Gastkolumne

Gesucht: Beirat der Verwaltung

Hans-Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Die Dachgeschosswohnung gehört einem Architekten, und in Ihrem Haus wohnt eine Steuerberatungsgehilfin? Gratulation, Sie haben den perfekten "Verwaltungsbeirat" schon gefunden. Jetzt müssen Sie und Ihre Nachbarn nur noch einen dritten überzeugen und offiziell wählen.

Aber langsam. Nach § 29 des Wohneigentumsgesetzes haben Eigentümer die Möglichkeit, in der Versammlung einen Verwaltungsbeirat zu bestellen. Neben Wohnungseigentümergemeinschaft und Verwalter ist der Beirat das dritte Organ, das zur Verwaltung einer Wohnhausanlage gehört. In der Regel gilt: Je größer die WEG, desto wichtiger ist ein gewählter Beirat.

Man braucht einen Vorsitzenden und zwei Eigentümer als Beisitzer. Weicht man von dieser Konstellation ab, ist das zwar nicht nichtig, aber anfechtbar. Außerdem darf das gute Team nicht als solches gewählt werden. Blockwahlen sind unzulässig, die Wohnungseigentümer müssen jeden einzelnen Kandidaten wählen oder ablehnen können. Immerhin handelt es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit, die Zeit in Anspruch nimmt. Tatsächlich anfallende Spesen wie Fahrt- oder Telefonkosten werden ersetzt. Als Gegenleistung bekommt ein Beirat das gute Gefühl, das Beste für Eigentum und Miteigentümer zu erreichen.

Denn der Verwaltungsbeirat unterstützt den Verwalter bei seinen Aufgaben. Natürlich muss man dafür weder Architekturstudium noch Berufspraxis in einer Steuerberatungskanzlei vorweisen - aber es ist hilfreich, wenn eine Berufsausbildung die Durchführung erleichtert. So muss der Beirat den Wirtschaftsplan, die Abrechnung sowie die Rechnungslegungen überprüfen und mit einer Stellungnahme versehen, bevor diese von der Wohnungseigentümergemeinschaft beschlossen werden.

Der Beirat ist Berater oder Sprecher - aber nicht Entscheider. Er hat keinerlei Weisungsbefugnis weder dem Verwalter noch den Miteigentümern gegenüber. Überschreitet er seine Kompetenz, setzt er sich einem höheren Haftungsrisiko aus.

Sind Vorsitzender und Beisitzer gewählt, bleiben sie das bis zur Abwahl oder Amtsniederlegung. Dann beginnt die Suche von Neuem: Wer wird Beirat?

Nächste Woche: Sicherheit: Was zu beachten?