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Kamin oder Ofen als Heizquelle immer beliebter

Formen, Größe und Materialien sind kaum Grenzen gesetzt. Die Favoriten aber sind schlicht und farblich dezent

– Still sitzen kann Benjamin Zweifel nicht lange. Er muss immer etwas tun, ständig etwas Neues austüfteln. „Nachdem ich den alten Flugzeugtank bei einem Händler entdeckt hatte, wusste ich, dass ich daraus eine Rakete bauen würde“, sagt der junge Schweizer. Nun ist der 30-Jährige kein Raumfahrtingenieur, sondern Ofenbauer. Aber eine Rakete hat er dennoch konstruiert – eine, die man beheizen kann. Dreibeinig, in der klassisch zylindrischen Form eines Flugkörpers, mit feuerfester Glastür im Mittelteil. Dahinter züngeln die Flammen eines wärmenden Feuers.

Mit traditionellem Ofenbau hat das, was Zweifel tut, meist wenig zu tun. Er ist auch eher Künstler, ein „Ofenkünstler“. Seit 2006 entwickelt er Prototypen für Heizkamine und Öfen – ob die „fahrbare Feuerstelle“, die erst vor zwei Monaten fertig wurde oder den Ofen mit beheizter Sitzbank. Erst bauen, dann verkaufen, ist das Motto des kreativen Handwerkers. „Ist ein Projekt abgeschlossen, findet sich auch ein Käufer“, sagt Zweifel. Bei ihm funktioniert eben vieles anders, auch der Vertrieb. „Die Öfen finden die Menschen, nicht umgekehrt.“ Dabei gibt es aber auch durchaus mal Auftragsarbeiten. Wer optisch und funktional etwas ganz Besonderes will, muss dafür allerdings tiefer in die Tasche greifen: mit 35.000 Schweizer Franken muss man schon mindestens rechnen. Individualität hat ihren Preis.

Auch hierzulande setzt sich der Kamin, Kachelofen oder Kaminofen als zusätzliche Heizquelle immer mehr durch. An stürmischen Herbst- oder grauen Wintertagen ist das prasselnde Feuer im Kamin ein Stimmungsaufheller, auf den immer mehr Menschen nicht verzichten wollen. „Der Markt für Kamine und Kachelöfen wächst jedes Jahr“, sagt Mikela Dingl, zuständig für das Marketing im Hause Brunner, einem der größten Ofenhersteller in Deutschland. „Dabei geht der Trend eindeutig in Richtung hochwertige Produkte.“

Sichtscheiben vor den Flammen

Form, Material, Größe, Heizsystem – alles ist variabel. Rund, quadratisch, rechteckig, in unbehandelter Betonoptik, verputzt, farblich gestaltet, mit glatt polierten Kacheln, als Panoramaversion mit drei verglasten Seiten, sogar frei schwebende Kamine sind möglich. Die Idee dazu stammt von einer kleinen Gruppe österreichischer und deutscher Ofenbauer rund um Markus Mykiska, Inhaber der Wiener Firma Königsart, die sich auf „außergewöhnliche Lösungen rund ums Heizen“ spezialisiert hat. „Da ein Kamin einen zentralen Platz bekommt, mag dieser bei anspruchsvolleren Kunden auch etwas anders sein als herkömmliche Kamine“, sagt Mykiska.

In den Schauräumen der Hersteller und Verkäufer erinnert heutzutage nichts mehr an die rustikalen Steinkamine aus den 70er-Jahren, die laut Gesetzgeber ab 2015 ohnehin nicht mehr neu in Betrieb genommen werden dürfen.

Den traditionellen offenen Kamin ersetzt inzwischen der sogenannte Heizkamin: Er hat einen Heizeinsatz, der einen geschlossenen Feuerraum bildet und so für schadstoffarme Verbrennung sorgt, bei „optimaler Energienutzung“, sagen die Hersteller. Die Flammen lassen sich durch Sichtscheiben beobachten, ohne dass Mensch oder Tier Gefahr laufen, vom Funkenflug getroffen zu werden. „Aufgrund ihrer Maße und der hohen Heizleistung eignen sich Heizkamine insbesondere für größere Wohnungen oder Häuser, in denen bereits ein entsprechender Kamin vorhanden ist“, sagt Désirée Kalkowski vom Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI). Kaminöfen werden dagegen heute in vielen Variationen und in jeder Preisklasse angeboten. Mal mit Verkleidung aus Stahlblech, mal aus Naturstein oder Keramik. „Sie lassen sich ohne großen Aufwand in jede Wohnung einbauen, die über einen Anschluss zum Schornstein verfügt“, sagt Kalkowski.

