Innendesign

Die Privaträume des Designers als Visitenkarte

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Anna Klar

Kunstsammler Markus Hilzinger plädiert für gerahmte Bilder an den Wänden und präsentiert stolz die eigene Wohnung

Markus Hilzinger ist besorgt über das spärliche Licht, das an dem Dezembernachmittag immer weniger in die vier Zimmer seiner 120 Quadratmeter großen Wohnung scheint. "Reicht das für die Fotos? Nicht dass es zu dunkel ist", sagt er. Der Architekt und Interior Designer hat sich entschieden, seine Privaträume in Charlottenburg zu zeigen, und sie sollen in einem schönen Licht präsentiert werden.

Doch spätestens beim Eintreffen des Fotografen und dem Blick auf sein Equipment entspannt sich der Designer und kommt ins Erzählen. Das freut jeden Besucher. Denn schon der erste Blick auf die mit Kunst verzierten Wände der vier Räume weckt Staunen und Interesse. Hier gibt es viel zu sehen. Jedes Bild hat seine eigene Geschichte.

Markus Hilzinger ist ein begeisterter Kunstsammler. Er sammelt alles - von übergroßen Ölgemälden bis hin zu kleinen Schwarz-Weiß-Fotos. Diverse Werke von bekannten und unbekannten Künstlern schmücken die Wände von Wohn-, Arbeits-, Ankleide- und Schlafzimmer. Und auch die Küche und das Bad bleiben nicht außen vor.

"Kunst macht alles individuell. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Schöne am Interior Design", betont Markus Hilzinger. Doch das allein ist es nicht. Kunst sei auch eine Investition in die Zukunft. "Kunst ist nicht nur schön. Kunst hat auch einen Wert, der meist steigt. Das haben auch viele unserer Kunden erkannt, ob Privatleute oder Firmen", betont der Fachmann. Er freut sich, dass auch diese nun vermehrt auf Kunst setzen, und er nicht mehr so viel "Überredungskunst" benötigt, wie noch vor einiger Zeit. Seit 20 Jahren ist der Berliner bereits im Kunst- und Design-Geschäft, hat etliche bekannte öffentliche und private Gebäude mit seiner Arbeit verschönert.

Im April 2011 hat er ein renommiertes Unternehmen, für das er tätig war, verlassen und mit seiner Kollegin Isabella Hamann die Firma Fine Rooms gegründet. "Nach einer gewissen Zeit ist eine Veränderung wichtig", sagt Markus Hilzinger und berichtet voller Begeisterung von seiner Arbeit. "Das spannendste der letzten Monate war die Restaurierung der Villa Meißen des gleichnamigen Porzellan-Herstellers in Mailand", betont der Designer. Er fungiert auch als Kreativdirektor für Meißen Home.

Eine Schwäche für Porträts

"Die Arbeit in der Villa ist ein Höhepunkt in meiner beruflichen Karriere. Für mich als Kunstliebhaber war insbesondere die Restaurierung der wertvollen Deckenfresken, die ein Schüler von Rubens angefertigt hat, ein Erlebnis", sagt er sichtlich gerührt.

Geht man indes durch die Privaträume des Designers, so hat man das Gefühl, in einem Museum zu sein. Überall schauen einen Gesichter von Bildern und Fotos an - Kinder, Erwachsene, Frauen, Männer, alte, junge, glückliche und nachdenkliche Menschen aller Hautfarben. Der Hausherr hat eine Schwäche für Porträts. Der Besucher wünscht sich einen Audio-Guide, um mehr über alle Bilder, Künstler und gar die abgebildeten Personen erfahren zu können. Zum Glück ist der Besitzer selbst zur Stelle und gibt gern Auskunft.

