Interview

„Sinn macht oft ein neues Heizsystem"

Energetische Sanierung ist eines der zentralen Themen bei der Renovierung von Altbauten

Mit dem Energie-Experten Norbert Tietz aus dem Fachbereich Haustechnik der Garant-Gruppe sprach die Autorin Hedda Möller über energie-effiziente Altbausanierung.

Berliner Morgenpost:

Über undichte Fenster und Türen, zugige Dächer oder Außenwände verliert ein Haus viel wertvolle Wärmeenergie. Energetische Sanierung ist daher eines der zentralen Themen bei der Renovierung von Altbauten. Was versteht man darunter?

Norbert Tietz:

Die energetische Haussanierung zielt durch verschiedene handwerkliche Maßnahmen auf eine Verringerung des Energieverbrauchs für Heizung, Warmwasser und Lüftung ab. Darunter fallen Produkte für das Sparen von Heizkosten und Strom genauso wie für die dezentrale Wärme- und Stromerzeugung.

Zum Beispiel?

Bei einem zweischaligen Mauerwerk, über das viel Wärme entweicht, lässt sich über die so genannte Einblasdämmung eine preiswerte und effiziente Isolierung erreichen. Alternativ kommt ein so genanntes Wärmeverbundsystem bei der Isolierung der Außenwände ins Spiel. Auch die Sanierung der Fenster, der Keller-Außenwände oder die Dämmung der Kellerdecke verhindern, dass viel Heizenergie entweicht. Sinn machen in vielen Fällen ein neues Heizsystem oder der Einsatz von Solarthermie zur Gewinnung von Warmwasser und Heizkraft.

Wer kann mich hier beraten?

Ein zertifizierter Energieberater betrachtet das Gebäude in seiner Gesamtheit. Er macht eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, ermittelt die Wertsteigerung des Gebäudes unter Berücksichtigung maximal möglicher Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, d. Red.) Für die Bewilligung von Fördermitteln ist eine Bestätigung durch einen unabhängigen, staatlich gelisteten Energieberater ohnehin zwingend.

Die KfW hat in einer Studie festgestellt, dass sich die Investitionen am Ende meist nicht aus den eingesparten Energiekosten finanzieren lassen. Ist die energetische Sanierung am Ende nur eine Mogelpackung zur Belebung der Auftragslage bei Baufirmen, Klempnern und Heizungsbauern?

Nein. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Die KfW-Programme für energetische Gebäudesanierungen sind in der Regel ein Riesenerfolg. Mir sind nur positive Ergebnisse bekannt, wenn eine seriöse Beratung dahinter steht.

Heizkosten machen mehr als 40 Prozent der Nebenkosten aus und sind damit wie die „zweite Miete“. Gerade sozial schwache Familien in Berlin können die Belastungen kaum schultern.

So ist es. Und weil sie ihre Stromrechnungen oft nicht zahlen können, wird jährlich mehr als 200.000 Haushalten, die Arbeitslosengeld II beziehen, der Strom abgestellt. Denn die tatsächlichen Stromkosten liegen weit über dem Regelsatz und müssen aus dem Budget für Essen und Kleidung finanziert werden. Das ist aber kaum möglich – ein Teufelskreis.