Kennzeichnung

Immobilien-Inserate müssen über Energieverbrauch informieren

Was Vermieter und Verkäufer künftig bedenken sollten

- Sie ist 80 und will ihr Haus verkaufen. Eine kleine Wohnung, Geschäfte in der Nähe und Busanbindung - das schwebt Maria Müller vor. "Der Garten ist zu groß, das Haus noch gut in Schuss, aber bald müsste man was dran machen", sagt die Rentnerin. "Dafür fehlt mir das Geld." Sie hat die Doppelhaushälfte aus den 1950er-Jahren schätzen lassen: 150.000 Euro. Mehr als sie erwartet hat, immerhin heizt sie noch mit Nachtspeicheröfen. Von einem Energieausweis hat sie noch nie etwas gehört. Auch der Gutachter hat nicht danach gefragt. "Wozu auch, jeder neue Besitzer macht sich alles so, wie er es will. Er weiß ja, dass das Haus alt ist", sagt die Seniorin.

Das sieht sie nicht allein so. In der Praxis spielt der Energieausweis auch fünf Jahre nach seiner Einführung kaum eine Rolle. Das Dokument, das Käufer und Mieter über den Energieverbrauch von Haus oder Wohnung informieren soll, schert die Interessenten wenig. Vor allem in Großstädten, wo Wohnraum knapp ist, wird selten danach gefragt. "Die Verbrauchswerte interessieren die wenigsten Käufer oder Mieter", sagt auch Peter-Georg Wagner, Sprecher des Immobilienverbands Deutschland. "Das wird sich wohl ändern, wenn die Energiepreise weiter steigen." Dann könnte die Entscheidung für eine neue Wohnung von deren Energieverbrauch abhängen.

Auf EU-Ebene will man schon vorher daran arbeiten, dass der Ausweis nicht als Rohrkrepierer endet. Dazu hat die EU-Kommission schon 2010 eine "Richtlinie zur Gesamteffizienz von Gebäuden" erlassen, die in Kürze auch in Deutschland umgesetzt wird. Danach müssen Verkäufer und Vermieter bei Immobilienanzeigen in kommerziellen Medien den Energiebedarf eines Objekts angeben.

Das klingt einfacher, als es ist. Das Institut für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (ifs) betont, dass die Pflichtangaben nur der Information dienen, nicht aber zivilrechtliche Wirkungen in Miet- und Kaufverhältnisse begründen. Daher sei es wichtig, in der Anzeige zu kennzeichnen, dass die Angaben solche aus dem Energieausweis sind - unterschieden nach Verbrauchs- und Bedarfsausweis. "Fehlt der Bezug auf den Energieausweis, werden die Verbrauchswerte zu einer gesicherten Eigenschaft des Objekts", sagt ifs-Vorstandsmitglied Peter Runkel.

Die Angaben in den Ausweisen spiegeln nicht den tatsächlichen Energiebedarf. Beim Verbrauchsausweis kommt es zu großen Schwankungen. Aber auch die Bedarfsausweise geben nicht den konkreten Energieverbrauch wieder. Ihre Werte basieren auf theoretischen Rechenformeln. "Der Bedarfsausweis zeigt nur beim Vergleich mehrerer Immobilien, welche Objekte vermutlich einen höheren und welche einen geringeren Verbrauch haben werden", sagt Experte Runkel.

Laut ifs reicht es auch nicht, nur die im Energiepass ermittelten Werte anzugeben. Zusätzlich müssen die Heizungsanlage benannt und das Verbrauchsermittlungsverfahren ausgewiesen werden. Das Durcheinander scheint programmiert. Die neue Regelung wird zu vielen Irritationen führen und dafür sorgen, dass Privatleute gar nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Immobilien ohne Hilfe von Fachleuten zu verkaufen oder zu vermieten, sind Branchenkenner überzeugt.