Energieausweis

Alle Karten auf den Tisch

Ab 2013 muss schon bei der Besichtigung des Objektes der Energieausweis vorgelegt werden

- Es ist nur eine Kleinigkeit, die sich beim Energieausweis ändert. Aber sie könnte dafür sorgen, dass künftig bei dem ungeliebten Haus-Ausweis sehr viel in Bewegung kommt. Dabei ist bereits schon seit 2008 ist jeder Verkäufer oder Vermieter verpflichtet, ein solches Dokument vorzulegen. Es soll eine grobe Orientierung zum Verbrauch der Energiekosten bei Bestandsimmobilien liefern, woraus sich wiederum möglicher Modernisierungsbedarf ableiten lässt. Bislang musste der Ausweis aber nur auf Verlangen des Käufers oder Mieters vorgezeigt werden. Das soll sich nun ändern.

Von 2013 an muss der Energieausweis unaufgefordert schon bei der Besichtigung einer Wohnung oder eines Hauses vorgezeigt werden. Zudem sollen künftig die wichtigsten Angaben des Energieausweises bereits in den Wohnungsanzeigen genannt werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeldern in Höhe von bis zu 15.000 Euro rechnen.

Die neue Initiative für den Ausweis ist eine europarechtliche Entscheidung, die auf der EU-Gebäuderichtlinie von 2010 basiert und jetzt in nationales Recht umgewandelt wird. Der Gesetzgeber reagiert damit auf die bisher geringe Anzahl der ausgestellten Ausweise. In der Praxis hat sich der Energieausweis nämlich als Rohrkrepierer erwiesen, kaum jemand hat den Ausweis bislang sehen wollen. "Wer ein altes Haus kauft, weiß doch auch so, dass er sanieren muss", sagt eine Hamburger Maklerin. "Da ist es uninteressant, wie schlecht der energetische Zustand der Immobilie ist."

Daher stößt auch bei vielen Immobilienverbänden die neue Verpflichtung auf wenig Gegenliebe. "Dass zukünftig bei der Vermietung von Häusern und Wohnungen - unverzüglich nach Vertragsabschluss - ein Energieausweis übergeben werden muss, halten wir für absolut überflüssig", sagt Alexander Wiech, Sprecher von Haus & Grund. "Die Praxis hat gezeigt, dass bei Vermietungen vorhandene Energieausweise fast nie nachgefragt oder zur Kenntnis genommen werden. Es besteht also im Allgemeinen kein Interesse an den Energieausweisen."

Bedarfsorientierte Angaben ratsam

Beim BFW Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen sieht man ohnehin wenig Sinn in den Energieausweisen. "Aufwand und Nutzen stehen für Eigentümer, aber auch potenzielle Mieter und Käufer in keinem Verhältnis", ist Walter Rasch, Präsident des BFW und Vorsitzender der BID Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland überzeugt. "Hinzu kommt, dass Energieausweise nur einen groben Überblick über den energetischen Zustand eines Gebäudes geben können."

Grundsätzlich existieren zwei Varianten des Ausweises, der für zehn Jahre gültig ist: Zum einen ist da der Verbrauchsausweis. Diese Ausführung basiert auf dem Energieverbrauch der Bewohner in den zurückliegenden drei Jahren und wird nach dem tatsächlichen Verbrauch berechnet. Die Grundlage für diese Berechnung ist die Heizkostenabrechnung.

Die zweite Variante ist der Bedarfsausweis, bei dem ein Fachmann die baulichen Bestandteile eines Gebäudes unter die Lupe nimmt. Mit dieser Untersuchung bestimmt er, wie hoch der Energieverbrauch angesichts des baulichen Zustands des Hauses sein müsste. Diese Variante des Ausweises ist zwingend für Ein- bis Vierfamilienhäuser vorgeschrieben, die vor dem Jahr 1977 gebaut wurden und noch nicht umfassend energetisch saniert wurden. Auch der Mieterbund empfiehlt für Wohngebäude diese bedarfsbasierten Angaben. "So wird der Zustand des Hauses und nicht das Verhalten der Bewohner analysiert, wie bei einem Verbrauchsausweis. Denn ob jemand viel oder wenig heizt, spielt beim Bedarfsausweis keine Rolle", sagt Ulrich Ropetz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Für andere Immobilien reicht auch der günstigere Verbrauchsausweis aus, den es meist schon für 50 Euro gibt.

