Energie

Keine sonnigen Aussichten

Die Förderung für eingespeisten Solarstrom sinkt weiter. Energie vom Dach lohnt sich für Privatleute hauptsächlich zum Eigenbedarf

Wer aufs Budget schauen muss, wird derzeit zögern, sich für eine neue Fotovoltaikanlage zu entscheiden. Die Zeiten, da mit Solaranlagen gutes Geld verdient wurde, sind für Neueinsteiger vorbei. „Noch vor einigen Jahren konnten Anlagenbetreiber mit einer Einspeisevergütung von 30 Cent pro Kilowattstunde und mehr kalkulieren“, sagt Christian Märtel von der Plattform Solaranlagen-Portal.com, die Fachbetriebe vermittelt. Damit erzielten sie ordentliche Renditen, wenn sie ihren Strom ins öffentliche Netz einspeisten.

Denn für jede Kilowattstunde Solarstrom, die Anlagenbesitzer verkauften, bekamen sie eine feste, auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung. Für eine im Juli 2009 ans Netz gegangene Anlage sind das 43,01 Cent je Kilowattstunde, für eine im Juli 2013 neu gemeldete Kleinanlage gibt es nur noch 15,07 Cent Vergütung. Daher rechnet sich eine Fotovoltaikanlage mit Volleinspeisung kaum noch – denn die Einspeisevergütung sinkt weiterhin.

„Zum 31. Oktober 2013 hat die Bundesnetzagentur die neuen Sätze für die Einspeisevergütung für November und Dezember 2013 sowie Januar 2014 bekannt gegeben“, sagt Märtel. „Sie verringert sich jeweils gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent.“ Im Dezember liegt sie bei 13,88 Cent je Kilowattstunde für Dachanlagen bis zehn Kilowatt-Peak und bei 13,17 Cent für Dachanlagen von zehn bis 40 Kilowatt-Peak. Im Januar gibt es nur noch 13,68 Cent für Kleinanlagen und 12,98 Cent für jene bis 40 Kilowatt-Peak. Dagegen betragen die aktuellen Stromgestehungskosten einer Fotovoltaikanlage, also der Preis, zu dem eine Kilowattstunde über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren erzeugt wird, 15 bis 18 Cent pro Kilowattstunde. „Wenn man den Strom, den man für 15 Cent erzeugt, für weniger Geld verkauft, lohnt sich die Volleinspeisung nicht mehr“, sagt Märtel.

Ob der Kauf einer Solaranlage sinnvoll ist, hängt auch von den geografischen und meteorologischen Gegebenheiten ab. „Wenn das Dach von einem Baum verschattet wird, kann kaum so viel Sonnenenergie erzeugt werden, dass sich die Investition lohnt“, sagt David Wedepohl, Pressesprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft in Berlin.

Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin rät, drei Komponenten zu beachten: den Preis der Anlage, die Höhe der Einspeisevergütung und den Ertrag. „An der Einspeisevergütung kann der Verbraucher nichts ändern“, sagt der Baufinanzierungsexperte. „Er kann aber eine gute Solaranlage zu einem vernünftigen Preis kaufen.“ Der Vergleich verschiedener Angebote kann Geld sparen, denn nach Recherchen der Stiftung Warentest schwanken die Preise für vergleichbare Solarmodule um bis zu 30 Prozent.

Wer seinen Strom nicht ins öffentliche Netz speist, sondern so viel wie möglich selbst nutzt, macht unter Umständen immer noch ein gutes Geschäft. „Mit einer Solaranlage kann man den Strom preisgünstiger erzeugen, als wenn man ihn vom Netzbetreiber bezieht“, sagt Märtel.

Förderung früh beantragen

Um die Energie besser zu verwerten, müssen Betreiber von Solaranlagen in Speicheranlagen investieren. Damit könnten sie den Anteil ihres selbst genutzten Solarstroms mehr als verdoppeln. Aber: „Das treibt die Stromgestehungskosten wieder in die Höhe, sodass der Strom teurer werden kann als der Haushaltsstrom“, warnt Märtel.

Für einen Solarstromspeicher mit Blei-Technologie rangieren die Preise zwischen 7000 und 9000 Euro. Die Lithium-Technologie kostet 10.000 bis 13.000 Euro. Diese Preise gelten für ein Fünf-Kilowatt-Speichersystem inklusive Installation. „Diese Technologie ist relativ neu, aber ausgereift“, sagt Wedepohl. „Wenn in Zukunft mehr Verbraucher diese Technik nutzen, wird sie auch noch preiswerter.“

Und es gibt zur Anschaffung einen Zuschuss: Über das Marktanreizprogramm für Batteriespeicher der KfW-Förderbank sei der Einbau für viele wirtschaftlich interessant, sagt Wedepohl.

Pro Kilowatt-Peak Leistung der Solaranlage beträgt der Zuschuss bis zu 660 Euro. Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt von den Kosten des Batteriesystems und von der Größe der Anlage ab. Den Zuschuss können Betreiber von Anlagen beantragen, die eine maximale Leistung von 30 Kilowatt haben. Auf Ein- und Zweifamilienhäusern werden üblicherweise Anlagen mit einer Spitzenleistung von bis zu zehn Kilowatt installiert. Wichtig ist, die Förderung vor der Anschaffung zu beantragen.

Mit der Speichertechnik können sich Betreiber der Solaranlagen weitgehend unabhängig von den Stromversorgern machen. Wird das System künftig mit intelligenter Technik kombiniert, kann der Verbrauch der erneuerbaren Energie auf die Nutzung abgestimmt werden. „Die Waschmaschine kann zum Beispiel mithilfe einer Zeitschaltuhr so eingestellt werden, dass sie wäscht, wenn die Sonne scheint“, nennt Wedepohl ein Zukunftsszenario. „Der Zwischenspeicher liefert Energie für alle Hausgeräte. Was an Strom übrig bleibt, kann an Nachbarn verkauft werden.“

Für Jörg Sahr von der Stiftung Warentest geht die Rechnung aktuell noch nicht auf: „Wer jetzt in Batteriespeicher investiert, muss wissen, dass sich das unter Renditegesichtspunkten im Moment nicht lohnt.“ Die Speicher seien zu teuer – auch mit Förderung. „Wenn sich das ändert, kann es aber eine interessante Variante sein, sich von den Stromanbietern unabhängig zu machen.“