So unterschiedlich die Modelle und Ausführungen, so eindeutig jedoch der Kundenwunsch nach Sachlichkeit. Der verschnörkelte Kachelofen in glänzendem Grün ist längst out. Elegantes Design, klare Formen und dezente Farben sind angesagt. „Die Öfen werden schlichter, die Farben sind dezent, häufig wählen die Kunden weiße oder cremefarbene Oberflächen“, sagt Andreas Müller, Marketingchef des Kamin- und Ofen-Herstellers Hark. Bei Hark gehören solche Modelle zur „Studiolinie“, es gibt jeweils ein Grundmodell, das je nach Geschmack mit zusätzlichen Marmorteilen oder einem Regal verändert und auch vergrößert werden kann. Möglich sind auch Verkleidungen aus Granit oder aus Speckstein. „Durch seine ansprechende Optik und seine guten Speichereigenschaften wird auch der Speckstein immer beliebter“, sagt Müller. Vulkanischen Ursprungs und vor rund 2,8 Milliarden Jahren entstanden, kommt dieser Stein immer häufiger nicht mehr aus Nordeuropa, wo die Vorräte schrumpfen, sondern aus Übersee. Dadurch werden auch die Öfen teurer.

Für hochwertige Kachelöfen kann je nach Größe und Ausstattung schon mit bis 5000 Euro gerechnet werden, eingebaute Kamine kommen durchschnittlich auf 8000 Euro. Einen Stahlofen auf technisch hohem Niveau gibt es dagegen für weniger als 2000 Euro. Rund gebaut, mit unlackierten Roheisenplatten sind sie die Lieblinge der jungen Generation. Das Besondere: In der Mitte eines Raumes platziert, können sie so gedreht werden, dass das wärmende Glasfenster immer dort ist, wo man es gerade haben will.

Nicht ganz so günstig, aber dafür prämiert: der Testsieger von Stiftung Warentest unter den Kaminöfen von 2011. Den Hark 44 GT Ecoplus gibt es in einfacher Ausstattung ab 3000 Euro. Den Ausschlag für das Urteil gab es vor allem für gute Abgaswerte, Bedienerfreundlichkeit und den Staubfilter, den kein anderer gestesteter Ofen aufwies.

Aus Sicht von Experten sind Größe und Optik ohnehin weniger entscheidend als das Innenleben des Ofens oder Kamins. „Es ist eine zentrale Energiequelle, man braucht beispielsweise keinen großen Ofen, um ein ganzes Haus zu heizen“, ist Christoph Weissenberg, Inhaber des Feuerhauses in Köln. Er rät zu kleineren Brennräumen, die mit viel weniger Brennmaterial gefüllt werden müssten als große Brennräume. „Es kommt auf die Effizienz des Brennraumes an“, sagt Weissenberg, der seit 25 Jahren Kaminöfen verkauft. Für ihn muss ein Ofen in erster Linie schnell Wärme liefern. Viele Modelle werden inzwischen aber mit Speichermaterial verkleidet. Das soll die Wärme lange halten und über Stunden abgeben. Ein zusätzlicher Anreiz für viele Ofenliebhaber, denn so können sie die Zentralheizung herunterfahren und Öl oder Gas sparen.

Noch besser: der Wasser führende Kaminofen, der über einen zusätzlichen Wärmetauscher einen großen Teil der Wärme an die Zentralheizung abgibt. Je nach Speichersystem kann die Wärme noch für die Warmwasserbereitung im Haus genutzt werden. Für Weissenberg ist das ein „Konterkarrieren“ der eigentlichen Heizidee eines Kaminofens. „Die Wasserführung entzieht dem Ofen die Energie“, sshz der Fachmann. „Das Holz brennt so ab, als wäre es feucht, zurück bleiben viele Rückstände im Ofen.“

Heizholz immer geschützt lagern

Feuchtes Holz ist eines der größten Probleme, mit denen Besitzer von Kaminen, Kachelöfen oder Kaminöfen grundsätzlich zu kämpfen haben. Häufig werde falsches Brennmaterial benutzt, das Holz nicht richtig gelagert, sagen Fachleute. Empfohlen wird, ausschließlich mit naturbelassenem, lufttrockenem Holz in Scheiten oder Stücken mit maximal 20 Prozent Restfeuchte zu heizen. Dabei kann die anhaftende Rinde ruhig mit verfeuert werden. Heizholz muss vor dem Verbrennen zwei bis drei Jahre luftig, vor Regen und vor Feuchtigkeit geschützt gelagert werden. „Dann heizt es hervorragend und verbrennt schadstoffarm“, sagt Ofenspezialist Weissenberg.