Baumängel

Bauherren haben ein Recht auf Nachbesserungen

Genaue Kontrolle ist wichtig, im Zweifel mit Sachverständigen

– Abnahme, Mängelbeseitigung oder Verjährung – viele Bauherren haben falsche Vorstellungen, wie sie ihre Ansprüche bei den Baufirmen durchsetzen können. Wird zum Beispiel ein Einfamilienhaus neu gebaut und von der Baufirma dem Bauherrn übergeben, so werden ein Abnahmeprotokoll angefertigt und gegebenenfalls die Mängel festgehalten. Stellt der Bauherr später Mängel fest und denkt, er könne keine Ansprüche mehr geltend machen, so irrt er sich, wie die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer unter Berufung auf das Bundesrecht mitteilt, denn die Ansprüche auf Mängelbeseitigung verjähren erst nach fünf Jahren ab Abnahme.

Auch bei Art und Umfang einer Mängelbeseitigung gehen oftmals die Vorstellungen zwischen Bauherren und Baufirma auseinander. Ist der Bauherr nicht mit der Arbeitsweise der Mängelbeseitigung durch die Fachfirma einverstanden, verweigert er sogar den Zutritt, so geht er ein großes Risiko ein, so die Kammer. Denn die Art der Mängelbeseitigung liegt im Ermessen der Baufirma. Verweigern darf der Bauherr die Nachbesserung nur dann, wenn diese von vornherein völlig ungeeignet ist.

Auch bei Fehlern, die sich während der Bauzeit zeigen, sollte man vorsichtig sein. Eine Vertragskündigung ist nicht ohne weiteres möglich, auch wenn es einen Vertrag nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil B (VOB/B) gibt. In einem solchen Fall sieht die VOB/B vor, dass zusätzlich zur Fristsetzung für die Fehlerbeseitigung auch die Kündigung angedroht werden muss. Unterlässt der Bauherr dies, bleibt er auf den Mehrkosten sitzen, die durch das Folgegewerk entstanden sind.

Wichtig ist auch die Kontrolle eines Dachstuhls bei einem neu hergestellten Haus. „Denn sollte sich Schimmel in einem nicht ausgebauten Dach zeigen, so ist das Unternehmen auch dann, wenn es nicht zur Gesundheitsgefährdung kommt, verpflichtet, den Schaden zu beheben“, sagt Michael Selk, Rechtsanwalt für Bauwesen. Denn selbst wenn der Dachstuhl nicht genutzt wird, kann der Mangel an sich nicht abgestritten werden. Das Bauunternehmen schuldet seinem Auftraggeber ein Dachgeschoss in einem einwandfreien Zustand.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen den Parteien stellt vielfach auch die Fassade des Eigenheims dar. Oft geht es dabei um leicht unterschiedliche Farbnuancen der ausgewählten Steine. Obwohl die optische Unstimmigkeit objektiv nicht auffallend ist, werten manche Bauherren dieses als einen gravierenden Baufehler und fordern die Baufirma auf, die Hausfassade komplett abzureißen und eine Fassade mit einer einheitlichen Ziegelfarbe zu liefern. Zu Unrecht, denn das beauftragte Unternehmen ist zwar prinzipiell zu Nachbesserungen verpflichtet, aber nicht, wenn diese unverhältnismäßig sind und für das Unternehmen ein übermäßiger Mehraufwand entsteht.

Hilfreich sind in jedem Fall Bau-Sachverständige. Sollten sie bei der Begehung feststellen, dass der Keller zwar trocken, aber die Sperrlage nicht ordnungsgemäß angebracht worden ist, so muss die Baufirma nachbessern. Denn nur weil zum Zeitpunkt der Kontrolle noch keine Folgen aufgetreten sind, bedeutet das nicht, dass beim Hausbau kein Fehler unterlaufen ist. Ein Mangel liegt trotzdem vor, und dieser muss beseitigt werden. Im Zweifelsfall sollten sich Betroffene von einem Anwalt beraten lassen.