Bautechnologien

„Lärmschutz wird das Thema der Zukunft“

An ökonomischen Fragestellungen im Baubereich wird in vielerlei Hinsicht ganz intensiv geforscht

Die Bauphysikerin Susanne Schwickert lehrt wie Carsten Wiewiorra an der Hochschule Oswestfalen-Lippe. Im Gespräch mit Jan Abele erklärt sie, wie wichtig wissenschaftliche Forschung für die Altbausanierung ist.

Berliner Morgenpost:

Was sind typische Faktoren für eine Kostenexplosion bei der Altbausanierung?

Susanne Schwickert:

Oft liegt das Problem in der vorab zu sorglosen Bestandsaufnahme des Gebäudes. Ist die Entscheidung für die Sanierung dann erst einmal gefallen und das Gebäude wird planerisch zerpflückt, kommen so manche Überraschungen zutage: Es sind weniger die Feuchtschäden, die man bei alten Gemäuern einkalkulieren muss, sondern statische und akustische Mängel, die von sparsamer Konstruktionsweise in schlechten Zeiten stammen. Plötzlich zeigt sich mitten im Projekt, dass die schwere Haustechnik auf der obersten Geschossdecke Einschränkungen bei den Deckendurchbrüchen zur Folge hat oder dass man mit den vorhandenen Innenbauteilen in puncto Luftschalldämmung angesichts heutiger Anforderungen keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. Typisch ist auch die marode Haustechnik; Trinkwasser- oder Elektroleitungen, die nicht mehr wie erwartet geflickt werden können.

Inwiefern bewirkt die Forschung, dass solche ärgerlichen Kosten gar nicht entstehen?

Wir forschen intensiv an ökonomischen Fragestellungen im Baubereich. Darf ich Ihnen ein Beispiel nennen? Gerade für Projekte, die in Zusammenarbeit mit der Industrie laufen, spielt die Wirtschaftlichkeit der Innovationen eine große Rolle. Hersteller wissen ganz genau, was der Mitbewerber kann und wie viel dessen Lösung kostet. Das gilt für Baustoffe genauso wie für ganze Systeme.

Profitiert die Wissenschaft von der Praxis?

Das eine geht nicht ohne das andere. Wissenschaftliche Erkenntnisse innovieren Produktentwicklungen, umgekehrt reagiert die Forschung auf Fragestellungen aus der Baupraxis. Dies gilt gerade für die Bauphysik, die ja keine Grundlagenforschung betreibt, sondern anwendungsorientiert ist. Als Beispiele nenne ich den Lotus-Effekt bei Oberflächenausbildungen oder auch das Wechselspiel von immer effizienteren Produkten zur Wärmedämmung und -gewinnung einerseits und der Anpassung von energetischen Anforderungen andererseits.

Was wurde durch Forschung in den letzten 20 Jahren konkret erreicht?

In vielen Detailpunkten wurden erhebliche Verbesserungen erzielt. Den ganzen Bereich der Innendämmungen zum Beispiel. Wärmedämmstoffe konnten hinsichtlich der Wärmeleitfähigkeit deutlich weiterentwickelt werden. Hier wäre das Vakuum-Isolationspaneel zu nennen, das vor 15Jahren noch als „hoch speziell und unbezahlbar“ galt und lediglich in Forschungsvorhaben zum Einsatz kam. Ein riesiges Energiesparpotenzial wurde durch haustechnische Innovationen erschlossen – wie bei Wärmetauschern und Wärmepumpen.

Wie sehen die Herausforderungen der Zukunft für Ihre Arbeit aus?

Langfristig wird die zunehmende Urbanisierung zur Folge haben, dass der Mensch immer mehr dem Lärm ausgesetzt sein wird. Die Bauakustik wird wichtiger werden. Das große Thema wird die Energie sein. Bezahlbarer Wärmeschutz gewinnt weiter an Relevanz. Die größte Herausforderung liegt aber im Energiemanagement, in der Steuerung der Energieflüsse und der Energiespeicherung – und das alles im Einklang mit dem Nutzer und dessen Komfort.