imm cologne

Die Möbelbranche zeigt Qualität

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Simone Andrea Mayer

Trends der imm cologne 2013: geschwungene Linien, Naturmaterial, nachhaltige Produktion

Ein Sofa mit dicken, runden Polstern, ein kurviger Hocker und ein Tische mit geschwungenen Kanten: "Die Möbelbranche entdeckt ihre weibliche Seite", sagt Markus Majerus von der Kölnmesse, die die Internationale Möbelmesse imm cologne veranstaltet. Was dort vom 14. bis 20. Januar zu erwarten sei? Kurven, Kurven, Kurven. Und das hat etwas mit der Wirtschaftskrise zu tun.

"Cocooning" in Krisenzeiten

"Wenn sich die Menschen Sorgen machen, ist ,Cocooning' oder auch ,Homing' ein großer Trend", sagt Majerus. Das bedeutet: Sie igeln sich zu Hause ein wie Larven in einem Kokon und machen es sich mit gemütlichen und natürlichen Möbeln schön. Das lassen die Verbraucher sich trotz Finanzkrise sogar etwas kosten: "Mit mehr als 350 Euro pro Person und Jahr geben die Deutschen richtig viel Geld für ihre Einrichtung aus."

"Ich will in keiner unterkühlten Repräsentanz wohnen, sondern ganz gemütlich", sagt auch die Trendanalystin Gabriela Kaiser. "Der Komfort wird noch weiter in der Kaufentscheidung überwiegen", prognostiziert die Expertin daher. "Früher mussten Möbel vor allem gut aussehen. Heute müssen sie weiterhin gut aussehen, zugleich aber auch sehr funktional sein. Es geht ja auch beides."

Nun ist die Krise schon einige Jahre alt, und nach dem Krisentrend zurück zur Natur im vergangenen Jahr und zur Heimeligkeit im Jahr davor muss nun etwas Neues für die schlechten Zeiten her. Dieses Jahr seien das eben die Kurven. "Es wird vor allem runde Polster bei den Sofas geben - die Kastenformen sind weg", sagt Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), die sich im Vorfeld der Messe erkundigt hat. Denn solche Formen vermitteln im Zuhause ein herzlicheres Gefühl als Kanten. Gerade die geschwungenen Möbel der 1950er-, 60er- und 70er-Jahre werde es wieder zu sehen geben - sehr häufig als Neuinterpretationen.

Wichtig ist den Konsumenten auch das gute Gewissen beim Kauf - es entsteht durch eine nachhaltige Herstellung der Möbel. Beispielsweise werden die Produzenten unbehandeltes Holz, insbesondere die gute alte Eiche, Möbelideen mit integrierten Pflanzen und natürlich gearbeiteten Filz als Bezugsstoff zeigen, sagt Majerus.

Was es dagegen in diesem Jahr nach Einschätzung der Trendexperten nicht geben wird, ist das Skandalöse und Aufsehenerregende. "Was gezeigt wird, sind Dinge, die der breiten Masse gefallen", sagt Möbelexpertin Geismann. Und Majerus erläutert: "Die Menschen brauchen derzeit im Wohnraum etwas, was normal, was authentisch, was echt ist." Kaiser ergänzt: "In diesem Zusammenhang stehen Holzmöbel für Beständigkeit. Ich will meine Einrichtung nicht ständig ändern. Es muss also Design sein, das Spaß macht, und Qualität, die ich genießen kann."

Küchengeräte werden klüger

Mehr darf es bei den Küchen sein: Ein Mehr an raffinierter Technik werde auf der alle zwei Jahre parallel zur IMM stattfindenden Küchenschau Living Kitchen zu sehen sein, verrät Majerus. Auch hier ist der Naturgedanke nicht weit: "Es geht um die Rückbesinnung auf natürliche Ressourcen - was haben wir wie lange noch?", erläutert er. Deshalb werden die Geräte daher immer stromsparender oder schlauer im Umgang mit der Energie konzipiert.

Daneben ist das gemütliche Wohnen auch in der Kochecke wichtig: "Es gibt immer mehr zum Wohnraum offene Küchen. Hierauf müssen Geräte Rücksicht nehmen - das heißt, die Spülmaschine oder Dunstabzugshaube darf nicht laut sein", sagt Majerus.

Grau und Blau kommen

Viele Jahre waren Möbel tendenziell weiß. Das ändert sich. "Die Farbe wird ihren Höhepunkt 2013 überschreiten", sagt Geismann. Auf der Messe werde bereits Grau in vielen Schattierungen gezeigt. "Das ist eine interessante Farbe, nicht nur wegen der Abstufungen." Sie wirke im Wohnraum einfach wärmer und weicher als Weiß.

Zudem liegt Blau im Trend. "Es ist die Lieblingsfarbe der Deutschen", sagt Geismann. "Aber jahrelang war es aus dem Wohnraum verbannt, nun darf es wiederkommen. Dunkelblau löst Violett ab." Zugleich sieht man bei den Herstellern häufig pastellige Farben - ein Zitronen- statt eines Sonnengelbs, ein Himmel- statt eines Kobaltblaus.

Die Fachmesse findet vom14. bis 20. Januar in Köln statt. Gleichzeitig zeigen viele Einrichtungshäuser der Stadt neue Entwürfe ihrer Designer. Vom 18. bis zum 20. Januar sind die öffentlichen Publikumstage auf dem Messegelände. Weitere Informationen im Internet unter www.imm-cologne.de