Architektur

Ein Gegenpol zur Anonymität der Großstadt

Vom Gewerbehof zum Familienidyll heißt es für das historische Gebäudeensemble "Alte Meierei" in Berlin-Zehlendorf

Sonnenlicht überflutet den Innenhof der über 150 Jahre alten Meierei. Vögel zwitschern, der Himmel ist strahlend blau, der Frühling nach einem endlos langen Winter ist da. Und doch braucht man noch einiges Vorstellungsvermögen, um sich diesen Wohnort idyllisch vorstellen zu können - denn noch ist fast das gesamte Gebäudeensemble eingerüstet, sind Bauarbeiter emsig bei der Arbeit, überdeckt Baulärm die ansonsten friedliche Kulisse auf dem kleinen Hof.

Giorgio Sau steht auf der Baustelle und freut sich darauf, hier demnächst einzuziehen. Der Mailänder Jurist zog vor zwei Jahren nach Berlin - und fand in der deutschen Hauptstadt, was er in seiner Heimat vergeblich suchte: ein zurückgezogenes Domizil, eine Wohngemeinschaft in ruhiger Lage in einem historischen Bauensemble. Die "Alte Meierei" in Zehlendorf wird ihm dies alles bieten können.

Wohnen im Kuhstall

In vier denkmalgeschützten Gebäuden rund um einen Innenhof - dem sogenannten Spiegel-Haus, der Meierei, dem Speicher und der Remise - entstehen gegenwärtig 13 Eigentumswohnungen mit Wohnflächen zwischen 40 bis 144 Quadratmetern. In den ehemaligen Kuhställen werden zweistöckige Wohnungen untergebracht. Ein gemeinsam nutzbarer Innenhof mit Gärten und Terrassen bildet demnächst einen Treffpunkt für alle Bewohner und soll das Gefühl einer Wohngemeinschaft erzeugen. Der große Platz wird dabei in seinem Zentrum von einem Zierbrunnen dominiert und soll zu Grillabenden einladen, als Spielplatz oder Ruhezone dienen.

"Mailand ist eine anonyme Großstadt, hier finde ich nun eine Gemeinschaft", sagt Sau, der mit dem Kauf seiner Wohnung auch seinen kompletten Lebenswandel umgekrempelt hat, den Juristenberuf hat er aufgegeben und stattdessen in Kreuzberg das Eiscafé "Anna Durkes" eröffnet. "Mit 42 Jahren fühle ich mich nun wieder jung und fit", sagt er. Das ist auch nötig - denn der Aufgang zu seiner neuen Wohnung in der "Alten Meierei" führt über historische, steile Treppenstufen. Insgesamt zwei Zimmer, ein Bad und eine Küche entstehen in einem alten Milchlager. Noch steht Giorgio Sau vor alten Dachbalken, die nun nach und nach in sein neues Wohndomizil integriert werden - durch die Fenster kann er später dann genau auf den Innenhof hinunterblicken.

"Die Alte Meierei soll einen Gegenpol zur Anonymität der Großstadt darstellen. Man grüßt sich und die Kinder spielen gemeinsam auf dem Hof. Daher ist uns wichtig, dass die Chemie zwischen den Bewohnern stimmt", fasst Bauherr und Investor Wulf Christmann das Bauvorhaben zusammen. Er hatte die "Alte Meierei" 2011 erworben. Das Umfeld könnte nicht besser gewählt sein. Am südwestlichen Rand von Berlin gelegen, lädt die Natur hier zu einer Vier-Seen-Wanderung im Forst Düppel ein. Der Schlachtensee, ein beliebtes Ausflugsziel, ist nur wenige Fahrrad-Minuten entfernt und auch der Wannsee mit seiner Dampferflotte ist schnell erreicht. Einkaufsmöglichkeiten befinden sich im näheren Umfeld, zahlreiche Bäcker, Bars und Restaurants sorgen für ein kulinarisches Angebot. Und soll es doch mal das quirlige Zentrum der Hauptstadt sein, kann man die schnelle Anbindung über S- und U-Bahn oder Bus nutzen. Von der Straße aus wird deutlich, dass mit dem modernen Neubau des ehemaligen Milchladens ein deutlicher Raum- und Lichtgewinn einhergeht. Hier soll wieder ein Gewerbe einziehen. Das historische, in seiner Architektur zurückhaltende Wohnhaus Spiegel, zehn Meter daneben, bildet einen spannenden Kontrast. Zwischen beiden Gebäuden hindurch führt der Weg auf den autofreien Innenhof. Die gesamte denkmalgeschützte Bausubstanz wird gewissenhaft restauriert und instandgesetzt, um den Charakter der "Alten Meierei" zu erhalten.

