Architektur

Häuser wie die Schweizer Berge

In einem Teil von Lichterfelde tragen Straßen die Namen von Kantonen oder Bergzügen. Die Architektur der Häuser ist dem angepasst

Einen „Glücksgriff“ nennt Constanze Woltmann ihr Haus in Berlin-Lichterfelde. Der Altbau aus dem Jahr 1938 steht mitten im sogenannten „Schweizer Viertel“. Hier tragen die Straßen Namen von Schweizer Städten, Kantonen oder Gebirgen. Und eben diesen ist auch die Architektur der Häuser nachempfunden. „Auf der linken Straßenseite gibt es sechs hohe, spitzgieblige Häuser, davor und dahinter wieder die kleinen rechteckigen. Diese hohen Häuser sollen die Schweizer Berge darstellen“, sagt Constanze Woltmann.

1938/39 wurde ein Großteil der Häuser in dem Viertel errichtet. Die damaligen Architekten hatten die Aufgabe, einfache Häuser für die Mitarbeiter der einstigen Preußischen Hauptkadettenanstalt, die sich in der Nähe befand, zu bauen. Bis in die 90er-Jahre blieb das Viertel der Tradition der Kasernen und Kadetten treu. Erst nach dem Abzug der Alliierten aus dem benachbarten US-Kasernengelände geht es wieder ziviler zu.

Seit 2009 wohnt Constanze Woltmann nun hier mit ihrem Mann und den beiden Kindern. „Bevor wir hierher gezogen sind, haben wir in einer Wohnung im geschäftigen Steglitz gelebt“, erzählt sie und betont, wie sehr sich die Familie an die „idyllische Umgebung“ und das Vorstadt-Flair gewöhnt habe. Man wolle hier nicht mehr weg.

„In der Straße wohnen schon viele Familien mit Kindern, es findet langsam ein Generationenwechsel statt. Einige Eigentümer haben die Häuser bereits von ihren Eltern oder Tanten geerbt“, sagt sie und freut sich über die so neu entstandene Nachbarschaft.

Constanze Woltmann ist, was Immobilien anbetrifft, vom Fach. Als Maklerin und studiere Diplomkauffrau vermittelt sie nicht nur Objekte an Käufer oder Mieter, sondern hat sich insbesondere auf den Tausch von Immobilien spezialisiert. „Das ist ein Novum auf dem Immobilienmarkt. Meine Arbeit erleichtert so manch einem meiner Kunden, den Schritt zur neuen Immobilie auch tatsächlich zu wagen. Viele scheuen den Papierkram und die aufwendige Suche und verkaufen oder kaufen erst gar nicht. Durch meine Hilfe trauen sich nun auch die, die schon fast aufgegeben haben“, sagt sie.

Eigenheim zufällig entdeckt

Auf eben einer solchen Suche nach freien Immobilien ist Constanze Woltmann per Zufall auf das damals noch 100 Quadratmeter große Haus aufmerksam geworden. Statt dieses einem ihrer Kunden anzubieten, ist sie kurzerhand mit ihrer Familie eingezogen. „Ein Haus wie dieses, in der Lage und zu einem damals noch akzeptablem Preis, bekommt man heute kaum noch“, sagt sie, mag den Preis dann aber doch nicht nennen.

Heute ist ihr Haus 180 Quadratmeter groß. Ein 50 Quadratmeter großer Anbau im Erdgeschoss und eine 50 Quadratmeter große Terrasse sind hinzugekommen. Den Anbau hat die Fachfrau selbst entworfen.

„Das Haus gehörte zuvor einem älteren Herrn. Hier wurde über viele Jahre nicht renoviert. Es war baufällig, ja fast abrissreif“, sagt die Maklerin und freut sich, dass trotz der Renovierungsarbeiten „die alten Dielen, Fenster, Treppen und Böden erhalten werden konnten“.

Sämtliche Rohre, elektrische Leitungen, sanitäre Anlagen und die Heizung mussten erneuert werden. „Wir haben das Haus auch zusätzlich neu gedämmt und im Wohnzimmer einen Kamin eingebaut, doch das hätten wir uns sparen können“, sagt Constanze Woltmann. Die alten Mauern seien „erstaunlich dicht“. „Die Häuser haben relativ niedrige Heizkosten und ein gutes Raumklima. Von Schimmel oder Feuchte gar keine Spur“, lobt sie das Können der damaligen Baumeister im Viertel.

