Gastkolumne

Ein Platz fürs Auto

Andreas Sammer ist WEG-Experte bei der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Eine Tafel ist gut. Ein Poller ist besser. Am besten abschließbar. Denn ein Autoabstellplatz im Innenstadtbereich ist ein begehrtes Gut. Also sichern, bewachen, abschließen. Gerade in Regionen mit Parkraumbewirtschaftung sind kostengünstige und sichere Abstellplätze seltener zu finden als Wohnungen. Nur, wem gehören eigentlich die Pkw-Abstellplätze in einer Eigentümerwohnanlage?

Bei Neubauprojekten ist das meist geregelt: Ein Erwerber kauft das Sondereigentum Wohnung samt Sondernutzungsrecht an einem zugewiesenen Stellplatz. Dies ist im Grundbuch eingetragen. Der Besitzer kann frei über den Parkplatz verfügen, ihn also auch weitervermieten.

Bei älteren Wohnanlagen ist dies oft nicht so eindeutig, unter Umständen gibt es zwei, drei Abstellplätze für ein Wohnhaus. Brisantes Konfliktpotenzial: Das Gemeinschaftseigentum ist für alle da und kann von allen genutzt werden. Für Eigentümer, die ihre Wohnung vermieten, haben deren Mieter dieselben Nutzungsrechte wie alle anderen.

Dauerparker bekommen leicht Schwierigkeiten. Denn beim Thema Auto kochen die Emotionen schnell hoch: Wer abends stundenlang kreist, bekommt schlimmstenfalls einen Gesichtsausdruck wie Michael Douglas in dem Kinofilm „Falling Down“, als er im Stau steht – der Anfang eines schrecklichen Dramas. Eigentümer, die in Ruhe auf dem Grundstück parken können, sehen da entspannter aus.

Also: Regelungen her! Für einen Gemeinschaftsparkplatz lässt sich per Sondernutzungsrecht die alleinige Nutzung eines einzelnen Eigentümers sichern. Das muss nicht unentgeltlich geschehen: Die Gemeinschaft kann mittels Mehrheitsbeschluss einen oder mehrere Stellplätze an Interessenten vermieten. Damit geht einher, dass diese Flächen der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Gemeinschaft muss sicherstellen, dass der Stellplatz nicht von jemand anderem besetzt wird – durch Tafel, Poller oder ähnliches.

Das Wohnungseigentumsrecht ermöglicht mehrere Alternativen. Egal wer am Ende des Tages parkt und wer kreist, die Regelung sollte den Interessen der Mehrheit der Eigentümer entsprechen. Einen macht es sicherlich entspannter – und wer will schon einen Nachbarn wie aus dem oben benannten Film haben?

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