Gastkolumne

Nicht vor Angst verschanzen

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Damit im Brandfall niemand zu Schaden kommt, braucht es Fluchtwege. In jeder Landesordnung steht im Bezug auf Brandschutz eine Generalklausel, die besagt, dass die Benutzung von Gebäuden nur erfolgen darf, wenn eine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit, aber auch Leib und Leben der Bewohner, nicht gegeben ist. Jedes Gebäude hat demnach über mindestens einen gut passierbaren Rettungsweg zu verfügen, in einem Mehrfamilienhaus ist das in der Regel das Treppenhaus. Die Passierbarkeit ist aber nicht gegeben, wenn die rettende Haustür ins Freie, nun ja, verschlossen ist. Wer nimmt schon den Schlüssel mit, wenn er nachts im Schlafanzug fliehen muss? Und selbst wenn: In dieser extremen Situation, meist in Verbindung mit starken Rauchentwicklungen, können Panikzustände dazu beitragen, dass viele Menschen auf die verschlossene Tür zuströmen und der Schlüsselinhaber gar nicht mehr dazu kommt, sie aufzuschließen.

Nun gibt es in einem Wohnhaus immer auch Parteien, die Angst vor Einbruch haben. Diese bestehen darauf, dass die Eingangstür nachts verschlossen ist. In vielen Hausordnungen ist vermerkt, dass die Haustür ab 20 oder 22 Uhr abzuschließen ist.

Logisch lässt sich das nicht erklären: Die meisten Einbrüche finden tagsüber statt, wenn die Wohnungen leer sind, oder im Winter in den frühen, dunklen Abendstunden. Brände hingegen treten oft in der Nacht auf.

Hieraus folgt, dass Haustüren aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht verschlossen werden dürfen. Kein Bewohner darf also gezwungen werden, die Haustüre abzuschließen. Solche Regelungen einer Hausordnung sind gemäß § 134 Bundesgesetzbuch in Verbindung mit der bauordnungsrechtlichen Generalklausel unwirksam. Vielmehr stellt das Abschließen nämlich einen Rechtsverstoß dar, der sogar zu Schadensansprüchen berechtigen kann.

Abhilfe für Einbrecher-Ängstliche leisten hochwertige Schließanlagen oder auch Balken- oder Stangenschlösser innerhalb der Wohnung. Auch eine sogenannte Panikschließung für die Eingangstür ist jederzeit von innen auch ohne Schlüssel zu öffnen.

Die Frage „Fluchtweg oder Einbruchschutz?“ stellt sich dann nicht mehr. Beides schließt einander nicht aus!

Nächste Woche: Hausordnung