Wiederaufbau

Der Glanz Potsdams

Die Garnisonkirche kehrt zurück. Baubeginn ist im nächsten Jahr

Wäre die Breite Straße eine schmucke Allee, würde die große Brachfläche stärker ins Auge fallen. So aber passiert man sie, ohne groß den Blick schweifen zu lassen. Doch das wird sich bald ändern. Dann beginnt der Umbau der Breiten Straße und schafft Platz für architektonisch Besonderes. Durch den Umbau der Straße kann die Potsdamer Garnisonkirche auf der ehemaligen Grundfläche des Gotteshauses wiedererrichtet werden. Neubau, Wiederaufbau? Ein historisches Gemäuer optisch originalgetreu zu rekonstruieren, wirft die Frage nach dem richtigen Terminus auf. Diskussionen gab es viele im Vorfeld und daran wird sich auch die nächsten Jahre nichts ändern. Allein die erste Phase, der Wiederaufbau des Turmes mit den beiden Seitenflügeln, soll bis Ende Oktober 2017 dauern.

Soviel aber steht fest, der Bauantrag für den ersten Bauabschnitt ist eingereicht und sobald der Straßenumbau fertig ist - damit wird Ende des Jahres gerechnet - geht es los. Geplant ist Anfang 2014. Hinter der Brache, die nur von einem temporären gotischen Bogen, in dem das Nagelkreuz hängt, und einem Gittertor aus der alten Kirche aufgelockert wird, erhebt sich ein Holz-Beton-Glasbau und die temporäre Ausstellungshalle, in der einige Originale der im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten und 1968 gesprengten Kirche zu sehen sind.

Darunter auch der alte Feldaltar, an dem Juliane Rumpel, die erste Pfarrerin der neuen Garnisonkirche, Gottesdienste hält.

"Der Wiederaufbau ist eine Stadtreparatur, damit gewinnen wir die historische Mitte wieder", sagt Christian Franke, Projektleiter des von der Stiftung Garnisonkirche Potsdam beauftragten Projektsteuerungsbüros teamproject.

Die Garnisonkirche gilt als wichtigste Kirche des norddeutschen Barocks. Mit ihrem knapp 90 Meter hohen Turm würde das einst höchste Gebäude der Stadt dann wieder zu den Dominanten gehören. Das benachbarte Rechenzentrum, ein unansehnlicher Plattenbau, wird abgerissen. "Äußerlich bauen wir die Kirche in ihrer alten Form wieder auf", sagt Burkhart Franck, Vorsitzender der Fördergesellschaft Garnisonkirche, deren frühere Schirmherren Altbischof Wolfgang Huber, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Brandenburgs ehemaliger Innenminister Jörg Schönbohm heute Kuratoren der Stiftung sind. Franck: "Genutzt werden soll sie jedoch als moderne offene Stadtkirche, als Symbol, Friedens- und Versöhnungskirche. Innen wird ein neuer Geist wehen und auch baulich gibt es Veränderungen. "Wo sich früher die Treppenhäuser in den Seitenflügeln befanden, sind Funktionsräume für Seminare und Ausstellungen sowie eine Bibliothek, ein Café und ein Souvenirshop geplant. Im Turmsockel soll eine Kapelle eingerichtet werden", so der Vorsitzende der Fördergesellschaft. Die Kirche soll in massiver Ziegelbauweise errichtet werden. Wenn schon keine zeitgenössische Architektur, dann zeitgenössische Technik: drei Aufzüge, von denen zwei zur neuen Aussichtsplattform in knapp 70 Meter Höhe fahren, werden eingebaut. "Die Fenster sind Kastenkonstruktionen, die es erlauben, dass sich die äußere Fensterebene an der historischen Erscheinung orientiert. Die inneren Fenster sollen die notwendigen Funktionen des Wärme- und Schallschutzes übernehmen", beschreibt Thomas Albrecht, einer der Geschäftsführer des ausführenden Berliner Architektenbüros Hilmer & Sattler und Albrecht. "Die Turmspitze ist als Kupferblech verkleidete Holzkonstruktion geplant. Lediglich die Geschossdecken im Turm werden aus Stahlbeton sein", so Albrecht.

Die noch bestehenden Fundamente der Garnisonkirche, die der Architekt Philipp Gerlach 1730-35 bauen ließ, können nicht mehr genutzt werden. "Stattdessen wird eine Gründung auf Großbohrpfählen auf einem Trägerrost gewählt. Dadurch kann das alte Fundament weitgehend belassen werden, es wird lediglich von Bohrpfählen durchdrungen", erklärt eine Architektin. Diese Pfähle werden zusätzlich für eine Geothermieanlage aktiviert, mit der ein Teil der benötigten Heiz- und Kühlleistungen abgedeckt wird.

Ähnlich wie die Frauenkirche in Dresden soll auch die Garnisonkirche ein über Spenden finanziertes Projekt sein, 39 Millionen Euro werden für den Aufbau des Turmes und der beiden Seitenflügel veranschlagt, weitere 60 Millionen für das Kirchenschiff, dass in einem zweiten Bauabschnitt realisiert werden soll. "Um anfangen zu können, brauchen wir 15 Millionen Euro", sagt Burkhart Frank.

Noch liegt diese Summe nicht vor, Förderverein und Stiftung hoffen jedoch auf eine rege Spendentätigkeit. Insgesamt sei, so Burkhart Franck, der Wiederaufbau der Garnisonkirche das größte und wichtigste Bauvorhaben der Evangelischen Kirche im 21. Jahrhundert.