Finanzierung

Der Weg zum günstigen Traumhaus

Niedrige Zinsen sind kein Grund, beim Bauen zu prassen. Geduld und ein cleverer Architekt können helfen

– Baugeld ist aktuell so günstig zu bekommen wie nie zuvor. Doch die Entscheidung, sich ein Haus zu bauen, so ist zumindest der Autor Thomas Drexel überzeugt, sollte man sich keinesfalls vom Stand der Hypothekenzinsen diktieren lassen. Denn sind sie niedrig, bauen viele, und durch die große Nachfrage verteuern sich dann die Handwerksleistungen. Bauen, so lernen wir bei Drexel, ist eine Sache mit Haken und Ösen. Jede Entscheidung kostet im Zweifelsfall Geld, und zwar ziemlich viel: Noch immer ist der Bau des eigenen Hauses die größte Einzelinvestition im Leben des Durchschnitts-Deutschen.

Fast 50 Bücher hat Thomas Drexel mittlerweile zum Thema Bauen geschrieben, und er kennt inzwischen alle Finessen von Baugewerbe und Architektur. Er weiß: Beim Bauen will gerade das Sparen gekonnt sein. Die Erfahrung zeige, so der Architekt, „dass sich in vielen Fällen Verträge mit vordergründig günstigen Gesamtkosten am Ende als recht teuer erweisen“. Sei es, dass sich im Kleingedruckten diverse kostenintensive Leistungen verstecken, sei es durch Qualitätsmängel bei der Ausführung oder aber durch die Tatsache, dass nach Vertragsabschluss vorgenommene Änderungen teuer bezahlt werden müssen.

Grundstück ein Drittel des Budgets

Wer ein Haus für weniger als 185.000 Euro errichten will, braucht deshalb Augenmaß, Selbstdisziplin und vor allem einen guten Architekten. Denn Fertighäuser und Bauträgermodelle sind nach Drexels Auffassung keineswegs der geeignete Weg, finanzielle Fallen zu vermeiden. Weniger als beim Bauen mit einem Architekten entstünden gerade hier „schwerwiegende bauliche und finanzielle Probleme“ durch Verträge mit Hausanbietern. „Auch wenn es viele renommierte und seriöse Unternehmen gibt, ist es für den Laien schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen.“

Zudem sei ein Architekt mit Erfahrung im preiswerten Bauen nicht leicht zu finden. Ein günstiges Low-Budget-Haus ist bei Architekten nicht eben beliebt, hängt das Honorar doch von der Bausumme ab. Je billiger das Haus, desto geringer also ihre Entlohnung.

Doch nicht nur die Architekten, auch die Bauwilligen selbst müssten Abstriche machen bei ihren Wünschen: „Es funktioniert nicht“, sagt Drexel, „mit feststehendem Raumprogramm und Wunschkatalog zum Architekten zu gehen, der es dann zu besonders günstigen Kosten verwirklichen soll.“ 200 Quadratmeter Wohnfläche zum Beispiel sind mit einem Budget von 185.000 Euro auch mit dem besten Architekten nicht realisierbar. Geringe Kosten beim Hausbau resultieren nicht vorrangig aus billigem Materialeinkauf oder gedrückten Handwerkslöhnen, sondern aus einem intelligenten Gesamtkonzept.

Und das beginnt schon bei der Suche nach einem Grundstück. Schon hier sollte der Architekt mit dabei sein, denn mit dem Blick des Fachmanns erkennt er das Potenzial eines Areals: Hanglage verursacht konstruktiven Mehraufwand, ebenso feuchter Untergrund. Auch Erschließungskosten für Wege, Wasser und Abwasser müssen mit bedacht werden. Als Faustformel gibt Thomas Drexel an: Das Grundstück sollte nicht mehr als ein Drittel des Budgets ausmachen. Hat man dafür zu viel ausgegeben, lässt sich das nicht mehr korrigieren,.

Andererseits kann die kluge Wahl eines Grundstücks auch zu genialischen Lösungen führen. So fand der Berliner Architekt Peter Grundmann in einer mecklenburgischen Kleinstadt einen Bauplatz dort, wo ihn keiner vermutet hätte: in der Lücke zwischen zwei Plattenbauten und bekam schließlich auch eine Baugenehmigung dafür.

