Rohrleitungen

Damit alles wieder fließt

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Stephanie Hoenig

Der Umwelt zuliebe: Körpereinsatz statt chemischer Keule, denn Abflussreiniger sind harte Mittel

Meist kündigt sich das Übel so an: Das Wasser in Spülen, Waschbecken, Duschen und Badewannen läuft immer langsamer ab. Es bildet sich ein schmieriger, fettiger Rückstau. Und wenige Tage später geht gar nichts mehr. Der Abfluss ist zu. Es gibt Möglichkeiten, die Brühe ohne die Hilfe eines Installateurs wieder abfließen zu lassen.

Einfach und bequem sind chemische Rohr- und Abflussreiniger, die in den Ausguss geschüttet werden. "Auf keinen Fall darf die richtige Dosierung überschritten werden", warnt aber Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) in Frankfurt am Main. Denn die Granulate verklumpen dann und bilden steinharte Ablagerungen. Richtiges Dosieren entlaste zudem die Umwelt.

Mittel nicht kombinieren

"Hoch aggressive und ätzende Abflussreiniger versprechen auf den Packungen sehr viel mehr, als sie halten können", heißt es bei der Bremer Umweltberatung. Besser sei, gleich ganz auf sie zu verzichten. Wer es trotzdem versuchen möchte, sollte Schutzkleidung tragen, sich nicht über den Abguss beugen und die Rohre nicht berühren. Sie könnten sehr heiß werden.

Auf keinen Fall dürfen mehrere Reinigungsmittel miteinander kombiniert werden, da sich giftige Reizgase bilden können. Nicht umwelt- und gesundheitsschädlich, dafür aber auch kaum wirksam, sind nach Einschätzung der Bremer Umweltberatung Bio-Abflussreiniger. Sie arbeiten mit einem Gemisch aus Enzymen, Mikroorganismen und Tensiden.

Ganz ohne Umweltbelastung geht es mit der Hand: "Erste Hilfe bei einer Rohrverstopfung bietet die altbewährte Saugglocke", sagt Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Erst müsse das Becken oder die Wanne mit Wasser gefüllt werden, dann setze man die Saugglocke auf den Abfluss und bewege den Griff hoch und runter. Dabei drücke das Wasser durch den Abfluss und das verstopfende Material löse sich.

Demontage kann helfen

Wichtig dabei sei, den Überlauf des Waschbeckens mit einem möglichst feuchten Tuch zuzudrücken, erklärt Petersen. Sonst entweiche dadurch das unter Druck stehende Wasser.

"Wirksam sind auch Sets, bei denen ein Schlauch an der Armatur befestigt wird", sagt Petersen. Wasser werde dabei mit Hochdruck durch den Schlauch in den Abfluss geleitet und löse die Verstopfung. Im Handel angebotene Pressluftflaschen sollten Heimwerker laut Bremer Umweltberatung nicht verwenden. Dem möglichen Überdruck seien viele Abwasserrohre und ihre Verbindungen nicht gewachsen. Wenn gar nichts mehr hilft, kann man den Siphon demontieren. "Besonders leicht verstopfen sogenannte Flaschensiphons", sagt Hans-Jürgen Reinbold, Ratgeberautor für die Stiftung Warentest in Berlin. Sie haben zwei Rohrteile, die im rechten Winkel zueinander stehen, und meist ein nach unten weisendes Ende. Bei Verstopfungen muss man dieses lösen.

Siebe und heißes Wasser

Überwiegend haben heutige Waschbecken aber Röhrensiphons. Hier genügt es, die beiden Muttern zu öffnen - meist ist das von Hand möglich, zur Not mit der Rohrzange. Damit die Chromteile nicht verkratzen, sollte ein Tuch die Mutter vor der Zange schützen. Damit kein Dreck und schmutziges Wasser auf den Boden kommen, steht ein Eimer unter dem u-förmigen Bogenstück.

Im gelösten Siphonstück muss der Schmutz entfernt werden. Das schafft man gut mit einer biegsamen Flaschenbürste oder einem stabilem Draht, rät die Stiftung Warentest. Liegt das Übel jedoch hinter dem Siphon in den Rohren in der Wand, lässt sich der Schmutz mit einer Reinigungsspirale lösen. Man schiebt die Spirale in das Rohr, indem man den Griff im Uhrzeigersinn dreht.

Besser als die radikale und zeitraubende Reparatur ist in Jedem Fall die Vorbeugung. Edelstahlsiebe im Ablauf halten viele Haare zurück, erläutert die Bremer Umweltberatung. Seifenreste spült heißes Wasser weg, das mindestens eine halbe Minute laufen sollte. Nicht in den Abfluss gehören Fett, Kaffeesatz oder Teeblätter.