Recht

Grillen, Gartenmöbel, Lärm – Streitthemen unter Nachbarn

Wechselseitige Rücksichtnahme ist die Basis einer guten Nachbarschaft – so sieht es auch der Gesetzgeber.

– Doch vor allem in der Sommerzeit klappt es mit der Toleranz nicht immer. Weil sich die Menschen öfter draußen aufhalten, entstehe mehr Lärm, zudem geben wachsende Pflanzen Anlass zum Ärger, genauso wie ein qualmender Grill, sagt Kai Warnecke, vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin, typisch saisonale Streitthemen.

Gerade unter Eigentümern sei eine gerichtliche Auseinandersetzung jedoch unbedingt zu vermeiden, warnt Warnecke. „Egal wie das Urteil ausfällt: Der Ärger bleibt, schließlich ist der Nachbar eine Dauererscheinung im Leben.“ Auch die Berliner Rechtsanwältin Beate Heilmann rät zu einvernehmlichen Lösungen. „Juristisch geben die Nachbarrechtsgesetze der Länder und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) Regelungen in hinreichendem Maße vor.“

Beispiel Balkon: „Der Balkon gehört zur Wohnung, deshalb dürfen hier Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufgestellt werden“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Auch Blumentöpfe oder -kästen dürfen Mieter aufstellen. „Selbst an der Außenseite“, betont Ropertz. „Voraussetzung ist, dass sie ordnungsgemäß befestigt sind, so dass sie auch bei starkem Wind nicht herabstürzen und Passanten oder Nachbarn gefährden können.“

Allerdings müssen es Nachbarn nicht hinnehmen, dass ständig Blüten auf ihre Terrasse fallen (Landgericht Berlin, AZ.: 67 S 127/02). Auch Gießwasser von oben darf weder den unten wohnenden Nachbarn noch die Fassade des Hauses beeinträchtigen (Amtsgericht München, Az.: 271 C 73794/00).

Als nicht justitiabel benennt Warnecke die optische Gestaltung des Gartens. Hier habe jeder Besitzer freie Hand. Das schließt auch Gartenzwerge ein. „Selbst wenn dies nicht den Geschmack des Nachbarn trifft, ist das Aufstellen von Gartenzwergen nicht verboten“, sagt auch Beate Heilmann. Allerdings seien Figuren in Lebensgröße nicht hinzunehmen.

Wuchernde Pflanzen, die zum Nachbarn wachsen, müssen geschnitten werden. „Pflanzen müssen auf dem eigenen Grundstück bleiben“, sagt Warnecke. Hängt ein Ast über den Zaun, dürfe der Nachbar erst selbst zur Säge greifen, wenn der Eigentümer des Baumes eine Frist von zwei bis drei Wochen zur Beseitigung nicht eingehalten habe.

Fürs Grillen gilt: „Egal ob im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon: Es darf gegrillt werden und Nachbarn müssen das akzeptieren“, sagt Ropertz und schickt gleich zwei Einschränkungen hinterher: „Es sei denn, das Grillen ist im Mietvertrag verboten oder der Rauch zieht in Nachbarwohnungen.“

Ein Dauerbrenner unter Nachbarn ist die Geräuschkulisse. Hier gilt grundsätzlich: Die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr ist einzuhalten. Sommerfeste müssen dann gedämpft ablaufen.