Einrichtung

Da steht ein Pferd auf dem Flur ...

Ob als Buchstütze, Lampe, auf Geschirr oder als Badewannenstöpsel - Dekorationen und Accessoires mit Tieren sind beliebt

Wohnen mit Tieren - das klingt anstrengend. Aber diese Vierbeiner verschmutzen nichts, fressen nichts, lärmen nicht und stellen keine Ansprüche. Denn sie sind aus Holz, Porzellan, PVC oder Leder. Ob auf Tellern, als Buchstütze oder Lampe: Viele Dekorationen in Tierform sind derzeit bei den Ausstattern im Programm. Und auf den Einrichtungsmessen waren sie der Hit.

Allenfalls der Platzbedarf ist mitunter beträchtlich: So entwarfen die Designerinnen des schwedischen Trios Front für das holländische Avantgarde-Label Moooi ein lebensgroßes Pferd aus schwarzem Kunststoff, das als Lampe dient.

"Tiere im Design sind eine Form der Infantilisierung, denn die Motive bedrohen uns nicht", sagt die Trendforscherin Oona Strathern aus Wien. "Stattdessen bieten sie uns eine Art Komfortzone, die sich von der Unschuld in der Kindheit speist."

Bereits in den 50er-Jahren waren Tiere ein großes Thema im Design - vielleicht weil die Menschen in jenen Tagen, dem Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg, Sicherheit suchten. Damals entwickelte Kay Bojesen Tiere aus Holz für die Firma Rosendahl. Die Idee, Holzspielzeug nicht für Erwachsene zu kreieren, lag dem Dänen am Herzen. Für ihn sollten die Objekte beim Betrachter das Gefühl hervorrufen, sie wegen ihrer lebendigen und einnehmenden Erscheinung berühren zu wollen. Allen voran seine Äffchen sind längst mehr als ein hochwertiges Dekorationselement. Sie sind zu begehrten Sammlerstücken avanciert.

Hocker und Skulptur

Ein Vogel hat es sogar zum Status einer Designikone gebracht, obwohl der Urheber unbekannt ist. Der "Eames House Bird" steht im Haus der Designer Charles und Ray Eames in Los Angeles. Der Vogel aus Holz im Zentrum des Wohnraums wurde häufig als Accessoire auf Fotos eingesetzt. Ein Modell aus schwarz lackiertem Erlenholz und Eisendraht gibt es heute bei Vitra.

Ein ungewöhnliches Objekt haben die beiden Karlsruher Designerinnen Yvonne Fehling und Jennie Peiz mit "Still lives" entworfen: ein lebensgroßes Schwein, das mit Rindsleder bezogen ist. Dieses ist rautenförmig geheftet und mit Knöpfen versehen - was das Schwein zu einem typisch englischen Chesterfield-Polstermöbel macht.

Das Objekt ist Hocker, Spielzeug, Skulptur, Kuscheltier und Turngerät zugleich. "Vielleicht ist es die Aufforderung zum spielerischen Umgang, der uns in einen kindlichen Zustand der Unbekümmertheit - und so in eine heitere Stimmung versetzt", erklärt die Designerin Jennie Peiz den Entwurf.

Manche tierischen Objekte lassen einen schmunzeln - wie die von Donkey Products. Zum Beispiel, wenn in der Badewanne ein Gummikrokodil Gesellschaft leistet, das an der Kette des Wannenstöpsels hängt. Edler, aber nicht weniger liebenswert sind die Entwürfe des New Yorkers Jonathan Adler. Der Keramikdesigner sieht Krimskrams als Bereicherung an. Aus Porzellan formt er Eichhörnchen für den Kaminsims, die Streichhölzer halten. Oder lässt Wale als Buchstützen fungieren. Einen Dackel hat er gestreckt, sodass dieser neun Kerzen auf seinem Porzellanrücken halten kann.

Luxus aus Porzellan

Die holländische Designerin Hella Jongerius setzt ebenfalls auf Luxus aus Porzellan: Für das Münchner Unternehmen Nymphenburg entwarf sie schlichte Teller, in die sie Tierfiguren platzierte.