Interview

„Häufig sind kulturelle Besonderheiten reizvoll“

Architekten müssen hohe Effizienz erreichen, aber auch die individuellen Kundenwünsche umsetzen

Mit dem Architekten Dominik Krohm vom Architekturbüro Klaus Theo Brenner sprach Autor Oliver Klempert über Wohnungen im anspruchsvollen Segment.

Berliner Morgenpost:

Wie würden Sie den aktuellen Wohnungsmarkt beschreiben? Hat er sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt?

Dominik Krohm:

Es hat einen Wandel auf dem Wohnungsmarkt insbesondere in Berlin gegeben. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen hat sich deutlich verstärkt. Einige Gründe dafür sind sicherlich die niedrige Zinslage an den Kreditmärkten, aber auch das steigende Bewusstsein für eine selbstverantwortliche Altersvorsorge. Wir arbeiten als Architekten verstärkt mit Bauträgern zusammen, die sich auf den Bau von Eigentumswohnungen spezialisiert haben. Zudem kommen seit einigen Jahren immer mehr Investoren und Kapitalanleger aus dem Ausland auf den Markt.

Welche Forderungen und Wünsche werden an Sie herangetragen?

Da bei den größeren Wohnbauvorhaben in der Regel die Wohnungen jeweils an einzelne Eigennutzer verkauft werden, erwarten unsere Auftraggeber, dass wir mit ihnen zusammen die Wünsche der Käufer umsetzen. Das kann bei einem Bauvorhaben mit 50 Wohneinheiten bedeuten, dass es 50 eigenständige Käufer gibt. Hier haben wir spezielle Instrumente entwickelt, um einerseits eine hohe Effizienz für den Bauherrn zu erreichen, andererseits die individuellen Kundenwünsche umzusetzen.

Worauf kommt es bei der Planung von Designer-Wohnungen an? Wie gehen Sie dabei vor? Stehen durch ein größeres Budget mehr kreative Möglichkeiten zur Verfügung?

Zunächst muss unterschieden werden zwischen dem Bauherrn mit nur einer Wohneinheit und dem Bauträger, der gleich mehrere Wohnungen für seine Kunden umsetzen muss. Am Anfang des Projekts sind die Wünsche des Nutzers zu erfragen. Dazu sollten möglichst einfache Regeln im Baukörper gefunden werden, die als Leitlinien dienen. Natürlich gibt auch das Budget gewisse Grundlagen vor. Jedoch kann eine hohe Qualität auch mit einfachen, sparsamen Mitteln erzeugt werden.

Gibt es besondere Herausforderungen bei der Planung sowie beim Entwurf von Designer-Wohnungen?

Ein besonders hochwertiger und aufwendiger Ausbau einer Wohnung fordert ein breites Fachwissen des Planers. Wohnungen im anspruchsvollen Segment erfordern nicht nur ein großes Augenmerk auf Materialien und Formen, sondern sind auch aufwendiger in der technischen Ausrüstung. Das können zum Beispiel Technologien zur Vernetzung im Haus sein – etwa wenn jemand an der Tür klingelt und dies dann aufs Handy weitergeleitet wird.

Sehen Sie einen Trend, dass Eigentümer von Wohnungen zunehmend an der Gestaltung ihres Domizils mitwirken wollen? Inwiefern verändert sich dadurch Ihre Tätigkeit?

Die Aufgabe des Architekten ist es immer, den Bauherrn auf das Gesamte aufmerksam zu machen. Eine Wohnung ist nicht eine isolierte Einheit, sondern besteht im Kontext des gesamten Hauses. Diese Vorgaben sollten im Idealfall mit den Wünschen des Nutzers zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden. Ein interessanter Aspekt ist auch die Zunahme an internationalen Wohnungskäufern. Hier erleben wir oft kulturelle Besonderheiten, die für Architekten besonders reizvoll sein können. Kunden aus dem chinesischen Raum mögen es oft opulenter, also zum Beispiel eine stärkere Farbgebung.