Potsdam

Alt werden mit allem Komfort

Das Potsdamer Johanniter Quartier ist ein Vorreiter im Bereich Wohnen im Alter und bei den jung gebliebenen Mietern sehr beliebt

Was entsteht, wenn junge Leute für alte Leute ein Haus bauen? Ein ziemlich „hippes Quartier“. Das jedenfalls finden die jung gebliebenen Mieter des Potsdamer Johanniter Quartiers. Prominenteste Mieter sind dort der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe, und seine Frau Ingrid.

Eine ihrer Nachbarinnen ist Elisabeth Mewert, die vor einem guten Jahr eine 66 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung in dem Quartier bezogen hat. Die 87-Jährige ist aus Baden-Württemberg nach Potsdam gezogen, „der Kinder wegen, die in der Nähe wohnen“, wie sie sagt. Sie hatte sich zuvor „einiges angesehen, wo ich im Alter gern leben möchte, aber nie das Passende gefunden“.

Anders im Johanniter Quartier. „Hier kann ich trotz meines Alters noch selbstständig in meinen eigenen vier Wänden leben. Ich kann die Hilfe und die vielen Möglichkeiten, die es hier gibt, in Anspruch nehmen, muss es aber nicht. Ich kann einfach nur für mich sein – in meiner eigenen Wohnung“, betont die Rentnerin und schwärmt von der Gestaltung und dem Interieur des modernen Hauses. „Allein schon der erste Eindruck beim Betreten des Gebäudes ist toll“, sagt sie. Das habe sie bewogen, zu bleiben.

Die zeitgemäße Architektur des Objektes spricht für sich. Das Haus wirkt durch viel Glas hell und freundlich, gar einladend, und das nicht nur im geräumigen Foyer. Auch die Wohnungen haben bodentiefe Fenster und jeweils Balkon oder Loggia.

Alle 62 Apartments sind behindertengerecht gestaltet, zum Beispiel mit ebenerdigen Duschen und breiten Fluren sowie Schiebetüren. Die Wohnungen erschließen sich über einen separaten Eingang mit einem Concierge-Service, der den Mietern rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch verfügen alle Wohnungen über ein Notrufsystem der Johanniter-Unfall-Hilfe – für den Fall der Fälle. Zudem ist das Gebäude für die Installation eines AAL Systems für medizinische Ferndiagnosen vorgerüstet. Diese elektronischen Steuersysteme, zu Deutsch „altersgerechte Assistenzsysteme“, werden den Bewohnern bei Bedarf in naher Zukunft auch viele alltägliche Handlungen im Haushalt erleichtern oder abnehmen. Einbauküchen mit automatischer Herd- und Elektroabschaltung sowie ein Elektro-Hauptschalter wurden bereits in allen Wohnungen eingebaut.

Idee fand schon Nachahmer

Und sollten Mieter tatsächlich mal medizinische Betreuung oder Pflege benötigen, so steht ihnen eine Tagespflege oder eine Senioren-Wohngemeinschaft mit zehn Einbett-Pflegezimmern inklusive eigenem Bad zur Verfügung. Auch diese hat einen separaten Eingang. Eine Tatsache, die von den Mietern sehr geschätzt wird. „In anderen, ähnlichen Quartieren gibt es diese Trennung leider nicht – was wiederum deshalb auch viele gesunde und noch aktive Ältere davon abschrecken würde, dort einzuziehen. Sie wollen keine Krankenhaus- oder Altenheim-Atmosphäre auf dem gemeinsamen Flur“, sagt Ingra Heise, die das Haus leitet.

Geplant hat das Quartier das junge Team um den Architekten Jörn Pötting. Das Büro hat seinen Schwerpunkt im Wohnungsbau – und ist hier insbesondere auch Vorreiter in der Entwicklung von modernen Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen. So fand die Idee des Potsdamer Quartiers mittlerweile in weiteren deutschen Städten ihre Nachahmer.

„Ich wollte ein Haus gestalten, das nicht mit dem üblichen Senioren-Plüsch und -Kitsch ausgestattet ist. Das Gebäude hat eine moderne Gestaltung, nicht zu transparent, mit einer ruhigen gediegenen Linie. Es sieht auf den ersten Blick gepflegt und frisch aus“, beschreibt der Macher sein Projekt.

„Das Konzept des Quartiers ermöglicht ein selbstständiges, individuelles Leben in der eigenen Wohnung bis ins hohe Alter“, fügt er an und verweist auf weitere Highlights des Hauses.

