Interview

„Ich bin ein Verfechter der Kalktechnik“

Die Restaurierung des Gebäudes verlief vorbildlich. Gespür für altes Handwerk ist wichtig

Mit dem Potsdamer Restaurator Jens Dornbusch sprach Autor Oliver Klempert über die Modernisierung von altem Baubestand.

Berliner Morgenpost:

Herr Dornbusch, Sie sind spezialisiert auf historische Bausubstanzen und alte Bauweisen. Können Sie Beispiele nennen, wie diese heute noch eingesetzt werden können?

Jens Dornbusch:

Ich bin ein großer Verfechter der Kalktechnik, weil Kalk in seinen vorteilhaften Materialeigenschaften einmalig ist. Die Erhaltung historischer Kalkanstriche und -putze bedingt zugleich die Wiederbelebung handwerklicher Reparaturmethoden. Die Imitationsmalerei zum Beispiel ist eine Technik mit langer Tradition, die heute wieder, insbesondere in der Restaurierung, aber auch in der Neugestaltung von Raumoberflächen an Bedeutung gewonnen hat.

Worin bestehen die Herausforderungen bei der Restauration einer alten Stadtvilla?

Vor allem darin, die modernen Nutzungsansprüche mit dem historisch gewachsenen Bestand zu verbinden, denn Lebensstil und Wohnbedürfnisse haben sich stark gewandelt. Da hilft nur eine umsichtige, die Bausubstanz berücksichtigende Planung. Dann ist es wichtig, einen Architekten zu finden, der sich in das Objekt hineindenken kann, denn oftmals hält ein altes Gemäuer so einige Überraschungen bereit. Meist stehen die Firmen unter enormem Zeitdruck. Und: Ohne Gespür für altes Handwerk geht gar nichts.

Wie arbeiten Sie konkret?

Dreh- und Angelpunkt ist der Erhalt der Originalsubstanz. Aus der Befassung mit der Objektgeschichte lässt sich entscheiden, welche Teile zu sichern, zu erhalten, zu restaurieren oder zu ergänzen sind. Der jeweilige Arbeitsschritt erfolgt dann so weit wie möglich in traditioneller Handwerkstechnik mit historischen Materialien, aber auch moderne Technik erleichtert die Arbeit. Voraussetzung ist der behutsame Umgang mit der Substanz.

Welche Maßnahmen müssen im Wesentlichen für die Modernisierung bei einem alten Baubestand vorgenommen werden?

Eine gründliche Bestandsaufnahme und Schadensanalyse sind als Grundlage für eine genaue Planung und Kalkulation der Maßnahmen unverzichtbar. Seine Ansprüche an die Nutzung sollte der Eigentümer gemeinsam mit Architekt, Restaurator und Denkmalpflege diskutieren, damit dies unter weitestgehendem Erhalt der Originalsubstanz gelingen kann.

Sie haben in der Potsdamer Stadtvilla das historische Treppengeländer restauriert – können Sie Ihre Arbeit ein wenig beschreiben? Was war die größte Herausforderung, und wie sind Sie bei der Arbeit vorgegangen?

Die Aufgabe war die Restaurierung der gesamten Treppenanlage und Imitation in Eichenholz. Bei der Konstruktion wurde damals preiswertes Kiefernholz verwendet, das in einer edleren Holzart imitiert wurde. Die größte Herausforderung bestand darin, die Treppe im eingebauten Zustand zu bearbeiten. Es waren mehrere Arbeitsgänge nötig, bevor der lasierende Lokalton aufgetragen werden konnte, bei dem die Holzmaserung des Grundholzes wie Äste oder stärkere Kernholzpartien noch sichtbar blieben, um sie in den Gesamtcharakter einzubeziehen. Anschließend wurde die Oberfläche mit mehreren unterschiedlichen Spezialpinseln bis zur Erscheinung des Eichenholzes modelliert.