Interview

Vom Luxushotel zum Apartmenthaus

Denkmalschützerin Ingrid Lohse über den einstigen wilhelminischen Prachtbau

Ingrid Lohse, Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde in Charlottenburg, ist für den Umbau des Cumberland-Hauses mit zuständig und weiß um die historische Bedeutung des Komplexes. Mit ihr sprach Anna Klar.

Berliner Morgenpost:

Welche Funktion hatte das Cumberland ursprünglich?

Ingrid Lohse:

Der Bankier Fedor Berg ließ 1911 auf einem riesigen Grundstück des Kurfürstendamms einen Hotelkomplex mit einem besonderen Anspruch, als Boarding-Palast, errichten. Es sollte nicht nur ein übliches Durchgangshotel für Geschäftsreisende werden. Es war geplant, besonders jenen Teil der betuchten Gäste zu gewinnen, die einen längeren Berlinaufenthalt planten. Aus diesem Grunde wurde das Luxushotel mit besonderer Gastronomie, vielfältigen Gesellschaftsräumen und sogar einer Badeanstalt ausgestattet.

Wie spiegelt sich das in der Architektur des Hauses?

Das äußere Erscheinungsbild ist dem Wilhelminischen Reformstil zuzuordnen. Der Kurfürstendamm wurde bereits zur Bauzeit des Cumberland von hochherrschaftlichen Wohngebäuden mit dekorierten Fassaden geprägt. Die Lückenschließung als Hotelbau zum Kudamm zeigt eine nur sparsam ornamentierte Fassade und lässt damit bereits eine Hinwendung zur frühen Moderne erkennen. Das Besondere am Cumberland ist eher die Größe des Bauvorhabens, das sich bis zur Lietzenburger Straße erstreckt. Und vor allem die sehr opulente Innenausstattung, von der nur noch einige Fotos berichten.

Worin sehen Sie die historische Bedeutung des Gebäudes?

In dieser Zeit des späten Kaiserreiches gab es vielfältige Bauaktivitäten und Großvorhaben, die letztlich dazu beitrugen, die Hauptstadt enorm weiter zu entwickeln. Dies zeigte sich auch in der Zunahme des Fremdenverkehrs. Hierbei entstanden zwischen 1905 und 1912 allein in Berlin einige große Luxushotels. Zuerst das Adlon am Pariser Platz, zum Schluss das Cumberland im Westteil der Stadt, das letztlich in jener großen Pleite endete, vielleicht in Verkennung wirtschaftlicher Veränderungen.

Was waren die größten baulichen Herausforderungen bei der Restaurierung?

Mit einer Restaurierung ist es bei einer weitgehenden Änderung der Nutzungsart nicht getan, da hiermit eine Umorganisierung der Grundrisse, also erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich werden. Die Fassaden wurden in ihrem Originalerscheinungsbild und -farbigkeit wieder hergestellt. Als Kompromiss wurden in den Wohnhöfen zusätzliche Balkone und Gauben in denkmalverträglicher Größe zugelassen. Da ein Baudenkmal auch Innen unter Denkmalschutz steht, sollten hier die Originalbauteile in die neue Planung integriert werden. Diese Auflage konnte beim Bauherrn des Vorderhauses besser realisiert werden.

Inwiefern?

Ein Beispiel: Es wurden auf den ersten Blick exakt in der Ornamentik der Originale, und für nicht wenig Geld die Innentüren nachgebaut, die durch ihre glatte Industriebeschichtung seltsam künstlich wirken und damit als Neubautüren zu erkennen sind. Der Erhalt vieler sehr gut erhaltener Innentüren konnte im Wohnbereich leider nicht realisiert werden, weil die Investoren der Auffassung sind, dass diese nicht den hohen Qualitätsansprüchen für „Gehobenes Wohnen“ genügen können. Aus Sicht des Denkmalschützers ist im Baudenkmal jedoch ein Konzept am falschen Platz, das aus angeblichen Qualitätsgründen schützenswerte Originalsubstanz entfernt.