Aufgrund der Grundstücksgröße von lediglich zwölf Quadratmetern baute Grundmann in die Höhe. Das dreistöckiges Haus ist oben breiter als unten – dort musste noch genügend Platz für die Feuerwehrdurchfahrt bleiben. Zum Wohnen für eine alleinstehende Frau und ihren Sohn, der regelmäßig zu Besuch kommt, bietet es dennoch ausreichend Platz. Innenwände fehlen in dem Haus komplett. Als Raumteiler dienen die mittig angelegte Treppe sowie schwere, schallschluckende Vorhänge. Nur Bad und Toilette verfügen über Türen, kommen dafür mit minimaler Fläche aus. Die Kosten für das individuelle Haus: lediglich 100.000 Euro. Mit seinen 93 Quadratmeter Wohnfläche ist es eines der größeren in seiner Preisklasse.

Häuser für weniger als 185.000 Euro sind in der Regel klein, manche schrumpfen bis zur Größe eines Wohnmobils. Originell sind die minimalistischen Ansätze dennoch. So hat das Studio WG3 ein schräges Mobile Home mit nur 19 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche entworfen. Mit dem Look eines verkantet gestellten Würfels bietet das 62.500 Euro teure Minihaus im Inneren interessante Blickbeziehungen, eine Panoramascheibe nach draußen und Stauraum in den durch die Schrägstellung gewonnenen Räumen.

Aus demselben Studio stammt der Entwurf für einen mit Polycarbonatplatten verkleideten Wohnwürfel für 46.000 Euro. Der nur 24 Quadratmeter große Innenraum ist 4,50 Meter hoch, hat keine Fenster, das Licht fällt rundherum durch die transluzenten Polycarbonatplatten ein. Die sollen, da sie aus zwei Schichten bestehen, sogar leidlich isolieren, die energetischen Werte für das Haus werden aber eher vage mit „passabel“ angegeben.

Jedes Detail vorab planen

Insgesamt muss dieses Haus wohl eher als charmante Studie denn als realistisches Wohnkonzept gesehen werden. Dass der Einsatz der preiswerten Polycarbonatplatten durchaus seinen Sinn haben kann, zeigt ein origineller Entwurf von Wetzel Architektur und EA&D aus Stuttgart. Für einen Landwirt, der zugleich Stellplatz für einen Unimog und Großgeräte brauchte, entwarfen sie ein Haus, dessen gesamtes Erdgeschoss eine 4,50 Meter hohe Garage ist. Mit ihrer Fassade aus Holzlatten und Polycarbonat schließt sie bündig mit dem daraufgesetzten Haus ab. Dies wiederum ist komplett mit dunkelgrauen Aluminiumwellplatten verkleidet und hat keinen Dachüberstand.

Das Haus selbst ist mit 47 Quadratmetern vergleichsweise klein, wirkt aber großzügig durch Räume, die nach oben, zur Schräge des Satteldaches hin, offen sind. Der Fußboden besteht aus Tafeln, die sonst zur Betonschalung verwendet werden. Allein die Innenwände aus offenliegendem Sperrholz dürften nicht jedermanns Geschmack sein. Man vergisst ihre unerfreuliche Anmutung allerdings, wenn man auf die 17 Quadratmeter große Loggia mit zusätzlichem, seitlichem Fenster tritt und die Kontoauszüge kontrolliert: das großzügige Haus, das mit Garage und Werkstatt auf die Bedürfnisse des Bewohners zugeschnitten ist, hat lediglich rund 175.000 Euro gekostet.

Möglich, so Thomas Drexel, seien Bauwerke mit einem solch guten Preis-Leistungs-Verhältnis nur, wenn alle Beteiligten, insbesondere auch die Bauherren, viel Geduld mitbringen. Der Kostenrahmen kann nur dann gehalten werden, wenn wirklich jedes Detail schon vorab geplant ist – bis hin zu geringen Materialquerschnitten und unkomplizierten Dachtragwerken. Alle späteren Ideen und spontanen Wünsche kosten das Geld, das man vorher mit viel Mühe eingespart hat.