Umbau

Aus zwei mach eins: Wohnblock mal ganz anders

Stefan und Enno Fenske-Burmester bauten einen 60er-Jahre-Sozialbau um. Dort fühlen sich mindestens so wohl wie in einem Altbau

Enno Fenske-Burmester steht in der Tür zum kleinen Gästebad. "So etwas habe ich mir schon immer gewünscht", sagt er und lächelt. Tatsächlich: So ein Bad findet man wohl nur selten - es ist komplett schwarz gefliest. Der 51-Jährige schließt die Tür und führt gemeinsam mit seinem Lebenspartner Dr. Stefan Fenske weiter durch die Wohnung.

Nur ein paar Meter entfernt und um zwei Wohnungsecken herum liegt das zweite Bad - mit direktem Zugang zum Schlafzimmer. Glasbausteine und ein kleiner Flur trennen die beiden Räume voneinander. Auch dieses Bad hat etwas Besonderes - eine bodengleiche Dusche. Schwarze Fliesen, eine Dusche ohne Stolperfalle - Stefan und Enno Fenske-Burmester haben sich beim Umbau ihrer Wohnung alle Wünsche erfüllt.

Insgesamt 90 Quadratmeter misst die Wohnung im Bezirk Schöneberg. Obwohl eine große Hauptverkehrstraße nur wenige Straßenzüge entfernt verläuft, ist es dort ausgenommen ruhig. Der Blick aus den Wohnzimmerfenstern zeigt Altbauten ringsum, spielende Kinder auf breiten Gehsteigen, Cafés und Restaurants an den Straßenecken.

"Eine Traumwohnung in einer Traumgegend", sagt Enno Fenske-Burmester, "was will man mehr?" Und es stimmt: Schöneberg ist längst nicht so teuer wie Prenzlauer Berg oder Friedrichshain - und mindestens so lebenswert. Das Besondere an Fenske-Burmesters Wohnung ist allerdings, dass sie sich nicht in einem klassischen Altbau befindet, sondern in einem Sozialbau der 60er-Jahre. Die Decken sind wesentlich niedriger, alles wirkt kleiner - müsste es zumindest, wie man denken sollte. In den 50er- und 60er-Jahren wurde dieser Haustyp an Orten hochgezogen, an denen Bomben des Zweiten Weltkriegs große Wunden in den Altbau-Bestand geschlagen hatten. Es ging darum, schnell Wohnraum zu schaffen.

Das Gesamtbild stimmt

Doch die Wohnung wirkt alles andere als klein und beengt - denn die Bewohner haben daraus fast so etwas wie einen persönlichen Wohnpalast gemacht. "Dazu haben wir zwei Wohnungen in der Größe von 40 und 50 Quadratmetern zusammengelegt", erläutert Enno Fenske-Burmester während des weiteren Rundgangs. In den Jahren 1998 und 2000 hatten sie beide Wohnungen gekauft. Die erste Wohnung hatte zwei Zimmer, die zweite Wohnung eines - sodass sie heute auf geräumigen 90 Quadratmetern leben. Wohnte in der kleineren Wohnung zunächst noch eine ältere Dame, konnte 2007 der Umbau beginnen. "Wir haben innerhalb weniger Monate alles rausgeworfen. Zwischenwände herausgenommen, Olivenparkett eingesetzt, Wände begradigt", sagt Stefan Fenske. Hilfe hatten sie dabei zwar von Architekten und Bausachverständigen, die Ideen kamen aber von ihnen. Zwischen den beiden ehemaligen Wohnungen liegt heute eine Schiebetür, um den Platz besser nutzen zu können. Schränke und Ablagen haben sie eigens von einem Tischler bauen lassen. Dabei musste vor allem das Gesamtbild stimmen - der Flur zum Beispiel ist in der Farbe ihres alten Mercedes gestrichen, der hinter dem Haus parkt.

