und Anpassungen der Ikeamöbel wirkt der gesamte Küchentrakt wie eine hochwertige Maßküche aus einem Guss.

Verstärkt wird der Eindruck hoher Wertigkeit durch die Auswahl der Küchengeräte und Armaturen. Herd, Backofen, Dampfgarer und Geschirrspüle stammen von Markenherstellern der ersten Liga wie zum Beispiel Küppersbusch. Das Gleiche gilt für die Armaturen von Dornbracht.

Bei der Einrichtung hat sich das Paar auf den puristischen Charakter des Hauses eingestellt nach dem Motto „Weniger ist mehr“ von Ludwig Mies van der Rohe. Die Möbel sind von schlichter Eleganz. Zum weißen Holztisch von Ikea kombiniert das Paar die Arm Chairs von Charles Eames.

Mit dem Garten und dem weitläufigen Rasen mit einer „Lounge-Ecke“ hat sich die Familie ein weiteres Wohn-Idyll für die Sommermonate geschaffen. „Es ist eigentlich noch viel schöner, als wir es uns Anfang erträumt hatten.“