Interview

Energetische Sanierung auf vielfältige Weise

Der Berliner Architekt Klaus Theo Brenner nennt aktuelle Projekte und gibt Käufern Empfehlungen

Über Fragen der Sanierung von Alt- und Neubestand sprach mit Architekt Klaus Theo Brenner der Autor Oliver Klempert.

Berliner Morgenpost:

Welche Erfahrung haben Sie mit Sanierung und Rekonstruktion?

Klaus Theo Brenner:

Wie brisant dieses Thema ist, können wir zurzeit an der Diskussion um den Alexanderplatz und der Rekonstruktion der "Alten Mitte" in Berlin erkennen. Zurzeit beschäftigen wir uns intensiv mit dem ehemaligen Industriebau der Revatex in Spindlersfeld und den historischen Flugzeughallen in der Gartenstadt Karlshorst. Beide Bestandsbauten sind sowohl Sanierungsobjekte, stellen aber auch konzeptionelle und gestalterische Regeln für die von uns darum herum entwickelte Neubebauung auf.

Worauf mussten Sie dabei besonders achten?

Natürlich stehen immer zunächst die konstruktiven und gestalterischen Wesensmerkmale eines Bestandsgebäudes als Leitplanken für ein Sanierungskonzept im Vordergrund. Diese müssen genau untersucht werden, um daraus Regeln für den weiteren Umgang mit dem Gebäude zu erstellen. Darüber hinaus muss ein Architekt immer den Nutzer im Auge haben.

Welche theoretischen Möglichkeiten sehen Sie im Baubestand der 50er/60er Jahre, um diesen Wohnungen einen moderneren Charakter zu geben?

Bei solchen Aufgaben muss man sowohl die technischen als auch die gestalterischen Anforderungen berücksichtigen und beide zu einer Einheit zusammenführen. Wesentlich sind dabei die total veränderten energetischen Anforderungen, die wir heute an ein Gebäude stellen. Die Möglichkeiten einer energetischen Sanierung waren nie vielfältiger. In der räumlichen Gestaltung ist das Wirkungsfeld genauso variationsreich. Das reicht von der Zusammenlegung von einzelnen Räumen oder der kompletten Grundrissveränderung in der horizontalen, wie auch vertikalen Ebene bis zum kompositorischen Gesamtkonzept der verwendeten Materialien. Auch hier gilt wieder, dass zunächst die vorhandenen Qualitäten erkannt werden müssen und es ein genaues Verständnis des Nutzers geben muss.

Welche Empfehlungen können Sie Besitzern oder Mietern solcher Wohnungen geben?

Es ist immer wieder erstaunlich, was Nutzer oft mit einfachen Mitteln für positive Veränderungen zustande bringen. Meistens gehen diese Veränderungen jedoch nicht über das Mittel der Farbe, der Änderungen oder Sanierung von Wand- und Bodenbelägen hinaus. Auch hier sollte immer gelten, dass man sich im Vorfeld der Veränderungen ein Gesamtkonzept entwickelt und genau überlegt, ob die jeweilige Einzelmaßnahme dazu passt. Dabei sollte das Gesamtgebäude genauestens studiert werden. Immer wieder taucht das Problem auf, dass Nutzer sich aus Hochglanzmagazinen Vorbilder suchen, die nichts mit ihrem eigenen Objekt zu tun haben. Für weiter reichende Aufgaben sollte man allerdings einen Fachmann hinzuziehen. Nur dieser kann die komplexen bautechnischen sowie auch die gestalterischen Besonderheiten erkennen und bewerten. Andernfalls droht sonst schnell der große Bauschaden - und zwar sowohl ästhetisch als auch technisch.