Prognose

Mieten werden in Berlin weiter steigen, aber moderat

Wohnungssuchende entdecken Tempelhof-Schöneberg

- Die Angebotsmieten werden in Berlin innerhalb eines Jahres um 8,1 Prozent steigen und im Mittel einen Wert von 7,60 Euro pro Quadratmeter erreichen. Diese Prognose macht der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle in seinem jetzt vorgelegten Wohnungsmarktbericht für das zweite Halbjahr 2012. Angesichts der noch zu geringen Baufertigstellungszahlen und des nach wie vor zu geringen Bauvolumens sei auch in den nächsten Jahren mit einem knappen Wohnungsangebot und steigenden Mieten zu rechnen. Jedoch werden sich die Neuvertragsmieten mittelfristig nicht mit nahezu zehn Prozent jährlich verteuern, sondern ein langsameres Tempo einlegen, so heißt es in dem Marktbericht weiter. Damit wirkt sich der Wohnungsneubau quantitativ wie auch preislich kaum auf den Berliner Mietwohnungsmarkt aus.

Der Stadtbezirk mit den größten Zuwächsen ist Tempelhof-Schöneberg. Er erfreut sich wegen seiner zentralen Lage bei vergleichsweise günstigen Mieten steigender Beliebtheit und etabliert sich neben dem nördlichen Neukölln als Ausweichstandort für Wohnungssuchende mit Vorliebe für urbane Wohnlagen.

In den gefragten innerstädtischen Lagen Berlins bewegen sich die Mieten zwischen 8 und 11 Euro/m², in Spitzenlagen werden auch schon mal mehr als 20 Euro/m² erreicht. Das obere Preissegment bewegt sich aber überwiegend zwischen 14 und 18 Euro/m². In Randlagen der Stadt mit Plattenbauten und Großsiedlungen werden hingegen Neuvertragsmieten zwischen 5 und 7,50 Euro/m² erzielt.

Im Neubau kosten Wohnungen in innerstädtischen Lagen zwischen 9 und 15 Euro/m². Günstiger sind Einheiten außerhalb der Innenstadt mit 7 bis 9 Euro/m². Die günstigsten Angebote in Berlin finden sich in Großsiedlungen und Siedlungen des komplexen Wohnungsbaus aus den 1970er- und 1980er-Jahren.

Trotz steigender Baugenehmigungen ist das sich abzeichnende Neubauvolumen in Berlin gemessen an der wachsenden Nachfrage nach wie vor zu gering, wie Jones Lang LaSalle feststellt. So müssten nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Berlin ungefähr 16.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Diese Prognose berücksichtige dabei noch nicht die deutlich höheren Zuzüge der vergangenen Jahre. Stattdessen zeichnete sich Ende 2012 nur ein Anstieg der Baugenehmigungen auf schätzungsweise 7500 Wohnungen für das Gesamtjahr ab. Der Leerstand, so heißt es in der Studie unter Berufung auf das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg weiter, dürfte sich in Berlin aktuell deutlich unter der Fluktuationsgrenze von zwei Prozent bewegen.

Rund ein Viertel der Baugenehmigungen entfiel auf Ein- und Zweifamilienhäuser, wobei sich der Zuwachs auf den Neubau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern konzentriert. Hier entstehen zunehmend Mietwohnungen. Während sich die Bauaktivität in der Vergangenheit auf die innerstädtischen Lagen in Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg-Friedrichshain konzentrierten, werden mittlerweile zunehmend Projekte in eher dezentralen Lagen und teilweise zu moderaten Mietpreisen geplant wie zum Beispiel das "Quartier 216" in Lichtenberg und "Wohnen am Campus" in Adlershof, das zurzeit größten Berliner Wohnungsbauareal. Es wird von mehreren Entwicklern bebaut.