So zum Beispiel zu einem farbenfrohen Gemälde des Berliner Künstlers Peter Robert Keil. Dieses hängt im Flur der Wohnung, gleich neben dem Eingang - ein prominenter Platz. Das Bild fällt jedem Besucher auf. "Ich habe es vor etlichen Jahren auf einem Flohmarkt in New York erworben. Ich kenne den Künstler und weiß um seinen Wert. Ich mag das Farbenspiel. Es fordert mich immer wieder auf, es anzuschauen und zu deuten. Das Bild erinnert mich auch an den späten Picasso", erläutert Markus Hilzinger und zeigt auf ein weiteres Lieblingsstück.

Es ist das Porträt des berühmten DDR-Ringers Werner Selenbinder. "In der DDR war er ein Volksheld. In jeder Turnhalle hing eines seiner Bilder. Die Art der Darstellung zeigt, wie ähnlich sich Propaganda-Kunst ist, egal in welchem Land und zu welcher Zeit sie entstanden ist", sagt der Experte.

Alles im Classic Chic Style

Doch nicht nur die üppige Kunst an den Wänden gibt der Wohnung ihre Atmosphäre. Auch die individuellen und zugleich geschmackvollen Möbel, von einem kleinen Sessel über die Regale, Kommoden, Lampen und ein mit diversen Kissen bedecktes Bett im Schlafzimmer, runden das Ensemble geschmackvoll ab. Hier war der Fachmann an der Arbeit.

Es passt alles gut zusammen, sieht akkurat und gepflegt aus. Wie zum Beispiel im Arbeitszimmer. Hier geht ein schwarz-weißer Teppich fast nahtlos in die mit Schwarz-Weiß-Fotografien tapezierten Wände über.

Den Stil in seiner Wohnung beschreibt der Designer als Classic Chic Style. Allerdings legt Markus Hilzinger mehr Wert auf die Persönlichkeit einer Wohnung denn auf eine bestimmte Stilrichtung. "Der Trend geht immer mehr zum Individualismus. Die Wohnungen werden kleiner, weil die Mieten und Immobilienpreise steigen. Bei der Einrichtung der Wohnung sollte man demnach den Schwerpunkt auf seine Lieblingsstücke setzen", sagt er als Anregung.

Auch die Einrichtung seiner eigenen vier Wände sei "ständig im Fluss". "Wenn man etwas wegnimmt, dann sollte man es mit etwas anderem ergänzen können, ohne den gesamten Stil ändern zu müssen. Die Wohnung eines Menschen ist wie seine Visitenkarte, ist wie ein Passepartout", stellt der Designer fest und fügt an: "Guten Stil kann man nicht definieren. Guter Stil ist das, worin der Mensch sich wohlfühlt. Für mich darf eine gute Einrichtung nicht statisch sein." So definiert er seine eigene Wohnung nicht als "museal", sondern findet sie "artifiziell".

Viel wichtiger ist, dass eine Wohnung wie ein Maßanzug die eigene Persönlichkeit betont. "Hohe Schränke sollten nicht in dem Raum stehen, in dem man sich gern zum Sitzen, Essen, Unterhalten aufhält. Dort sollte man eher Kommoden und Sideboards in Augenhöhe platzieren", sagt Markus Hilzinger.

Keine Angst vor Farbigkeit

Der Experte rät ferner dazu, Räume in Zonen zu gliedern und bei Farben keine Bange vor dunklen Tönen zu haben. "Dunkle Farben machen eine Wohnung nicht dunkel, sondern größer", weiß der Fachmann, der natürlich auch auf Bilder an den Wänden setzt.

"Ein Bild muss nicht teuer sein und verleiht jeder Wohnung eine Persönlichkeit. Auf dem Flohmarkt gibt es die tollsten Bilder und Rahmen. Selbst ein Foto an der Wand hat mehr Stil, wenn es in einem Rahmen steckt", ergänzt er und kann es nicht fassen, dass es immer noch Leute gibt, die sich ein rahmenloses Poster an die Wand hängen. "Das geht gar nicht. Das haben wir heutzutage nicht nötig!"