Mieterbund und Verbraucherzentralen raten bei Wohngebäuden aber grundsätzlich zu den bedarfsorientierten Angaben - auch wenn der Bedarfsausweis erheblich teurer ist. Einen allgemeinen Konsens über das Preisgefüge gibt es allerdings nicht, jedes Bundesland entscheidet selbst. So kostet der Bedarfsausweis etwa im Saarland zwischen 349 und 399 Euro für Häuser bis zu maximal fünf Wohneinheiten. Wer zwischen sechs und zehn Wohneinheiten sein Eigen nennt, muss schon mit 40 Euro je Wohnung und einer Grundpauschale von 299 rechnen. Für Robert Steffen sind das sinnvolle Investitionen. "Beim Bedarfsausweis wird der Zustand des Hauses analysiert und nicht das Verhalten der Bewohner, das sich stetig ändern kann", sagt der Energieberater der Verbraucherzentrale Saarland. "Ob jemand viel oder wenig heizt, spielt dabei keine Rolle."

Dennoch kann jeder Einzelne durch sein Verhalten Energie sparen. Am einfachsten lassen sich die Kosten senken, wenn man weiß, an welchen Stellen im Haushalt unnötig Strom verbraucht wird. Mit dem kostenlosen Online-Stromsparcheck auf www.stromsparcheck.stromeffizienz.de lässt sich in wenigen Minuten der individuelle Stromverbrauch analysieren. Der Check zeigt, wie viel Stromkosten eingespart werden können und gibt passende Energiespartipps. Wer zum Beispiel immer noch Glühlampen benutzt, kann mit effizienten Alternativen seine Stromkosten deutlich reduzieren. LED- und Energiesparlampen senken den Stromverbrauch um bis zu 80 Prozent und halten im Durchschnitt zehnmal so lange. Auch vergeuden ältere Geräte der Unterhaltungselektronik im Stand-by unnötig Strom. Betroffen sind zahlreiche Fernseher, Set-Top-Boxen und Co., die vor 2010 gekauft wurden. Wer hier Stand-by-Betrieb vermeidet, spart jährlich knapp zwei Euro pro Watt. Das ergibt bei mehreren Geräten schnell eine ansehnliche Summe. Eine schaltbare Steckdosenleiste trennt mit einem Klick alle angeschlossenen Geräte einfach und schnell vom Netz.

Abweichen von den realen Kosten

Energiesparprogramme von Waschmaschine und Geschirrspüler halten, was sie versprechen - aber nur wenn man sie nutzt. Wer beim Waschen und Spülen das Energiespar- oder ECO-Programm wählt, spart Strom und Wasser, erhält aber die gleiche Reinigungswirkung wie beim Normalprogramm. Wichtig: erst einschalten, wenn Waschmaschine und Geschirrspüler voll sind.

Wer sich an diese vier Energiespar-Vorsätze hält, wird belohnt. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt, der sich für energieeffiziente Elektrogeräte entscheidet und diese clever nutzt, kann nach Berechnungen der dena im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz bis zu 25 Prozent der Stromkosten einsparen. Weitere Energiespar-Tipps gibt es im Internet unter www.stromeffizienz.de.

An dem vermeintlich besseren Bedarfsausweis gibt es auch Kritik, weil er nur mit abstrakten Kennziffern zu Energiebedarf und Wärmeverlust arbeitet und es laut einer Erhebung im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zu Abweichungen vom realen Energiebedarf um bis zu 108 Prozent kommt. "Über die tatsächlichen laufenden Kosten sagt der Bedarfsausweis nichts aus", moniert Franco Höfling, Rechtsreferent des BFW Bundesverbandes. "Damit kann ich als Mieter oder Käufer gar nicht einschätzen, was auf mich zukommt."