Stellplatz

Parken auf dem Balkon

Nach Kreuzberger Vorbild entstehen bundesweit weitere Carlofts

Für die einen ist es modernes Wohnen in Zeiten von Parkplatznöten, für die anderen ein Symbol von Arroganz und Verschwendungssucht. Beispiel Karlsruhe: Das Neubauareal im Citypark der Karlsruher Südoststadt unterscheidet sich zumindest in einem Punkt von den allermeisten Bauprojekten. Es bietet Wohnungen, auf deren Balkons Autos parken können. Doch noch ist nirgends eine edle Karosse in luftiger Höhe zu sehen. „Die 24 Einheiten sind noch nicht bewohnt“, sagt Rüdiger Esslinger, Abteilungsleiter Beteiligungsverwaltung/Vertrieb, von der Familienheim Karlsruhe auf. „Aber der Autoaufzug funktioniert schon“. Von der Tiefgarage geht es in den Lastenaufzug, der zwar beleuchtet, aber doch nur schlicht ein Lastenaufzug ist.

Es geht in den vierten Stock, wo bereits zwei äußerst schicke Lofts eingerichtet wurden. Zwei Zimmer verteilen sich auf 116 Quadratmeter, Küche, Bad, Ausstattung – alles vom Feinsten. „Die nutzen wir für interne Veranstaltungen und um den Kunden zu veranschaulichen, wie die im Bau befindlichen Wohnungen aussehen könnten“, erklärt Esslinger bei der Besichtigung. Der Blick fällt auf die 70 000 Euro-Küche, die Sauna im Badezimmer und die Dusche, bei der 100 Düfte eingestellt werden können. Und es drängt sich auch die Frage auf: Braucht man das alles? Und das Auto auf dem Balkon?

Es sind nicht die End-30er Investmentbanker, die sich für die Wohnungen interessieren, „sondern eher ältere Paare, die ihre Häuser aufgeben möchten“, sagt. Esslinger. Bei der Wahl für eine solche Wohnung stehe immer wieder der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. „Man kann die Fläche aber auch als sehr großzügigen Balkon nutzen und das Auto in der Tiefgarage parken.“ Die Originalität war ihm trotzdem wichtig. „Wir wollten einfach mal etwas anderes als den klassischen Wohnungsbau wagen“, räumt Esslinger ein. Die Nachfrage scheint zu stimmen. „Wir führen viele Gespräche auch mit ausländischen Interessenten.“

So imposant die Wohnung, so unspektakulär ist der eigentliche Autoaufzug. Knappe fünf Tonnen schafft der Lastenaufzug. „Es war kein alltägliches und spannendes Projekt“, erklärt Reiner Brück, Projektmanager bei Lödige Fördertechnik in Warburg.

Bei Bau und Programmierung der Lift-Steuerung konnte die Firma auf Erfahrungen aus Berlin zurückgreifen. Dort wurden sogenannte „Carlofts“ in Berlin-Kreuzberg gebaut – von Protesten der alternativen Nachbarschaft begleitet. Ein personalisierter Code sorgt dafür, dass jeder Bewohner samt Fahrzeug nur in seinem Stockwerk anhalten kann. Beim Bau der Häuser musste außerdem die Statik berücksichtigt werden, Stahleinbauten verhindern das Durchbrechen des Autos und den Sturz durch das Balkongeländer.