Interview

„Die Arbeit war konstruktiv-knifflig“

Zur aufwendigen Rekonstruktion des Taut-Hauses gehörte auch der Nachbau historischen Mobiliars

Von Kopieren kann bei seiner Arbeit nicht die Rede sein: Möbel werden in der Werkstatt von Tischlermeister Martin Bauer aufgearbeitet und mit dem Komfort von heute versehen. Mit ihm sprach Autor Roland Mischke.

Berliner Morgenpost:

Sind Sie auf Möbel nach historischem Vorbild spezialisiert?

Martin Bauer:

Ich bin schon als Geselle auf diesen Bereich aufmerksam geworden und habe mir Kenntnisse angeeignet. Man kann viel lernen, wenn man sich mit Kopierprojekten befasst. Es ist reizvoll, zum Beispiel ein Biedermeier-Regal herzustellen oder Holz zu marmorieren. Es sind ja fast nur Liebhaber und Traditionalisten, die solche Arbeiten bestellen, das macht großen Spaß.

Was ist das Besondere daran?

Dass diese Aufgaben konstruktiv-knifflig sind. Objekte, die wir herstellen, sind individuell. Man muss sich in die Zeit hineindenken, in der solch ein Möbelstück in Mode war, befasst sich mit Details und sucht Lösungen.

Wie sind Sie im Haus von Lesser/Buschfeld vorgegangen?

Die Besitzer haben die Pläne erstellt, wir haben darüber gesprochen, dann wurden sie umgesetzt.

Wie lange hat das gedauert?

Es waren einzelne Bauetappen, die über vier Monate gingen. Die Maßgabe war, dass alles so aussehen sollte wie zu der Zeit, als das Haus erstmals bezogen wurde.

Was wollten Sie?

Die historischen Türen und Fenster waren erhalten und mussten überarbeitet werden. Bei alten Fenstern muss die Abdichtung genau geprüft werden.

Was kostet so ein Spezialauftrag?

Ein bisschen mehr als ein Neubau, aber es ist nicht total teuer. Früher war das Material teurer als die Arbeitszeit, heute ist es umgekehrt. Dazu kommen Einzelheiten, zum Beispiel ob Schubkästen per Hand mit Zinkenverbindung hergestellt werden sollen. Die Besitzer kennen sich sehr gut aus, Frau Lesser recherchiert ja unermüdlich und ist auf allen Trödelmärkten bekannt, so dass ich genau gebrieft wurde. Das war eine gute, entspannte Zusammenarbeit.

Was war die größte Herausforderung?

Das Bettsofa in der Kammer, dem Kinderzimmer. Es sollte dem Original weitgehend entsprechen, doch heute gibt es mehr Komfortbedürfnisse. Der Drehpunkt musste so angesetzt werden, dass das Bett beim Kippen nicht aufsetzte. Das hat einige Mühe und Experimente gekostet.

Was stand noch an Nachbauten an?

Neben dem Bettsofa erforderte auch das Doppelbett im Schlafzimmer mit der Holzumrandung als Ablagemöglichkeit Maßarbeit.

Die Küche war ein großer Bereich?

Ja, ich habe den Küchenschrank aufgearbeitet. Bei dem Fensterkasten mussten die alten Türen wieder gängig gemacht und die gebrochenen oder verschandelten Einlegeböden repariert werden.

Gefällt Ihnen die Farbgestaltung der Räume?

Das begeistert mich. Die Besitzer haben es exakt so anstreichen lassen, wie es früher war. Könnten die Leute von damals das sehen, würden sie sich sofort an die Situation in ihrer Zeit erinnern.

Haben Sie zu Hause auch nachgebaute Möbel oder Antiquitäten?

In meiner Wohnung stehen drei alte Stücke, es sind Nadelholz- und Eichenholzmöbel aus der Gründerzeit.