Witterungsschutz

Thermoholz für Gartenmöbel

Mit heißem Öl behandelt, hält das Naturmaterial Witterung und Schädlingen länger stand

Thermoholz gehört zu den Premium-Werkstoffen, aus denen Bodenbeläge, Sichtblenden oder Möbel für Garten und Terrasse gefertigt werden. Das unter großer Hitze widerstandsfähig gemachte Material gilt ökologisch als Alternative zum Tropenholz. Und es übertrifft dessen Produkteigenschaften sogar. Ein Beispiel hat der Möbelbauer Mattiazzi im Programm. Es ist eine Variante des Loungesessels Medici für Garten und Terrasse. Der Stuhl von Konstantin Grcic aus München ist aus Holz gefertigt – die Outdoor-Version aus thermobehandelter Esche. Für sie gibt der Hersteller eine weitreichende Garantie: „25 Jahre wasserdicht“.

Wasserdichte Thermo-Esche

Das Versprechen von Mattiazzi klingt ungewöhnlich. Denn normalerweise nimmt Holz Wasser auf und quillt danach auf. Würde man diesen edlen Gartenstuhl aus unbehandeltem Holz fertigen, könnte dieser niemals draußen im Regen stehen. Der Medici ginge buchstäblich aus dem Leim und bekäme Risse. Thermo-Esche aber ist tatsächlich wasserdicht.

Für den Außenbereich haben sich deshalb in den vergangenen Jahren thermobehandelte Holzsorten etabliert. „Das Material nimmt kein Wasser mehr auf, und die Quellung verschwindet vollständig“, erläutert Christoph D. Kauter, Geschäftsführer des auf Thermoholz spezialisierten Unternehmens Menz Holz. Dadurch bleibe die Form des Holzes stabiler.

Alle Verfahren zur Herstellung von Thermoholz arbeiten mit sehr hohen Temperaturen, die das Holz bis an den Rand der Verkohlung bringen. Die Herausforderung für den Produzenten besteht darin, die Hitze so zu steuern, dass am Ende keine Grillkohle übrig bleibt. Konventionelle Verfahren arbeiten mit Wasserdampf oder erhitzten Eisenplatten.

Das Unternehmen Menz kocht das Holz wie in einer Fritteuse in Rapsöl. „Danach hat das Holz einen sehr geringen Wassergehalt von unter 0,1 Prozent“, sagt Kauter. „Bakterien und Fäulnis haben dann keine Chance mehr, sich einzulagern.“ Die Qualität des Materials ist abhängig von der Holzart sowie von der Dauer des Erhitzens. Prinzipiell lässt sich jedes Holz thermisch behandeln. Preiswerte Nadelhölzer sind jedoch auch danach hochwertigen Sorten unterlegen.

Thermoholz ist ein komplexes Material. Auf dem Markt ist deshalb die Produktqualität nicht immer einheitlich. „Bei Importen treten derzeit häufig Reklamationen auf, weil Eigenschaften versprochen werden, die die Ware nicht einhält“, sagt Klaus Kottwitz, Geschäftsführer der Initiative Thermoholz Qualität. Die deutschen Hersteller haben sich deshalb zur Qualitätssicherung verpflichtet und möchten das Siegel „Thermoholz Qualität“ am Markt etablieren.

Aus Thermoholz fertigen die Hersteller Beläge für Terrassen, Verkleidungen für Fassaden, Sichtschutzwände und teilweise auch Fenster. Da dunkle Hölzer im Trend sind, findet es auch im Innenbereich Verwendung. Das gegen Feuchtigkeit und Wärme unempfindliche Holz kann sogar im Badezimmer zum Einsatz kommen. Aber tragende Teile des Hauses lassen sich aus dem eher brüchigen Material nicht fertigen.

Alternative zu Tropenholz

Derzeit wird Thermoholz am Markt vor allem als Alternative zum Tropenholz positioniert. Bei Sorten aus den Regenwäldern ist vor allem der illegale Handel ein Problem. Thermoholz kann bei entsprechender Verarbeitung eine ähnlich hohe Haltbarkeit wie Teak oder Bankirai für sich in Anspruch nehmen. Die Formstabilität ist bei dem knochentrockenen Material sogar höher als die der klassischen Regenwaldsorten.

Trotz des hohen Energieaufwands in der Herstellung sieht Andrea Cederquist von Greenpeace die durch Hitze veredelten Hölzer ökologisch daher als Alternative zu Produkten aus den Tropenwäldern. Aber: „Man sollte beim Thermoholz unbedingt darauf achten, dass die Hersteller heimische, FSC-zertifizierte Holzarten verarbeiten“, sagt Cederquist. Das FSC-Siegel steht für eine nachhaltige Waldwirtschaft.