Interview

"Es warten immer neue Überraschungen"

Für sehr alte, denkmalgeschützte Gebäude gilt es, eine Nutzung zu finden, die heute funktioniert

Mit dem Architekt der Alten Meierei sprach Autor Oliver Klempert über den Umbau denkmalgeschützter Bauten.

Berliner Morgenpost:

Worin bestanden die Herausforderungen bei der Sanierung des 150 Jahre alten Gebäudekomplexes Alte Meierei?

Jan-Christoph Ferber:

Die Herausforderung bei der Sanierung eines derartigen Komplexes ist es, eine Nutzung zu finden, die in der heutigen Umgebung funktioniert, ohne den eigentlichen Charakter zu zerstören. So alte Gebäude haben sich in ihrer "Lebenszeit" immer wieder gewandelt und bestehen meistens auch deshalb noch, weil sie sich gewandelt haben. Oft ist genau diese zum Teil noch ablesbare Veränderung das Interessante daran. Bedenken muss man allerdings, dass einen immer neue Überraschungen erwarten, da man nur bedingt in ein Gebäude "hineingucken" und nicht alles vorhersehen kann.

Haben Sie bereits öfter mit sehr altem Baubestand zu tun gehabt?

Seit einigen Jahren bin ich mit der Sanierung von Bestandsgebäuden beschäftigt, insofern habe ich täglich mit "alten Häusern" zu tun. Bei Bestandsgebäuden sowie bei Ergänzungen von Altbauten geht es immer darum, ein Gefühl für die Gebäude zu entwickeln und sensibel mit dem Bestand umzugehen.

Welche Maßnahmen mussten im Wesentlichen für die Sanierung vorgenommen werden?

Der Schwerpunkt lag darin, die vorgefundenen Gebäude für eine Wohnnutzung umzubauen. Das heißt Grundrisse zu entwickeln, die in die vorgefundene Form passen. Außerdem müssen neben den offensichtlichen Maßnahmen wie Dächern und Heizung, auch Maßnahmen durchgeführt werden, die man später nicht mehr stolz zeigen kann, wie zum Beispiel die Abdichtung von Gebäudeteilen, neuen Fundamenten, wenn diese fehlen, und Sanierung von nicht mehr tragfähigen Balken und ähnlichem.

Sind heutige Anforderungen an den Energiehaushalt eines Gebäudes bei so alter Bausubstanz schwerer umzusetzen als bei jüngeren Bauwerken?

Sicher ist das so, insbesondere wenn es sich um ein Denkmal handelt und die charakteristische Stein- und Hoffassade nicht durch eine Außenwärmedämmung verstellt werden soll. Hier muss ein Kompromiss zwischen energetischen Wünschen und bautechnisch sinnvollen Maßnahmen gefunden werden.

Inwieweit ist man als Architekt/Planer durch den Status "denkmalgeschützt" in seiner planerischen Freiheit eingeschränkt?

"Eingeschränkt" oder "herausgefordert" ist eigentlich die Frage. Natürlich setzt ein Denkmal Schranken, bietet aber auch ein Spannungsfeld, das unsere Umgebung reicher macht. Ferner müssen die Maßnahmen mit den Denkmalbehörden abgestimmt werden, was aber im Fall der "Alten Meierei" ein sehr produktiver Prozess ist.

Worauf sollten Eigentümer achten, wenn sie sich für die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes entscheiden?

Voraussetzung ist ein Gefühl für alte Gemäuer, es bleibt auch nach Sanierung ein Haus mit Ecken und Kanten. Man sollte sich bewusst sein, das nicht alles so glatt läuft wie bei einem Neubau.