Interview

"Ich empfinde Mitte als etwas Besonderes"

Der Gründer der Galerie Podbielski Contemporary arbeitete in der Schweiz, in Paris und Italien

Der Architekt, Galerist und Kunsthändler Pierre André Podbielski hat schon in vielen europäischen Metropolen gelebt. Aber Berlin-Mitte ist für ihn eine Liebesgeschichte und der Koppenplatz einer der schönsten Plätze in Berlin. Mit ihm sprach Autor Oliver Klempert.

Berliner Morgenpost:

Wie lange waren Sie als Architekt tätig, und seit wann arbeiten Sie als Galerist? Inwieweit konnten Sie auch schon als Architekt künstlerisch aktiv sein?

Pierre André Podbielski:

23 Jahre lang arbeitete ich als Architekt. Doch mit Kunst habe ich mich auch währenddessen beschäftigt. Schon als Student in Paris habe ich mir regelmäßig Ausstellungen in Museen und Galerien angesehen. Im Alter von 50 Jahren habe ich begonnen, mit einem befreundeten Galeristen in Mailand zusammenzuarbeiten, anfangs nur in Teilzeit freitags und samstags. 2001 stand für mich fest, dass ich ganz in der "Galleria Rubin" arbeiten wollte und schloss mein Architekturbüro. Seit ich Anfang 2011 meine eigene Galerie in Berlin gegründet habe, dort lebte vor dem Krieg auch mein Vater, bin ich noch stiller Teilhaber. Gemeinsam mit meiner Frau sammle ich schon seit meiner Zeit als Architekt mit kleinem Budget Kunst. Wir besuchten dafür internationale Ausstellungen in Basel, Paris und Venedig. Inzwischen haben wir uns eine gute Sammlung aufgebaut, und das nicht nur mit Künstlern, die ich vertrete.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht Überschneidungen, Verbindendes zwischen Kunst und Immobilien?

Als Architekt gilt es, Funktionalität und Geschmack zu verbinden, Proportionen zu finden, Eleganz zu schaffen - und Empfehlungen für die Inneneinrichtung zu geben. Auch, wie Licht und Kunst eingesetzt werden sollten. Als Galerist versuche ich Firmen zu überzeugen, dass Büros eine Seele brauchen. Und Kunst kann und soll es geben - seien es Fotos, Bilder oder Skulpturen. So ist es auch mit "Natulis", in dem einige unserer Fotos ausgestellt sind. Im Literaturhaus an der Fasanenstraße werden ebenfalls zeitgenössische Werke ausgestellt, davon einige aus unserer Galerie. Noch ist die Umsetzung nicht so einfach, aber es kann ein erfolgreicher Weg sein. Ich finde auch, dass Rechtsanwälte und Notare ihren Büros ein zeitgenössisches Image geben sollten.

Inwieweit ist Berlin-Mitte der richtige Ort, um hier zeitgenössische Kunst auszustellen?

Berlin-Mitte war für mich eine Liebesgeschichte, nicht nur wegen des Galerie-Viertels. Der Koppenplatz ist für mich einer der schönsten Plätze in ganz Berlin - die Schule, der Park, die Ruhe und das Judendenkmal. Dazu Sophienstraße, Linienstraße und Auguststraße, die mit Cafés und Galerien zahlreiche Möglichkeiten bieten, Kunst zu erleben. Als Europäer, der Erfahrungen in der Schweiz, in Paris und Italien gemacht hat, empfinde ich Mitte als etwas Besonderes - als wäre man noch in den 80er-Jahren: Freundlich, billig im Vergleich zu anderen europäischen Städten, man kann zu Fuß zum Brandenburger Tor laufen, zur Museumsinsel und nach Prenzlauer Berg. Wir befinden uns in der Mitte der Hauptstadt Europas - das kann nicht besser sein. Meine Galerie hat in den vergangenen zwei Jahren an Wert gewonnen und ich arbeite mit einer Assistentin. Wo sonst ist das heute möglich?

Könnte man noch mutiger sein?

Das ist eine schwierige Frage. Es passiert viel in Berlin, es entstehen immer neue Galerien mit Besitzern auch aus dem Ausland. Das Hauptproblem ist, dass Berlin im Vergleich arm ist, aber das ändert sich sicher. Paris ist immer lebendig, ebenso wie London, aber mit anderen Preisen, sodass junge Künstler es sich nicht leisten können, dort zu leben. Derzeit entwickelt sich jedoch in Istanbul eine Konkurrenz für die Berliner Szene.