Potsdam

„Die Währung heißt Hilfsbereitschaft“

Das erfolgreiche Konzept des Johanniter Quartiers macht deutlich,wie wichtig gute Nachbarschaft ist

Architekt Jörn Pötting plante das Johanniter Quartier. Autorin Anna Klar befragte ihn zu Besonderheiten des Projekts und zu Konzepten für Wohnen im Alter.

Berliner Morgenpost:

Was ist das Besondere am Johanniter Quartier?

Jörn Pötting:

Viele Senioren möchten so lange wie möglich unabhängig wohnen und dennoch die Sicherheit einer eventuellen Pflegeversorgung haben. Sie suchen kein Altersheim, sondern ein differenziertes Serviceangebot für individuellen Bedarf. Mit unseren modernen Wohnungen von 45 bis 130 Quadratmeter und dem Versorgungskonzept der Johanniter kommen wir diesem Wunsch nach. Unsere Bewohner genießen ihre Selbstständigkeit, das komfortable Haus und die schöne Havel. Zur Erleichterung des Alltags gibt es den Concierge-Service im Foyer sowie zahlreiche weitere abrufbare Leistungen. Auch bei erhöhtem Pflegebedarf ist die Versorgung durch Tagespflege und eine ambulante Wohngemeinschaft gesichert.

Welche Unterschiede zu gängigen Altersresidenzen gibt es noch?

Außer einer guten Pflegeversorgung wird das sozio-kulturelle Lebensumfeld für Senioren immer wichtiger. Bei der Konzeption des Gebäudes haben wir großen Wert darauf gelegt, die Gemeinschaftsräume geschmackvoll und modern zu gestalten. Die Bibliothek, der Kamin- und Empfangsraum sind sehr beliebt. Hier werden Interessen ausgetauscht, und die Mieter lernen ihre Nachbarn besser kennen.

Was waren die größten Herausforderungen dieses Projekts?

Das Budget. Wir haben das Gebäude für 1450 Euro brutto pro Quadratmeter Geschossfläche komplett als Generalplaner errichtet – für ein Drei-Sterne-Apartmentgebäude am Wasser ein sehr gutes Ergebnis. Zudem benötigt man bei der Vielzahl der gesetzlichen Bestimmungen beim Bauen viel Stehvermögen, Sorgfalt und gute Mitarbeiter!

Wie sehen Sie die Zukunft eines solchen Modells?

Unser Konzept ist sehr erfolgreich und wird zurzeit von der Johanniter Unfallhilfe in weitere Bundesländer übertragen. Aktuell plant mein Büro auch für die Paritätische Gesellschaft aus Potsdam eine Einrichtung in Altlandsberg bei Berlin.

Für wen eignet sich so ein Projekt?

Für alle ab 70 Jahren, die ihre Selbstständigkeit lieben und für die ein – zukünftiger – Pflegeservice ein Thema sein könnte.

Bei den Bewohnern handelt es sich hauptsächlich um gut situierte Pensionäre. Wie werden Senioren, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, zukünftig leben?

Meiner Meinung wird Nachbarschaft eine Renaissance erleben. Dafür braucht es nicht so sehr Geld, sondern die Währung heißt Aufmerksamkeit, Rücksicht, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. Das als Architekt zu planen, ist nicht einfach! Gute Nachbarschaften sind immer aus freiem Willen gewachsene Gemeinschaften. Vor allem brauchen sie Zeit. Als Nährboden können wir aber unsere Gebäude, Wohnanlagen und Stadtviertel so anlegen, dass die Bewohner sich in einer ruhigen und gepflegten Umgebung ohne Gruppenzwang willkommen fühlen und zu einer nachbarlichen Gemeinschaft zusammenwachsen können. Denn ein guter Nachbar ist manchmal genauso wichtig wie ein guter Freund.