Interview

„Die besten Ideen kommen meist vor Ort“

Bei Umbauten von Bestandsimmobilien steht Babette Pernice den Besitzern zur Seite

Mit der Architektin Babette Pernice sprach unsere Autorin Anna Klar über An- und Umbauten von Bestandshäusern.

Berliner Morgenpost:

Kann jedes „alte“ Haus saniert werden?

Babette Pernice:

Im Prinzip ja. Es stellt sich natürlich immer die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Ein An-oder Umbau zu zeitgemäßerem Wohnen bedeutet immer eine Wertsteigerung. Ob sich die jeweilige Investition für den Eigentümer rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab: zum Beispiel von der Lage, dem Zuschnitt des Hauses oder der Qualität des Baubestandes. Diese Punkte sollten präzise untersucht werden.

Wie gehen Sie vor, wenn Hausbesitzer bei Ihnen anfragen?

Zunächst schaue ich mir das Objekt an und versuche herauszuhören, was die Bauherren sich wünschen und was Ziel der Planung sein soll. Meistens kommen die besten Ideen vor Ort. Wenn die Grundrisse und Schnitte vorliegen, ergeben sich oft andere oder noch weitere Möglichkeiten.

Wie ist es, wenn Eigentümer mit fertigen, selbst angefertigten, Entwürfen auf Sie zukommen?

Die Bewohner kennen ihre Immobilie am besten. Nur sie können genau beurteilen, was sie brauchen, wie ihre Lebensumstände sind und welche Abläufe sich in Haus oder Wohnung abspielen. Wenn Bewohner sich darüber Gedanken gemacht haben und diese schon zu Papier gebracht haben, kann der Architekt sich einfacher einfühlen.

Gibt es bei den Wünschen der Bauherren eine Gewichtung – Dämmung, neue Fenster, Anbauten?

Dämmung und neue Fenster sind interessant, weil die KfW hier finanzielle Unterstützung anbietet, auch für neue Heizungsanlagen. Die meisten Bauherren sprechen mich aber an, weil sie ihre Raumverhältnisse erweitern oder anders zuordnen wollen. Der häufigste Wunsch ist es, aus kleinteiligen Bestandsgrundrissen etwas Größeres und Offeneres zu machen. Durch Wegnehmen einer Wand oder durch Tauschen der Zimmernutzungen kann schon Erstaunliches passieren. Im Zuge der Umbaumaßnahmen werden Fenster und Dämmung oft mit erneuert. Vielfach werden Fensteröffnungen vergrößert, um mehr Licht ins Gebäude zu holen. Dadurch entsteht viel mehr Luft und Großzügigkeit.

Was sind die größten Herausforderungen bei einem Um- oder Anbau ?

Um- und Anbauten erfordern engmaschige Baubetreuung. Das ist aufwendiger als bei Neubauten. Für mich heißt das meist: ein täglicher Besuch auf der Baustelle. Nur so kann man auf Unvorhergesehenes schnell reagieren.

Wie sieht es mit „bösen Überraschungen“ aus?

Bei Altbauten ist man vor Überraschungen nie sicher. Nachdem ich einmal eine Schwammsanierung bei einem circa 100 Jahre alten Haus vornehmen musste, schlage ich jedem Bauherren vor Erwerb eines Hauses eine endoskopische Untersuchung an den typischerweise gefährdeten Stellen des Bestandes vor. Die schützt vor den schlimmsten Überraschungen.

Ist immer neue Dämmung nötig?

Alte Häuser haben häufig ein dickes Mauerwerk, das den Standards genügt. Das lässt sich genau errechnen. Reicht der Wert nicht aus, sollte man jedoch genau aufpassen, welche Dämmung man verwendet. Mit einer bauphysikalischen Berechnung zum Beispiel ist man auf der sicheren Seite.