Gastkolumne

Gemeinsames Vermögen

Hans-Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Zusammen sind wir reich! Doch wo ist eigentlich das viele Geld aus Hausgeldzahlungen und Instandhaltungsrücklagen? Gut angelegt, klar. Aber Vorsicht: Oft läuft das Girokonto der Eigentümergemeinschaft, von dem alle Kosten bezahlt werden, auf den Namen des Verwalters mit dem Zusatz „für Eigentümergemeinschaft XY“. Das ist dann doch nicht so gut angelegt – im Ernstfall würden Eigentümer für Privatschulden des Verwalters mithaften.

Ein „offenes Treuhandkonto“ ist die sichere Lösung. Inhaber der Konten sind nicht die Wohnungseigentümer in entsprechender Anteilsbeteiligung, sondern die teilrechtsfähige Gemeinschaft (als Verband) – Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs vom 2.6.2005 (V ZB 32/05). Der Verwalter ist lediglich verfügungsberechtigt. Sonst könnte es passieren, dass das Gemeinschaftsgeld für eventuelle Steuerschulden des Verwalters weggepfändet wird. Die Finanzbehörde fackelt da nicht lange. Gemäß § 27 Absatz 5 des Wohneigentumsgesetzes muss der Verwalter ohnehin ein von „seinem Vermögen getrenntes Konto“ führen.

In der Regel werden neben dem Girokonto auch weitere Spar- oder Festgeldkonten für die Eigentümer durch den Verwalter eröffnet. Seine Legitimation hat er der Bank nachzuweisen – zum Beispiel durch Gemeinschaftsordnung, Bestellungsbeschlussprotokolle, Verwaltervertrag und/oder die Verwaltervollmacht.

Seit 2007 können kontoführende Institute eine Namens- und Anschriftenliste der Eigentümer verlangen, da zwar die Gemeinschaft insoweit Rechtsträger und Kontoinhaber ist, indes § 10 Absatz 8 die teilschuldnerische Mithaftung des einzelnen Eigentümers für die Verbindlichkeiten des rechtsfähigen Verbands vorsieht. Die übliche Kurzbezeichnung „Konto der WEG XY, vertreten durch den Verwalter ...“ reicht aus.

Für größere Geldanlagen gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Sparbuch, Festgeldkonten, festverzinsliche Wertpapiere und Schuldverschreibungen des Bundes und der Länder sind möglich. Von längeren Bindungen ist abzuraten, weil die WEG bei einer akuten Reparatur den Mehrerlös nicht ausschöpfen kann. Über gemeinsames Vermögen wird gemeinsam beschlossen: Denn zusammen sind wir reich!