Das Haus der Maklerin ist modern bis klassisch eingerichtet. Alles ist offen gestaltet. Dabei kommt das Flair der „alten“ Böden, Dielen und Doppelfenster, zum Teil auch noch mit Original-Fensterläden oder Gittern besonders zur Geltung. „Ich mag alte Gebäude sehr“, sagt die Fachfrau, die aber doch modern leben möchte.

An den Wänden dominiert die Farbe Weiß, die lediglich durch ein kräftiges Lindgrün im Eingangsbereich durchbrochen wird. Die Möbel der Maklerin sind mit Bedacht gemischt. „Ich habe einige alte Stücke, die mit vererbt wurden und die ich sehr mag mit modernen Möbeln, die ich zum Teil bei Auktion erstanden, zum andern Teil aber auch für wenig Geld im schwedischen Möbelhaus erworben habe, gemischt“, erklärt sie ihren Stil.

Dazu zählen acht Stühle und ein Tisch von Walter Knoll. „Das sind original Fiberglasstühle aus den 70er-Jahren“, sagt Constanze Woltmann und zeigt auf eine Essgruppe im Wohnzimmer. Gleiches gilt für die Sofas und Sessel im Erdgeschoss. „Diese sind von Ligne Roset. Ich habe sie im Internet ersteigert“, sagt die Besitzerin über ihre gemütlichen Sitzgelegenheiten.

Neben Designermöbeln hat es aber auch die Kunst der Maklerin angetan, hier insbesondere die farbenfrohen Landschaftsbilder des Berliner Künstlers Diether Münchgesang. „Ich finde seine Bilder toll, und sie kommen auf den weißen Wänden besonders gut zur Geltung“, erklärt Constanze Woltmann. Speziell eines sei ihr ans Herz gewachsen.

Arbeiten im Erdgeschoss

Das gut 1,5 Meter mal 1,5 Meter große Bild zeigt eine Landschaft in der Nähe Berlins. Es ist hauptsächlich in grünen Farbtönen gehalten. „Damit passt das Gemälde wunderbar in mein Arbeitszimmer“, sagt die Kunstliebhaberin und verweist auf ein weiteres Lieblingsstück: „Diese Holzskulptur wurde eigens für mich angefertigt und stellt meine Familie dar. Mann, Frau und Kind, eine Kleinfamilie. Ich finde es wunderschön!“, sagt Constanze Woltmann stolz. Der Künstler, dem sie dieses „tolle Andenken“ zu verdanken hat, ist der freischaffende deutsche Bildhauer Jan Jastram aus Stralsund.

So repräsentativ es im Erdgeschoss des Hauses zugeht, so privat bleiben die oberen Stockwerke. „Die sind ganz der Familie vorbehalten“, sagt Constanze Woltmann. „Im Erdgeschoss habe ich mein Arbeitszimmer. Hier empfange ich auch Kunden, im ersten Stock und im Dachgeschoss bin ich nur privat“, sagt die Maklerin.

Im ersten Stock befinden sich zwei Kinderzimmer, das Schlafzimmer sowie ein Badezimmer. „Im Dachgeschoss habe ich noch ein Ankleidezimmer“, erklärt die Eigentümerin. Eine Ausnahme des Privaten bildet jedoch die 50 Quadratmeter große Terrasse. „Bei schönem Wetter ziehe ich mich gern hierher zum Arbeiten zurück“, sagt Constanze Woltmann. Sie genießt die Ruhe und den schönen Blick über die Kleingartenanlage.

„Diesen schönen Ausblick erwartet man hier gar nicht. Das ist eben das Besondere an diesem Haus, dass man von der Straße aus überhaupt nicht erahnen kann, was einen drinnen dann überrascht – die Offenheit und Größe und eben der Blick“, sagt sie und fügt hinzu: „Und diese wunderbare Straße, in der das Alte erhalten wurde, aber in deren Häusern ein zeitgemäßes Wohnen möglich ist!“