Concierge-Services

Stets zu Ihren Diensten!

Concierge-Services werden immer beliebter. Zunehmend sind sie mittlerweile sogar in durchschnittlichen Wohnhäusern zu finden

Tritt man durch die verglaste Eingangsschleuse des Mietshauses am Platz der Vereinten Nationen, fällt der Blick auf einen 59-Jährigen Herrn mit freundlichem Gesicht und weißgrauem Haar. Von einem Holztresen aus wachen Matthias Mädel oder einer seiner drei Kollegen über den Empfangsbereich - Tag und Nacht, in Zwölf-Stunden-Schichten.

"Wir sind Mädchen für alles", sagt der gelernte Stahlbauschlosser. "Wir verkaufen Busfahrkarten und Brötchen, wir nehmen Wäsche an und Pakete, wir rufen Taxis, und für viele sind wir auch Seelentröster." Gleichzeitig hat er die Kamerabilder im Blick, mit denen Außenbereich, Eingang des Nachbarhauses und die Gänge vor den Postfächern und den Aufzügen überwacht werden.

So viel Service in einem ganz normalen Wohnhaus? Das ist zwar immer noch die Ausnahme, doch Concierge-Dienste werden in Deutschland immer häufiger angeboten - und zwar nicht nur in Neubauprojekten im Luxus-Segment, sondern auch in Wohnanlagen. Bekannt ist das Konzept eher aus dem Ausland. In London, Paris und den USA gehört der "Doorman" ganz selbstverständlich in jedes Nobelapartmenthaus.

"Concierge-Dienste verbreiten sich in Deutschland zunehmend", sagt Florian Lanz, Geschäftsführer des Berliner Immobilienentwicklers Lago invest. Die Lenbachgärten in München gehören zu den bekanntesten Projekten, ebenso das Beisheim Center am Potsdamer Platz in Berlin. Vor allem in der Hauptstadt kann man den Eindruck gewinnen, neue Nobelimmobilien kämen nicht mehr ohne Concierge aus.

"Berlin ist kosmopolitischer als andere deutsche Großstädte", sagt Lanz. "Wenn George Clooney in ein Service-Apartment im Soho House einzieht, dann strahlt das aus. Es sind die Ausländer in Berlin, die diesen Trend beflügelt haben."

Den Bewohnern des Hauses am Platz der Vereinten Nationen hat der Sicherheitsaspekt den Luxus eines Concierge-Services beschert. 279 Wohnungen verteilen sich auf 25 Etagen. Rund 700 Menschen wohnen im Haus. Ebendiese Anonymität war es, die die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) vor 13 Jahren bewog, einen Concierge-Service im Haus zu installieren. "Wir hatten das Gefühl, dass wir dringend einen Sicherheitsdienst einrichten sollten", sagt WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Immer wieder hätten sich zu jener Zeit Fremde in den vielen Winkeln des Hauses eingenistet. In einer Umfrage stimmten die Bewohner für den Concierge-Dienst - obwohl die Kosten auf die Miete umgelegt werden. Den Aufschlag, der bei 279 Wohneinheiten ohnehin überschaubar ist, zahlen sie gern.

Dank des Pförtners, der aufpasst, wer ins Haus kommt und die Flure kontrolliert, geht auch viel weniger kaputt. Aufzüge bleiben intakt, Fenster heil, Wände werden nicht mehr beschmiert.

"Aber die Herren vom Concierge-Dienst bieten viel mehr als Sicherheit", sagt Pianka. "Sie sind die gute Seele des Hauses."