Holzbohlen und Lofts

Ebenfalls begeistert von der Restauration der "Alten Meierei" ist Architektin Isabel Droste zu Senden, die ein Zwei-Zimmer-Appartement in dem Gebäudeensemble erstanden hat. Sie hat Erfahrung bei der Restauration und daher sofort gesehen, welchem architektonischen Kleinod hier neues Leben eingehaucht wird. "Ich bin durch Zufall darauf gestoßen und habe mich dann recht schnell dazu entschieden, hier ebenfalls zu kaufen", sagt sie. Obwohl die Architektin ihre neue Wohnung zunächst vermieten möchte, kann sie sich doch vorstellen, auch selbst in die "Alte Meierei" einzuziehen. "Das war für mich das Schlüsselargument."

Kein Wunder: Vom Boden bis zum Dach, vom Steinplatz bis zur Hofeinfahrt wurde die historische Substanz für den Umbau untersucht, sorgsam bearbeitet oder fachmännisch ausgetauscht. Alte, widerstandsfähige Holzbohlen und Pfeiler durften bleiben, Wände und Fenster mussten modernen Bau- und Wohnkriterien weichen. So lassen nun große Panoramascheiben viel Licht in die alten Gebäude. Aus dunklen Lagerräumen werden lichtdurchflutete Küchen, aus kleinen Wohnzimmern loftartige Räume. In allen Wohneinheiten werden Echtholzdielen oder Parkett verwendet, die Bäder sind mit hochwertiger Sanitärkeramik, bodentiefen Duschen und einer Fußbodenheizung ausgestattet. Moderne Einbauküchen komplettieren den Wohnkomfort. Ansonsten wird die Innenausstattung nach den Vorstellungen des Erwerbers geplant und umgesetzt. Dabei kommt es auch auf Kleinigkeiten an: So wird zum Beispiel eine Altberliner Dachrinne verbaut, die ein klein wenig anders geschwungen ist als eine moderne Regenrinne. Besonders schön: Der größte Teil des alten Ziegelmauerwerks und damit der Grundcharakter der "Alten Meierei" konnte beim Umbau erhalten werden. Auch nach über 150 Jahren war die Bausubstanz im Kern immer noch in Ordnung.

Komfort und Technik

Nicht zuletzt: Fast unsichtbar werden moderne Kommunikationsanlagen installiert, die viele Komponenten wie Video-Gegensprechanlagen, beleuchtete Nummernschilder, Ruf- und Lichttasten sowie Lautsprecher vereinen. Internet-TV und iPhone-Docks gehören ebenso zum Standard wie eine intelligente Netzwerktechnik. Neben allem Komfort und der neuesten Technik wird der gesamte Gebäudekomplex nicht zuletzt auch zum Niedrigenergiehaus saniert. Käufer einer Wohnung können so zinsgünstige Darlehen aus dem Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau zur Finanzierung nutzen. Fußbodenheizung in Teilbereichen sowie eine dreifache Verglasung sind unter anderem Eckpunkte des Energiekonzeptes der "Alten Meierei".