Wohnungsmarkt

Berlin boomt - Preise stiegen um 28 Prozent

Klassische Mieterstadt wird langsam zu einer Eigentümer-Stadt. Pro Jahr fehlen mindestens 10.000 neue Wohnungen

Wie in jeder anderen deutschen Großstadt wird auch in Berlin der Wohnraum immer knapper. Zusehends steigen die Mieten und Kaufpreise - Investoren und Suchende schauen sich auch verstärkt die Randlagen an.

Laut dem Immobilien Kompass 2013 aus dem Magazin Capital stieg allein im Jahr 2011 die Einwohnerzahl in Berlin um etwa 41.000 Personen. Dabei kamen die Zugezogenen nicht nur aus anderen Teilen Deutschlands, sondern zur Hälfte auch aus dem Ausland. Berlin boomt. Fachleute der Immobilienbranche reden von einer Entwicklung in die richtige Richtung, so Jörg Schwagenscheidt vom börsennotierten Wohnungsunternehmen GSW. Allerdings wird diese Entwicklung für den Durchschnittsbürger immer unbezahlbarer. So stiegen zum Beispiel die Quadratmeterpreise von 2009 bis 2012 um 28 Prozent, wie der Immobiliendienstleister CBRE ermittelte. Grundlage für die Erhebung waren die Durchschnittsmieten der in Internetportalen angebotenen Wohnungen.

Insgesamt müssten nach Berechnungen von Maren Kern vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) pro Jahr mindestens an die 10.000 neue Wohnungen in Berlin und dem angrenzenden Umland gebaut werden. Im Unterschied zu anderen deutschen Großstädten sei für derartige Baumaßnahmen auch reichlich Platz vorhanden. So sollen zum Beispiel südlich von Berlin am Rand des Technologieparks Adlershof bis 2015 etwa 1000 Wohnungen gebaut werden. "Auch Standorte außerhalb des S-Bahn-Rings gewinnen an Bedeutung", sagt Roman Heidrich von Jones Lang LaSalle und nennt in diesem Zusammenhang zum Beispiel Weißensee, Lichtenberg und Alt-Treptow.

Auffallend sei auch, so Anne Riney von Engel & Völkers, dass sich die klassische Mieterstadt Berlin langsam zu einer Stadt der Eigentümer entwickele. In dieser Beziehung werden etwa die beliebten Stadtteile Mitte mit seinen vielen neuen Luxusbauten, Dahlem, Charlottenburg, Kreuzberg, Neukölln, Prenzlauer Berg und das grünere Pankow (wusste man auch schon zu Zeiten der DDR zu schätzen) genannt.

Um jedoch den möglichen Luxussanierungen einen Riegel vorzuschieben, sollen nach dem Willen einiger Bezirkspolitiker Teile des Gesamtbezirks Pankow zu einem Milieuschutzgebiet erklärt werden, schreibt Capital. Darunter würde dann beispielsweise auch der Einbau eines zweiten Badezimmers fallen.

Aber obwohl Fachleute durch die steigende Wirtschaftskraft und zunehmende Einwohnerzahl noch gute Voraussetzungen für Investitionen in Berlin sehen, warnen sie auch vor einer stetigen Aufwärtsentwicklung. Denn in vielen Trendvierteln würden inzwischen Preise verlangt, die nicht gerechtfertigt seien. Aber vielleicht korrigiert sich der Immobilienmarkt auch von selbst, "denn das Risiko, zu teuer ein Haus oder eine Wohnung einzukaufen, hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren schon erhöht", sagt Makler Nikolaus Ziegert.

Ein Vergleich unter dem Titel "Immobilien Kompass 2013" mit Grafiken und Tabellen für Leipzig, Dresden, München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Hamburg, Bremen und Berlin ist im aktuellen Magazin Capital zu finden.