Stadtentwicklung

Mieten sind in Deutschland auf Rekordniveau

In Großstädten fehlen bereits mehr als 250.000 Wohnungen

- Im Nachgang des bereits verabschiedeten Mietrechtsänderungsgesetzes - es tritt voraussichtlich am 1. April in Kraft - hat der Deutsche Mieterbund (DMB) weitere Maßnahmen gefordert, um insbesondere Haushalte in Ballungszentren und Universitätsstädten vor weiter steigenden Wohnkosten zu schützen. In vielen Großstädten seien die Mieten in bestehenden Vertragsverhältnissen um drei bis fünf Prozent im Jahr gestiegen. Sogenannte Wiedervermietungsmieten lägen im Durchschnitt sogar 20 bis 30 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete, betonte Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes. Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten ergänzte: "Leidtragende dieser Rechtslage sind die etwa zehn Prozent der Haushalte, die jährlich die Wohnung wechseln beziehungsweise aus beruflichen Gründen umziehen müssen, mithin also junge Menschen, die eine Familie gründen, oder Studenten, die neu in die Stadt ziehen."

Die Mietrechtsnovelle sieht keine Kappung der Neuvertragsmieten vor. Allerdings dürfen die Bundesländer in Gebieten mit ausgewiesener Wohnungsknappheit beschließen, dass sich bestehende Mieten innerhalb von drei Jahren nur um maximal 15 Prozent erhöhen dürfen. Der DMB hatte eine Beschränkung der Neuvertragsmieten auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete gefordert. Ihm zufolge müssen bundesweit im Schnitt 34,1 Prozent des monatlichen Haushaltsnettoeinkommens für Kaltmiete und Nebenkosten gezahlt werden. Um diesem Trend entgegenzusteuern, sind Maßnahmen zur Ankurbelung des Wohnungsneubaus gefragt wie beispielsweise eine Anhebung der linearen Abschreibung für Abnutzung (AfA) von zwei auf vier Prozent. Verlangt wird auch eine Streichung der Modernisierungsumlage. Stattdessen soll die energetische Qualität der Wohnung zum Maßstab für die Miete gemacht werden. Laut Mietrechtsnovelle kann der Vermieter weiterhin jährlich bis zu elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen. In Zukunft kann er auch die Beheizung von der Eigenversorgung auf eine gewerbliche Wärmelieferung umstellen, wenn dies für den Mieter kostenneutral ist und ein Effizienzgewinn erzielt wird.

In Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten fehlen heute mehr als 250.000 Wohnungen. In Deutschland lebten 2012 etwa 82 Millionen Menschen, das sind 200.000 mehr als im Vorjahr. Nicht nur die Einwohnerzahl, vor allem die Zahl der Haushalte, insbesondere in den Städten, wächst weiter an. Nach Zahlen des Bauministeriums werden im Jahr 2025 rund 41,1 Millionen Haushalte eine Wohnung benötigen. Mit dieser erhöhten Nachfrage hält das Angebot nicht Schritt. Die Zahl der Fertigstellungen bewegt sich nach wie vor auf niedrigstem Niveau - zurzeit werden nur etwa 65.000 bis 70.000 Mietwohnungen pro Jahr gebaut. Gleichzeitig schrumpft der Bestand an Sozialwohnungen um ca. 100.000 Einheiten jährlich auf jetzt noch etwa 1,5 Millionen Sozialmietwohnungen.