Holzhäuser

Architektur auf dem Holzweg

Wer sich für ein Holzhaus entscheidet, verzichtet dabei keineswegs auf Komfort und Design

Wer heute kostengünstig und zugleich nachhaltig bauen möchte, kommt an Holz als Baumaterial kaum vorbei. Als nachwachsendes, regionales Naturprodukt, das sich beliebig mit anderen Materialien - Stahl, Glas, Beton, Lehm oder Ziegel - kombinieren lässt, leicht zu verarbeiten und statisch leistungsfähig ist, bietet es alle Vorteile eines modernen Baustoffs, inklusive Recyclingfähigkeit. Zudem gilt Holz in seinem Erscheinungsbild als warm und lebendig. Wer sich also für ein Holzhaus entscheidet, verzichtet dabei zugunsten einer guten Ökobilanz keineswegs auf Komfort und Design.

Dabei folgt die hölzerne Konstruktionsweise in der Regel zwei Prinzipien: Da ist zum einen die Massivholzbauweise, bei der entweder Stämme aufeinander gestapelt oder Balken zu Wänden und Decken zusammengesetzt werden. Zum anderen handelt es sich um sogenannte aufgelöste Stabtragwerke, die, aus senkrechten und horizontalen Hölzern bestehend, Decken und Wände tragen. Beispiel hierfür sind Fachwerkhäuser.

Bessere Wärmedämmung

Auch die heute übliche Holzrahmenkonstruktion basiert auf diesem Prinzip. Wobei die geschosshohen Wandelemente der Hülle aus einem Rahmen bestehen, der durch Holzständer getragen wird und außen mit großformatigen Holzwerkstoffplatten beplankt ist, während der Innenraum mit Dämmstoff aufgefüllt wird. Die Wandseite, die für die Innenseite des Hauses gedacht ist, bekommt noch eine dampfbremsende Schicht in Form einer Kunststoff- oder Papierfolie, um Schimmelbildung vorzubeugen, und eine innere Beplankung. Außen verputzt und innen tapeziert, ist die Wand schon fertig.

"Bereits diese Konstruktion verfügt über ein besseres Wärmedämmungsvermögen als eine gleich starke massiv gemauerte Wand", erklärt Johannes Kottjé in seinem Buch "Holzhäuser heute", das bei DVA erschienen ist. "Allerdings macht sich das Holztragwerk als Wärmebrücke negativ bemerkbar." Daher seien weitere Dämmschichten an der Außenseite notwendig. Eine innenseitige Installationsebene für Leitungen und Rohre könne auch als weitere Dämmschicht genutzt werden, die den Energiebedarf des Hauses weiter senkt.

"Holzhäuser haben eine große Zukunft", sagt Kottjé, "neben den ökologischen Aspekten spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle." Unter anderem sei Holz gegenüber Porenbeton und Ziegel aufgrund des geringeren Primärenergieverbrauchs in der Herstellung ökologisch günstiger. Außerdem sei durch die Vorfertigung der einzelnen Elemente die Gefahr von Bauschäden geringer als bei Massivhäusern.

Dass Holzhäuser von außen als solche nicht zu erkennen sind, macht sie architektonisch sehr spannend. So wie beim Alpenhotel Ammerwald in Tirol, das zum Schutz vor Wind und Wetter mit gebürstetem Stahl überzogen wurde. "Das hat durchaus seine Berechtigung", sagt Kottjé.

Anhand von insgesamt 25 Beispielen zeigt er in seinem Buch, was vom Anbau bis zum Neubau mit Holz so alles möglich ist. Darunter findet sich ein Wohnhaus in Österreich, das aufgrund des sehr steilen Grundstücks eine Herausforderung für die Architekten war. Ihr kühner Entwurf brachte eine Kombination aus Beton- und Massivholzbau hervor, bei dem die beiden oberen aus Holz gefertigten Wohnetagen wie eine Kiste auf der Sockeletage aus wasserundurchlässigem Beton aufliegen und den Blick freigeben auf die grandiose Landschaft.

Modern ist das Einfamilienhaus, das Johannes Kottjé in Sevelen in der Schweiz entdeckt hat. Die L-förmige Holzrahmenkonstruktion mit Zellulosedämmung und Holzelementdecken wirkt mit ihrem offenen Grundriss und der großen Fensterfront wie ein zweigeschossiges Loft, das durch Schiebewände in mehrere verschiedene Zonen geteilt werden kann. Eine intelligente und sehr zeitgemäße Lösung .

Die Möglichkeiten des Holzbaus gehen weit über diese Beispiele hinaus, wie die Ausstellung "Bauen mit Holz - Wege in die Zukunft" belegt, die das Architekturmuseum der TU München anlässlich des Jahrs der Wälder 2011 zeigte.

Ein Aufzugschacht aus Holz

Unter den Exponaten war neben öffentlichen Bauten, Wohnsiedlungen und Hotels auch der Londoner Murray Grove Tower. Das neunstöckige Wohnhaus wurde als Rohbau von nur vier Zimmermännern innerhalb von 27 Tagen errichtet und ist das derzeit höchste Massivholzgebäude in Europa. Hier sind nicht nur Wände und Decken aus Brettsperrholz, sondern auch der Aufzugschacht.