Interview

"Guter Stil sollte nicht zu eitel sein"

Interior Designer Frank Stüve rät jedem, ein individuelles Konzept für die Wohnung zu suchen

Anna Klar befragte Frank Stüve, Geschäftsführer und Interior Designer in der Villa Harteneck in Grunewald, zu den Trends bei stilvoller Inneneinrichtung.

Berliner Morgenpost:

Wie arbeitet ein Interior Designer?

Frank Stüve:

Ein guter Interior Designer sollte die Kundenwünsche reflektieren und dabei mit seinem Know-how aufladen. Wichtig ist, nie den Blick auf die Location zu verlieren - also zum Beispiel keine Landhausmöbel im Loft.

Wie schnelllebig sind Trends im Interior Design und sollte der Kunde diese immer mitmachen?

Die Trends im Interiorbereich sind nicht so schnelllebig wie in der Mode. Sie bauen sich langsamer auf, weil sie sich nah an den gesellschaftlichen Veränderungen orientieren - zum Beispiel wandern Esszimmer mehr in die Küche, weil das Wohnen generell privater wird. Jedoch gibt es fast jährlich wechselnde Trendfarben. Ich finde, für den Endkunden sind die Trends im Wesentlichen unwichtig, weil jeder Mensch sein individuelles Konzept sucht, was mehr mit Persönlichkeit und tatsächlicher Umgebung zu tun hat.

Was ist guter Stil?

Guter Stil ist alles, was eine Selbstverständlichkeit ausstrahlt, eine Souveränität ausdrückt und einen kosmopolitischen Gedanken hat. Stil sollte immer eine große Natürlichkeit ausstrahlen und nicht zu eitel sein.

Welche Trends sind "in" - Farben, Möbel, Pflanzen, Stoffe?

Momentan angesagt bei der Auswahl der Farben sind alle Petroltöne, kombiniert mit Kupfer. Möbel sind immer noch inspiriert von den 50er- und 60er-Jahren, ausgelöst durch die US-amerikanische Kultserie "Mad Men". Nach wie vor ist aber auch der Ethno-Stil angesagt, so zum Beispiel Tagesdecken aus Usbekistan oder Kelims auf Sofas gezogen. Generell ist beim Wohnen immer wichtig, einen guten Mix zu haben!

Was sind Ihre Einrichtungstipps? Was sollte man unbedingt haben und was "geht gar nicht"?

Ich empfehle jedem, etwas handgemachtes zu Hause zu haben zum Beispiel gibt ein Kelim einer Inneneinrichtung immer eine große Substanz. Ich finde auch, dass Ikatstoffe Räumen eine Seele einhauchen. Absolute No-Gos sind meiner Meinung nach Kopien von Designklassikern oder aber auch billige Kunsttaftstoffe.

Muss Interior Design immer teuer und edel sein oder geht es auch etwas kostengünstiger und schlichter? Wenn ja, wie?

Interior Design muss nicht teuer sein. Wichtig ist nur, dass dem Ganzen ein gutes Konzept vorausgeht. Eine gut ausgesuchte Wandfarbe gibt die Bühne für ein Ikeasofa. Manchmal ist es auch hilfreich, gebrauchte Sofas neu zu beziehen. Auf keinen Fall Flohmärkte auslassen. Man sollte sich aber immer vorher einen Plan machen und auch ein Budget setzen. Ich bin mir sicher, dass man mit jedem Budget ein gutes Interior zaubern kann.

Welche Rolle spielen Blumen/Pflanzen im Interior Design?

Blumen machen immer dann Sinn, wenn man sie konzentriert einsetzt. Wobei die Wahl des Gefäßes eine große Rolle spielt. Blumen sollten immer an einem zentralen Ort eingesetzt werden: zum Beispiel ein großer Strauß im Saftkrug auf dem Küchentisch oder eine chinesische Schale mit Orchideen auf dem Couchtisch. Ich bin kein Freund von Hydrokultur und zu großen Pflanzen.