Da wäre zum einen ein Schwimmbad mit Sauna „für alle gut sichtbar im Hof und nicht im Keller“, wie der Architekt betont. Dieses erfreue sich einer großen Beliebtheit bei den Mietern, „denn es schafft Kommunikation“, wie Jörn Pötting weiter hervorhebt. Er sieht darin einen Schlüssel für den Erfolg des Hauses .

Er habe das Haus kommunikativ machen wollen. „denn eine gute Nachbarschaft sei im Alter wichtig. Viele ältere Menschen würden sonst schlicht vereinsamen“, sagt er. Dagegen schaffen im Potsdamer Quartier eine Bibliothek mit Kaminzimmer sowie ein öffentliches Restaurant mit Terrasse inklusive Havel-Blick Abhilfe. Hier spielt die exklusive Innenarchitektur mit warmen Farben, Hölzern und Stoffen eine große Rolle. Alle Gemeinschaftsräume erinnern eher an ein Luxus-Hotel denn an eine Altenresidenz.

Die gute Lage überzeugt

Ferner verfügt das Gebäude über einen ebenfalls öffentlichen Friseursalon und eine Physiotherapie-Praxis mit Sport-Studio. Das Haus vermittelt den Eindruck, mitten im Leben zu stehen, ebenso wie seine Bewohner.

Auch die Lage des Quartiers überzeugt die Mieter. In der Nähe der Parkanlage Sanssouci an der Havel gelegen, bietet das Haus ein ruhiges Ambiente zur Seeseite hin. Die andere Seite des Gebäudes scheint mitten in der Stadt zu liegen. Hier verkehren gleich mehrere Busse und Straßenbahnen, ein Einkaufzentrum ist fußläufig zu erreichen.

Kein Wunder, dass die Nachfrage groß ist. Und das trotz der hohen Kosten. „Die Wohnungen kosten je nach Größe pro Monat zwischen 890 Euro und 3500 Euro warm inklusive Concierge-Service, Hausnotruf, Schwimmbad und Sauna sowie etlichen Veranstaltungen“, sagt Ingra Heise. Das Haus sei bis auf eine Wohnung voll. Dennoch gibt es eine Art „Warteliste“ mit sogenannten Anwartschaftsverträgen. „Diese umfasst mittlerweile 25 Personen, die gern im Alter im Quartier eine Wohnung beziehen würden“, sagt Heise stolz.

Das mit 130 Quadratmetern Wohnfläche größte Apartment bewohnen Dr. Gangolf Weiler (78) und seine Frau Rosa-Maria (78). Beide sind aus Düsseldorf an die Havel gezogen und bereuen den Umzug nicht. „Wir haben über zehn Jahre im ganzen Land nach einem geeignetem Objekt gesucht. Hier sind wir fündig geworden. Meine Frau und ich fühlen uns jung. Wir unternehmen viel und möchten so lange es geht selbstständig leben. Ein Altenheim oder ein Seniorenheim kam für uns daher nie infrage“, sagt Gangolf Weiler und fügt an: „Was uns an dem innovativen Projekt gefällt, sind die Möglichkeiten, die es einem eröffnet – man kann diese in Anspruch nehmen, muss es aber nicht.“ Beide seien sehr sportlich und aktiv. „Wir segeln gern und haben unser Boot gleich in der Nähe liegen“, erzählen sie.

Betritt man die Wohnung des Paares im oberen Stockwerk, so erinnert nichts an ein Seniorenheim. Auf den ersten Blick ist es eine „normale“ Vierzimmerwohnung mit zwei Bädern und einer offenen Küche, die ins Wohn- und Esszimmer führt. Hinter den bodentiefen Fenstern befindet sich eine Loggia, die rund um die Wohnung im vierten Stock verläuft – mit unverbautem Blick auf die Havel.

Mobilitätshilfen möglich

Schaut man genauer hin, so werden einem die Besonderheiten deutlich. In der Küche ist der Herd Herd höher angebracht, damit man sich nicht bücken muss. Auch die Schränke haben eine angenehme Höhe. Alles ist so montiert worden, dass überall Halterungen für den Bedarf angebracht werden können. So auch im Flur. Er ist zudem so angelegt, dass er problemlos mit Rollator oder Rollstuhl passiert werden kann. In den barrierefreien und ebenerdigen Bädern verbergen sich Anschlüsse für zusätzliche Griffe und Mobilitätshilfen. „Aber das alles brauchen wir noch nicht“, sagt Gangolf Weiler bestimmt und ist froh, dass die Schräubchen und Anschlüsse noch im Verborgenen bleiben. Denn in einem Krankenhaus leben, das möchte er mit seiner Frau nicht.