Expertenrat

Schlüssel verschusselt

Jeder hat ihn, jeder sucht ihn, fast jeder findet ihn: den Wohnungsschlüssel. Und mancher findet ihn eben nicht. Ist der Schlüssel verschusselt, kann das schnell zum Thema für das ganze Haus werden. Denn Türschlösser samt Schlüssel gehören nicht einem einzelnen, sondern der Eigentümergemeinschaft – sofern es sich um eine Schließanlage handelt.

Aufgrund einer Schlüsselkombi für Gemeinschafts- und Sondereigentum bekommt der Schlüsselverlierer leicht Ärger mit den Miteigentümern. Ist eine neue Schließanlage einzubauen? Wer trägt die hohen Kosten?

Das Wohneigentumsrecht (WEG) ist dem Verwalter hier keine große Hilfe, Grundsätze lassen sich eher aus dem Mietrecht ableiten: So hat das Landesgericht Berlin in einem Urteil entschieden, dass kein neues Schloss eingebaut werden muss, wenn nichts auf den Besitzer der verlorenen Schlüssel hinweist und deshalb ein Finder nichts damit anfangen kann. Sprich: Ist kein Schaden zu erwarten, wird lediglich der eine Schlüssel ersetzt – und fertig. Auch das Mannheimer Landesgericht spricht den Mieter von der Kostenübernahme frei.

Wenigen bekannt ist, dass die Kontrolle über das Sicherheitssystem vom Hersteller zeitlich begrenzt ist. Danach kann jeder Schlüsseldienst weitere Schlüssel ohne Registrierung fertigen. Je nach Laufzeit des Patents endet mit dem Auslaufen auch die Kontrolle über die Schlüsselzahl.

Problematischer ist es, wenn der Schlüssel zum Beispiel samt Personalausweis verloren ging, auf dem die Wohnadresse ja angegeben ist. Da die Umstände des Verlusts entscheidend sind, besteht für den Schlüsselverlierer gemäß § 14 WEG Informationspflicht gegenüber den anderen Eigentümern. Diese entscheiden, ob sie das Risiko des unbefugten Betretens von Gemeinschaftsräumen in Kauf nehmen.

Erster Ansprechpartner in Sachen „Schlüssel weg“ ist demnach immer der Verwalter, der die Entscheidung über einen Austausch der Schließanlage in der Gemeinschaft herbeiführen muss. Auf den Kosten bleibt wohl der Verursacher sitzen. Günstig, wenn dieser Fall wenigstens durch eine private Haftpflichtversicherung abgedeckt ist.

„Ein Schlüssel für alles“ ist eine feine Sache. Solange man ihn nicht verschusselt.

Nächste Woche: Verwalterwechsel

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEGVerwalter Berlins