Gastkolumne

Duschen kann gefährlich sein

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"Stell dir vor, es gibt ein Gesetz, und keiner geht hin" - so ähnlich verhält es sich mit der Novellierung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Dabei ist die Angelegenheit nicht zu unterschätzen: Erst vor wenigen Wochen meldeten die Zeitungen einen Legionellen-Befall in einer Wohnhausanlage im Märkischen Viertel. Sind die Bakterien mal in der Leitung, sind sie eine ernsthafte gesundheitliche Gefahr, vor allem für Kinder, Senioren oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Sogar beim Duschen.

Dennoch herrscht Verunsicherung, wer nun was bis wann zu tun hat. Wohl auch, weil einige Monate nach ihrer Veröffentlichung eine Novellierung der Novellierung Ende vergangenen Jahres in Kraft getreten ist. Stand der Dinge war bisher folgender: Vorgesehen ist nur eine Prüfpflicht auf Legionellen. Sie besteht für alle zentralen Warmwasseranlagen mit einem Warmwasserspeicher mit mehr als 400 Liter Inhalt und/oder einem Warmwasserleitungsinhalt von mehr als drei Litern vom Trinkwassererwärmer bis zur Entnahmestelle - und das bei vermieteten Wohnungen. Wird eine Wohnanlage durch Eigentümer bewohnt, liegt keine gewerbliche Nutzung im Sinne der Verordnung vor. Also besteht auch keine Prüfpflicht.

Wohnanlagen, die diesen Bedingungen entsprechen, hätten bereits bis Ende 2011 den Gesundheitsämtern angezeigt werden müssen. Doch was ist nun im Einzelnen zu tun? Am Warmwasserspeicher müssen Probenahmeventile eingebaut werden. Durch diese entnehmen Fachfirmen einmal jährlich Wasserproben an Vor- und Rücklauf sowie an "repräsentativen" Steigesträngen. Die Proben werden in Labors auf Legionellen geprüft. Werden Grenzwerte überschritten, müssen Maßnahmen - bis zum Duschverbot - ausgesprochen werden.

Bis die Bürokratie greift und das alles kontrollieren kann, ist es noch lange hin. Mitte Dezember 2012 ist nun die zweite Novellierung in Kraft getreten, die eine leichtere Handhabung verspricht. Doch die Gesundheit kümmert sich nicht um Gesetze. Nach längerer Abwesenheit sollte man heißes Wasser ablaufen lassen, bevor man duscht oder badet - das hilft, Gesundheitsrisiken zu vermeiden!

René Berott ist WEG-Experte der Strabag RPS (eh. BWG), einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Nächste Woche: Trinkwasserverordnung, Teil 2