Auto

In Spezial-Garagen können Oldtimer trocken überwintern

Martin Halder hat eine Schwäche für historische Gebäude und historische Autos.

– Basierend auf der Nutzung alter Straßenbahndepots und Fabriken hat der 46-Jährige unter der Marke Meilenwerk ein Konzept zur Rundumbetreuung von Oldtimern entwickelt. Die Objekte in Berlin und Düsseldorf, die heute beide unter Classic Remise firmieren, sowie in Stuttgart sind Anziehungspunkte für klassische Autos aller Art.

Sicher vor Schnee und Kälte können Eigentümer dort ihre Schätze aufbewahren und von Fachwerkstätten warten lassen – auch wenn Halder selbst es bei seinem Oldie mit dem Wetterschutz früher nicht so genau nahm: „Ich habe meinem 44 Jahre alten Porsche 911 Targa einen umfangreichen Korrosionsschutz verpasst und ihn fünf Jahre lang sommers und winters durch Berlin gefahren.“

In vielen Unterständen droht Rost

Ein Gedanke, der anderen Besitzern klassischer Fahrzeuge den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte. Sie wollen ihre Oldtimer vor Rost bewahren und kämen nicht auf die Idee, einen alten Mercedes Pagode, einen Karmann Ghia oder einen Alfa Romeo Giulia auf die Straßen zu lassen, wenn die Winterdienste Salz gegen Glatteis streuen. Stattdessen bewahren die meisten ihre alten Automobile in der heimischen Garage auf – und begehen dabei zuweilen folgenschwere Fehler. „Nachteile vieler Hausgaragen sind unzureichende Durchlüftung und fehlende Heizung im Winter“, warnt Mika Hahn, Center-Manager der Classic Remise. „Dadurch können sich Feuchtigkeit und Schwitzwasser bilden.“ Idealer Nährboden für Rost, und bei Frost drohten Schäden durch die gefrierende Nässe.

Immer mehr Deutsche entdecken ihre Liebe zu Oldtimern. Von 2007 bis zum Beginn dieses Jahres ist die Zahl der Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind, nach Angaben des Kraftfahrzeug-Bundesamts um 75,4 Prozent auf 254.053 gestiegen. „Die Begeisterung für historische Fahrzeuge wächst stetig“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Seit Ausbruch der Finanzkrise haben nicht nur Hunderttausende Deutsche ihr Geld in Immobilien gesteckt, um es vor den Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu schützen. Viele haben auch in Oldtimer investiert, in der Hoffnung, dass die Klassiker ihren Wert halten oder steigern werden. Die Frage ist nun, wie man die Autos durch den Winter bringt. Die meisten können Möglichkeiten wie Meilenwerk oder Classic Remise nicht nutzen. Es gibt zu wenige solcher Stätten.

„Optimal ist eine isolierte und beheizte Garage, in der die Luftfeuchtigkeit konstant bei 55 bis 60 Prozent gehalten wird“, sagt Holger Lützenkirchen, Oldtimer-Spezialist bei Mercedes-Benz Classic. Unterstellplätze, wie sie Lützenkirchen empfiehlt, sind massiv gebaut. Einige Anbieter haben Betongaragen mit Grundflächen von bis zu elf Meter Länge und sieben Meter Breite im Programm. Genügt das nicht, kann man sich eine Garage nach Maß errichten lassen. Es werden Computersteuerungssysteme benötigt, die Heizung sowie Luftent- und -befeuchtungssysteme regeln. Solche Luxuslösungen kosten jedoch 20.000 Euro und mehr. „Nur wenige Oldtimer sind überhaupt so viel wert“, sagt Jochen Thoma, Experte für historische Fahrzeuge beim ADAC.