Für das Paar ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen - obwohl sie in der Wohnung eigentlich nur zur Hälfte wohnen. Von Donnerstags bis Sonntag sind sie in Berlin, die erste Hälfte der Woche in Hamburg. Stefan Fenske arbeitet dort als Arzt, Enno Fenske-Burmester als Manager in einer Arztpraxis. In Hamburg wohnen die beiden in einer Altbau-Wohnung auf 125 Quadratmetern im teuren Eppendorf - allerdings zur Miete.

Nur Teilzeit in Berlin

Damit haben sie den Spieß einmal umgedreht - normalerweise werden meist Altbau-Wohnungen gekauft, Sozialbauten auf dem Immobilienmarkt eher links liegen gelassen. Auch wenn das Paar über konkrete Zahlen nicht redet, so sagen sie doch, dass die Kaufpreise ihrer Wohnung vor nunmehr über zehn Jahren Schnäppchen waren gegenüber den Preisen, die heute auf dem Berliner, geschweige denn Hamburger Immobilienmarkt verlangt würden. Allerdings: "Der Umbau hat dann auch einie Tausend Euro gekostet. Das sollten Immobilienkäufer unbedingt mit einkalkulieren", gibt Fenske-Burmester seine Erfahrung weiter.

"Wer anfängt umzubauen, merkt schnell, dass viele Details sehr wichtig werden", sagt Stefan Fenske. Zumal ihre Wohnung mehr als nur eine Wohnung, sondern eher ein Refugium ist. "Wenn wir zum Wochenende nach Berlin anreisen, dann ist die Arbeit ganz weit weg", sagt Fenske-Burmester. Bücher zur Arbeit findet man in ihrer Wohnung daher nicht, die drei Zimmer sind ohnehin recht spartanisch eingerichtet. Die Frage, welche Wohnung sie schöner finden und wo sie sich eher beheimatet fühlen, können sie nicht beantworten. "Beide Wohnungen sind unser Zuhause", sagt Fenske. In Berlin werde entspannt, viel unternommen - es sei der Freizeit-Lebensmittelpunkt, die "Wohlfühl-Oase". Vor allem deshalb müsse in dieser Wohnung alles stimmen - zum Beispiel die Küche.

Sie befindet sich dort, wo vor Umbau und Wohnungszusammenlegung auch schon die Küche war, allein: Auf einem frei stehenden, großen Tresen richtet Fenske-Burmester heute fast jedes Wochenende Gerichte an, kocht leidenschaftlich gern.

Durchs Fenster in die Natur

"Dies ist unsere feste Ferienwohnung in einer anderen Stadt", sagt Fenske. Sicher, anfangs hätten Freunde sie schon gefragt, warum sie ausgerechnet in einen 60er-Jahre-Bau investierten und nicht in einen Altbau, als sie aber gesehen hätten, was aus ihrer Wohnung wurde, habe sich die Skepsis schnell gelegt. "Wir wohnen fast direkt in der Natur", sagt Fenske-Burmester, "nicht nur wegen der idyllischen Lage." Spricht's und öffnet ein bodentiefes Fenster. Die Erdgeschosswohnung hat unmittelbaren Zugang zum kleinen Vorgarten, viel Sonnenlicht fällt hinein. Ein Rosengeflecht dient als Sichtschutz.

Nur ein wenig Hamburg muss es dann eben doch sein: So hängt in Berlin eine Radierung, die die Hamburger Speicherstadt zeigt. "Dafür hängt in der Hamburger Wohnung eine große Lithografie des von Christo verhüllten Reichstages", sagt Enno Fenske-Burmester - und modern ist die Altbauwohnung ebenfalls eingerichtet. Insofern gibt es zwischen beiden Stilen wohl mehr Verbindendes als Trennendes. Und Stefan Fenske und Enno Fenske-Burmester pendeln regelmäßig zwischen zwei Wohnwelten.